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Periodical volume 28. September 1889 Nr, 52

Full text: Der Bär Issue 15.1889

Unter Mitwirkung 
gevlnguier, F. Duirchos, ®ljcoiunr Fsntcrno, Stadtrat G. 
Gymnasialdirektor Dr. Wl. KrtirvarU; und Grnst von Mildonbvurti 
herausgegeben von 
GsKav SrftwLftrl, Korliri. 
XV. 
Jahrgang. 
M 52. 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist direkt von der Geschäftsstelle (Berlin X-, Schönhauser Allee >41, — 
Fernsvrechstelle Ela, 8400), sowie durch alle Postanstalten (No. 6ye), Buchhandlungen und Zeitungsspeditionen für 
2 Alk. 50 Pfg. vierteljährlich zu beziehen. 
28. September 
1889. 
Hrer 
azestäi §ev Uaisevin 
fum 30. Keptemvev 1889. 
ugusta 
f Wu sahst die Aindheit sonnig einst verstreichen, 
& Begrüßtest hold den Zollernfürst als Braut 
Dort, wo auf wald'ger höh' als Glaubenszeichen 
Die Wartburg schimmernd in die Thäler schaut! - 
Stets bliebest Du seit Deinem Lcbensmorgen 
Mt Deiitenl Gotte eins in Glück und Pein, 
Und glaubensfreudig sahst Du Dich geborgen 
In Seiner -Huld und Gnade sonn'gem Schein. 
Vorüber rauschte in deni Laus der Zeiten 
Manch hohes Glück und manches herbe Leid. 
Zunt Aaiserthrone mit dem Gatteil schreiten 
Sah Dich Dein Volk nach sieggekröntem Streit, — 
Dein Volk, das dankbar liebend Dich verehret, 
Die sich als Mutter huldreich ihin geneigt, 
Die gütig heißen Thränen hat gewehret, 
Den Armen stets das reichste Herz gezeigt. 
Licht war es um den Abend Deines Lebens, 
Bis Gott Dir schwerste Prüfung auferlegt, — 
Das ganze Volk, mit Dir vereint, vergebens 
Zum heißesten Gebet die Lippen regt. 
Gott rief den Melden, dessen hehres Leben 
Du schmücktest, fort vom deutschen Aaiserthron; 
Tr rief nach wenig Mondeil voll der Trde 
Zur ew'gen Heimat auch dell einz'gcn Sohil. 
Deil Thräileilweg, Du bist ihn still gegangen; 
Verklärt hat er Dich ilur, der bittre Schnlerz. 
Nur Twigem galt stets ja Dein Verlangen, 
Im Glauben wandtest Du Dich himmelwärts. 
Druin tönt es inilig heut von tausend Zungen: 
„Auf Dir ruh' Gottes Segen immerdar! 
Die Du des Glaubens palnre hast errungeil, — 
Gott schütze Dich im neueil Lebensjahr!" 
21. 111. Wille. . 
Auf dem Tempelhofer Felde. 
Berliner Skizze von M. Rinckleben. 
a ler Flieder blühte und duftete, uild aus dem Gebüsch 
^ heraus drailg das Lied der Nachtigall. Eine verbrauchte 
Phrase, nicht wahr? — 
Aber ist der Frühling nicht auch etwas seit Jahrtausenden 
Wiederkehrendes? Und doch empfangt ihr ihn alle mit offenen 
Armen, und das Herz thut sich auf, ivann's die Sonne wieder 
gut meint nach der Nacht des Winters. Jeder neu zurück 
kehrende Lenz findet euch draußen mit jener alten Freude, 
die seit Jahrtausenden durch das Menschenherz zieht, wenn 
er die Boten beobachtet, welche der freundliche Knabe vor 
ausschickt, seinen Einzug vorzubereiten, — das Schwellen 
der Knospen, das Emporkeimen der jungen Saat, und dort, 
o alte und immer neue Freilde, die Schwalbe sieht, die heim- 
gekehrt ist nach Norden! Nun, es war an einem Lenzmorgen, 
der Flieder blühte uild duftete, und das holde Lied der 
Nachtigall drang aus dem Gebüsch hervor.
        
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