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Periodical volume 21. September 1889 Nr, 51

Full text: Der Bär Issue 15.1889

Dauer seines Amtes Hai er stets nur zum gemeiucu Besten 
gewirkt und niemals ist er dem Interesse einzelner dienstbar 
geworden. Die Steinbecks, voit denen der eine als Direktor 
des Land- n»d Stadtgerichts, der andere als Geheimer 
Sauilätsral pud Stadtverordneienvorsleher slingierte, waren, 
man sagt, einer Liaison wegen, seine Todfeinde. Neberhaupt 
blieb die Zahl seiner Gegner mindestens ebenso gross, wie die 
seiner Verehrer. Abgesehen von anderem, ist dies schoit da 
durch erklärlich, daß er bei seinen Maßnahmen gar manche 
Interessen verletzte und verletzen mußte. Ein kurzer Blick ans 
diese Refonnen ivird dies bestätigen. Als er in das Amt 
trat, fand Ziegler 48 städtische Kassen und 23 Rendanten 
vor. Von der Existenz einzelner Kassen erhielt der Magistrat 
damals erst Kenntnis, andere Kassen waren seil Jahrzehnten 
mit der Rechnungslegung im Rückstände. Die Kämmereikasse 
verwaltete cm Kämmerer, welcher Dezernent und Rendant in 
einer Person war, ein wahrer Verderb für das Kassenwesen, 
wie Ziegler mit Recht sagte. Andere Kassen verwalteten un 
besoldete Magistratsmitglieder, Stadtverordnete, sogar der 
Stadiverorduetenvorsteher gegen Remuneration. Die Kassen 
bestände befanden sich in den Privatwohnuugen der Rendanten, 
die Rechnungen waren oft recht naturwüchsiger Art, und bei 
den Bewerbungen um die Rendanienstellen hieß es zumeist, der 
Petent sei in seinen Geschäften zurückgekommen, habe eine 
große Familsi zu unterhalten, sei seit vielen Jahren Bürger 
und wünsche eine kleine Versorgung. Ziegler nannte dies den 
Krebsschaden der Verwaltung, und -eS gelang ihm, denselben 
zum wesentlichsten Teile, obenein mit einer Kostenersparnis 
von 438 Mark, zu beseitigen. Es ivurden drei Kassen: Die 
Kämmereikasse, die Administr-atianskasse und die Jn- 
stitutenkasse, gebildet, von welchen die erste die Geld 
angelegenheiten der eigentlichen Kämmerei, die zweite diejenigen, 
bei denen der Staat interessiert war, die dritte die der Kirchen, 
Hospitäler, Legate und der von Saldernschen Schule besorgte. 
Diese Einrichtung wurde von der Regierung allen Städten 
des Bezirks empfohlen und von vielen nachgeahmt. 
(Schluß folgt.) 
Geschlecht, Stammhaus, Ritttrhlre und Denkmäler 
Derer von Blankenfelde. 
(Schluß.) 
Wir wenden uns nunmehr jenen Denkmälern zu, welche 
die Blankenfelde in Berlin hinterlassen haben. 
Unzweifelhaft hat das verdiente Bürgergeschlecht zu den 
hervorragendsten Wohlthätern unsres Grauen Klosters gehört. 
Im Jahre 1862 war in de>t Nestelt der Barllichkeiten des 
Kapitelsaales lnoch ein Schlußstein aus einem Gewölbe vor 
handen, welcher den Schild der Blankenfelde zeigte. Die be 
treffenden Teile des Grauen Klosters entstammen, wie der 
Wappenschild des Freiherrn Georg von Stein bewies, dem 
Schlüsse des 15. Jahrhunderts. In der nebenangelegenen 
Kirche befand sich nach Küster „beim Eingänge zum hohen 
Chore an der Mauer" einst ein großer Stein, auf welchem die 
folgende Nachricht befindlich war: 
„Nahe bey diesem steinern klonurnento hänget eine alte 
Tafel mit dieser Ueberschrifft: Anno dmi. dusendt piff 
hunderdt und in dem dridden Jahr am Mandage nach Lurie 
ist in God verstorben Barbara, Peter Otten Dochter von 
Herzeberg sein Hußfrawe gewesen Wilke Blanckenselds) 
