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Volume 3. November 1888 Nr, 5

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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Einzelheiten uns für immer verborgen bleiben werden. Seinen 
Besitz aber sicherte der Markgraf durch feste Punkte nach Osten 
an der Havel, vor Allem durch Spandow und Bötzow, dem 
späteren Oranienburg. Bis zur Oder vorzudringen gelang den 
Markgrafen erst zu Anfang des 13. Jahrhunderts, denn noch 
zu Albrechts Zeit war die Macht der Pommerschen Fürsten 
gewaltig in diesen Gegenden östlich der Havel und noch zu 
Ende des 12. Jahrhunderts machten sie verheerende Einfälle 
die Oder aufwärts, bis es endlich gelang, die dem Namen 
nach schon seit Kaiser Lothars Zeiten bestehende Lehns 
abhängigkeit dieser Slavensiirsten von dem Markgrafen zur 
Wahrheit zu machen. So ging denn auch endlich der Barnim 
um das Jahr 1230, wahrscheinlich von den Pommerschen 
Fürsten friedlich durch Kauf in die Hände des Markgrafen 
über. Zu Albrechts Zeiten aber war von solchen friedlichen 
Zuständen noch keine Rede. Bötzow (Oranienburg) war zu einer 
mächtigen Beste geworden, die den gewonnenen markgräflicheu 
Besitz nach Nordosten sichern sollte. Jahrhunderte lang bewahrte 
der Ort diesen Charakter einer markgräflichen Hauptveste. Wir 
wissen noch aus dem 14. Jahrhundert, daß daselbst bedeutende 
Mühlcnwcrkc angelegt waren, Eisenhämmer, auf denen aus den 
häufigen Rasencisencrzen die Waffen für die Märker gefertigt 
wurden. Wie Spandow wenige Meilen südlich noch heute 
ein Hauptwasfenplatz, so Bötzow zu Albrechts und seines 
Geschlechtes Zeiten. Diese Hauptveste hatte auch Bor- 
burgen mit höchst charakteristischen Namen. Eine Meile 
von Bötzow nach Norden an der oberen Havel lag einst 
Bären Haupt (urkundlich Bernovete, Bernhoffde), lange Zeit 
nü'tft, nunmehr als Kolonistendörfchen Bernöve wieder er 
standen; nach Südwesten aber lag Bärenklau (urkundlich 
Bernclaw), dem Ersteren entsprechend, noch heut das bekannte 
Remontedepot. 
Wir erkennen aus diesen Anlagen, daß bei ihrem Ent 
stehen auch das Havelland, insbesondere der Glien, noch nicht 
völlig gesichert sein mußte. 
Woher nun diese Namen Bärenhaupt und Bärenklau, 
wenn nicht passend zu dem Sitz des Bären selbst, zu Bötzow? 
Woher diese Namen, tvenn nicht von Albrecht selbst herzuleiten, 
dem Manne, den schon seine Zeitgenossen „den Bären" nannten, 
von dem der zeitgenössische Spruch 
Heinrich der Löw und Albrecht der Bar, 
Sainnit Friedrich mit dem rothen Har, 
Das sind drei Herrn, 
Die mögen die Welt verkehrn. 
uns urkundlich überliefert ist? 
Wohl ist Schildhorn an der Havel ein sinniges Denkmal 
jener fernen Zeit, die den Sieg der Deutschen über den ein- 
gedrungenen Fremdling brachte, ein sinniges Denkmal des 
Aufblühens einer neuen Zeit — aber leider ist die sich an 
Schildhvrn knüpfende Sage sehr modern. Nicht vom Schilde 
und vom Hörne, den Rüstungsstücken eines Slavenfürsten führt 
es den Namen: Horn heißen in dortiger Gegend alle in die 
Havel vorspringenden Userstellen und Schild ist eine alte deutsche 
Bezeichnung isolirtcr Bodenerhebungen. 
Es ruht nun schon Jahrhunderte dort zu Lehnin und 
Chorin der Staub der schaffensmuthigen Männer, jener 
Anhaltiner; von Manchen derselben ist kaum die Ruhestätte 
bekannt — wo Albrechts Asche ruht — verkündet es — seines 
Schaffens Folgen aber haben die Jahrhunderte überdauert 
und noch klingt der Name seiner gewaltigen Hand, einst seiner 
Feinde Schrecken: 
„Bärenklau!" R. Lutter. 
Wir finden eine poetische Darstellung der Schildhorn-Sage in 
G. Gurski's Dichtung „Schildhorn", in Henry Litolff's Verlag in 
Braunschweig erschienen und fügen mit Bewilligung des Originalverlegers 
daraus die folgenden Schlußverse hier an. 