der Gott gnedig seye. An dem Pfeiler, gegen der Kanzel 
über, sind auf einer Tafel unterwerts diese Worte zu lesen: 
Anno a nativitate Domini millesimo qningentesimo 
quarto, quinta feria post Esto mihi, vita bene 
beateque exacta, obiit Thomas Blanckenselds quin- 
que et decem filiis relictis superstitibus magnoque 
nepotum numero, cuius manibus Deus tribuat aeter- 
nam felicitatem. Yixit annos duo et Septuaginta.“ — 
Wir vermuthen, daß Küster hier, wie so oft, nicht ganz 
genau gewesen ist. Der große Stein, welchen er meint, ist 
wohl noch heute vorhanden, — wir kommen sogleich auf ihn 
zu sprechen, — nur die Tafel ist tintergegaugen. Der fragliche 
Stein ist nämlich wohl jenes Weihedenkmal, welches der 
Bürgermeister Tieffenbach seinen Vorfahren, ben Männern 
der Geschlechter Blankenfelde, Straube, Mauritz und Reichardt, 
in der Klosterkirche errichtet hat. Wir haben dasselbe im 
„Bären" bereits ausführlich besprochen. 
In St. Marien haben wir ein Denkmal der Blankenfelde 
nicht auszusinden vermocht. Das alte Bürgerhaus hielt sich 
nach der Einführung der Reformation zu dem Gotteshause der 
Ali-Stadt Berlin. Hier, wo der Küchenmeister Johann von 
Blankenfelde, wie erwähnt, seine Grabkapelle hatte, finden sich 
die Totenschilde der Blankenfelde, Straube, Reichardt und 
Tieffenbach noch heut. Hier in Gt. Nikolai ist auch das Denk 
mal des Lizentiaten Peter Matthias und seiner einen Tag 
nach ihm verstorbenen Gattin, Anna Magdalena von Blanken 
felde noch erhallen. Dasselbe zeigt Christum, den Auferstan 
denen, wie er, die Siegesfahne in der Hand, Tod und Teufel 
niedertritt und so jenen Kampf besteht, dessen Notwendigkeit 
links im Hintergründe durch den Sündenfall Adams und 
Evas dargestellt ist, während rechts der Streit Davids mit 
Goliath von dem alten Meister angebracht worden ist, — 
vielleicht, weil David als Vorbild des Erlösers betrachtet wurde. 
In diesem Gemälde, — so hat sich Schinkel geäußert, — ist 
der helle, glänzende Farbenton von besonders schöner Wirkung; 
die Hauptgestalt ist freilich verzeichnet. Unter dem Bilde 
kniet das junge, so früh heimgerufene Paar bei der Haus 
marke der Matthias und dem Wappenschilde per Blankenfelde. 
Wir schließeit unsere Darstellung mit Angaben über zwei 
Frauen des Geschlechtes, — Angaben, die freilich düsterer 
Natur sind. Der Bürgermeister Thomas von Blankenfelde 
und seine Gattin Margarethe geb. von Buch, das Elternpaar 
des baltischen Erzbischofes, besaßen eine Tochter Katharina, 
welcher eine merkivürdige, freilich nicht eben rühmliche Rolle 
in der märkischen Reformationsgeschichte beschieden war. Sie 
vermählte sich mit einem zu Kölln an der Spree lebenden 
Bürger Wolf Hornimg; Kurfürst Joachim I. aber wußte diese 
Ehe zu trennen; er nahm Frau Katharina zu sich und verwies 
ihren Gatten des Landes. Wolf Hornung aber rief die Hilfe 
des berühmten Ritters Nikolaus von Minckwitz an, und dieser 
nahm im Jahre 1529 den Gekränkten mit sich nach Speyer. 
Hier strengte Minckivitz in Wolf Hornungs Namen bei dem 
Kaiserlichen Statthalter, dem Pfalzgrafen Friedrich, eine Klage 
gegen den Kurfürsten an. Er forderte für den Vertriebenen die 
Erlaubnis zur Rückkehr in die Mark und Schadenersatz. Der 
Pfalzgras beschied den Kurfürsten oder dessen Räte für den 
Monat Mai 1529 nach Regensburg zur Verhandlung. Joachims
        
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