Drang nicht Hörnerruf an's! 
Ohr?... 
Horch, — welch' dumpfes, banges! 
Lauschen!... 
Weh, da bricht es schon hervor, 
Schwcrterklirren, Waffenrauschen, 
Und in tausendstimm'gem Ton: 
,N)'rie eleison! 
„Hilf o Herr, den Sieg gewinnen! ' 
„Hilf, Jehovah Zebaoth!" 
Nirgends Rettung! Kein Entrinnen!! 
Todesschrecken! Todesnoth! 
Flüchtig ordnet sich der Haufen, — j 
Wirres Durcheinanderlaufen, — j 
Weh! des Anpralls erste Wucht 
Löst sie auf in wilde Flucht! 
Jaczo sieht den Letzten wanken, 
Da erst wendet er sein Roß, 
Doch mit Schnelle der Gedanken 
Folgt ihm schon der Feinde Troß. 
Ueber Lebende und Leichen 
Spornen sie die blut'gen Weichen 
Ihn, den Flücht'gen, zu erreichen. 
Und — der alle Pfade kennt. 
Wie mit Blindheit nun umnachtet. 
Läßt die Lichtung unbeachtet, 
Die der Havel Ufer trennt; 
Sicht um sich den Halbkreis schließen, 
Sieht nun auch zu seinen Füßen — 
Ei» feindselig Element. 
Mit dem Augenblick verloren 
Wär' das Leben! WutheNtbrannt 
Fühlt das Roß die scharfen Sporen — 
Ob auch steil des Ufers Rand — 
Ob die Havel wüthend schäumt — 
Ob das scheue Roß sich bäumt — 
Eher noch der Fluthen Grab, 
Als besiegt! Er setzt hinab! 
Und der Wogen starke Kette 
Hemmet Roß und Reiter nicht, 
Denn sie ringen um die Wette, 
Keinem es an Kraft gebricht. 
Gastlich schon das Ufer winket, 
Freundlich dort die Höhe blinket, — 
Da vom Strome neu erfaßt, 
Unterliegt das Roß — es sinket! 
Ob er kämpft, der kühne Schwimmer, 
Mit verdoppelt wilder Hast, 
Weh! der letzte Hoffnungsschimmer 
Schwindet,—denn sein Arm erschlafft 
Und die Brandung hebt sich höher. — 
— Plötzlich, wie mit neuer Kraft, 
Schwingt er sich dem Ufer näher. 
Theilt die Fluth mit fester Hand, 
Fühlt schon unter sich den Sand, 
Ist der Strömung nun entronnen. 
Klimmt empor und — hat gewonnen! 
Doch — wie? Ist dasJaczo'sBild? 
Eines unbesiegten Hünen? — 
Knieend löst er Horn und Schild, 
Ruft mit der Zerknirschung Mienen, 
Daß es rings das All erfüllt: 
„Dir, Jehovah, will ich dienen: 
„Gott der Kraft, den ich erprobt, 
„Als ich schon in Todes Armen, 
„Dir hab' ich mich angelobt —■ 
„Gott der Liebe, hab' Erbarmen!" 
Rings am Strand die Menge lauscht 
Und der Jubel will nicht enden. 
Wie das Wort berüberrauscht: 
„Nimm, o Herr, des letzten Wenden 
„Letzte Wehr aus meinen Händen: 
„Schild und Horn! —Und dieses 
Land, 
„Das sich deinem Dienste weihe, 
„SchildHorn sei's fortan genannt! 
„Herr, — dem Säumigen verzeihe!" 
Wie man Häuser staut?') 
Von 28. Bonncll. 
Bekanntlich ist die Gründung unserer heutigen Friedrich- 
stadt das Werk Kurfürst Friedrichs III., des nachmaligen 
ersten preußischen Königs. Bald nach seinem Regierunsan- 
tritte wurde das große Werk begonnen und in den beiden 
ersten Jahrzehnten kräftig gefördert. Dank der Freigebigkeit des 
fürstlichen Gründers, der mit Unterstützungen an Baugeldern 
und Baumaterialien nicht kargte. Um 1706 etwa ließ die 
*) König, Versuch einer histor. Schilderung der Residenzstadt Berlin 
(1793); Nicolai, Berlin und Potsdam (1786); L. Schneider, Palais 
des Prinzen Albrecht (1870); Jähns, Entstehungsgeschichte der Berliner 
Friedrichstadt (1881); Friedrich Wilhelm I. als Eheprokurator (Zeitschrift 
„Kolonie", 1886); Muret, Geschichte der französischen Kolonie (1885).
	        
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