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Periodical volume 14. September 1889 Nr, 50

Full text: Der Bär Issue 15.1889

Visitation im Jahre 154t aufgenommenen Verhandlungen er- 
giebt sich, daß der znletztgenannte Erwerber alleiniger Kollator 
der dortigen Pfarre war, woraus sich schließen läßt, daß er 
auch die übrigen gutsherrlichen Rechte besessen hatte. 
In spätern Lehnbrieseu treten die v. d. Grüben stets als 
die eigentlichen Besitzer des Dorfes und die Blankenfelde als 
deren Lehnsmänner auf. 
Im Jahre 1608 bestanden vier Höfe ini Dorfe, welche 
von Bendix, Jürgen. Franz und Wilhelm Blankenfelde bewohnt 
wurden. Nach dem Schoßkataster vom Jahre 1624 hallen sie 
zuerst 4 Höfe mit 10 Hufen, sodann aber noch 7 Höfe mit 
23 Husen ausgekauft und sreigewilligt erhalte», wonächst drei 
Rittergüter mit zusammen 33 Husen entstanden waren. 
Diese Güter waren später wieder in mehrere Teile zer 
fallen: 7e war zu Ende des 17. Jahrhunderts im Besitze des 
Kämmerers Moritz Daniel Marschall v. Biberstein, der es 
1735 der Gräfin von Schlippenbach, verehelichten Rittmeister 
v. Krahne, veräußerte, von welcher es im Jahre 1737 der 
Rittmeister Matthias v. d. Liepe erwarb. Den übrigen Teil, 
7„ des Ritterguts, welcher aus 2 Rittersitzen bestand, erwarb 
zu Ende des 17. Jahrhunderts Adolph Dietrich Vildthnt, 
von dem es 1715 der Stadtverordnete Schöneseld zu Berlin, 
und von dessen Sohne, dem Braueigner Schöneseld, im Jahre 
1734 der Rittmeister v. d. Liepe erwarb. 
Beide Anteile kamen im Jahre 1745 an den Landrat 
v. Nüßler, 1776 an dessen Tochter, später verehelichte Haupt 
mann v. Berg, 1780 an den Hauptmann / Maximilian Joh. 
Earl v. Schenkendorf, von dessen Sohne, Earl Asmus, es 
im Jahre 1821 der jetzige Besitzer erwarb. 
Die Zahl der Hüfner, ivelche im 15. Jahrhundert noch 
14 war, hatte sich durch die Bildung des Ritterguts im 
17. Jahrhundert bis auf 3 vermindert, neben welchen noch 
5 Kossäthen bestanden. 
Die Kirche war schon im 14. Jahrhundert vorhanden, 
hatte eine Hufe Landes und Heinersdor-f als Filial. Erster 
evangelischer Pfarrer war im Jahre 1541 Erasmus Hentzel, 
welcher zu seinem Pfarrhofe einen Garten und 6 Hufen Acker 
besaß und von 47 Dorfhusen Meßkorn, außerdem die üblichen 
Gebühren bezog. — 
Der Rittersitz der Blankenfelde zu Weißensee befand sich 
ebendort, wo heut' im „Stemecker" Berliner Volksfeste gefeiert 
werden, wo man trinkt und anheiterndem Gespräche lauscht, 
wo man liebt und kos't, einem Monstrekonzert zuhört und 
pyrotechnische Kunstwerke bewundert. Abgeschieden in seinem 
geweihten Frieden aber liegt drüben die Kirche. Sie ist's, 
die ilns besonders anzieht, und in welcher Leid und Freud 
der Geschlechter vor uns, wie wir sehen werden, in einem 
herzbewegendem Denkmale zu uns spricht. 
Es befindet sich nämlich in ihr eine steinerne Totentafel, 
welche einst polychrom bemalt gewesen, jetzt aber leider über 
tüncht ist. Im Stile der Renaissance gehalten, schließt dieselbe 
nach oben zu mit einem kleinen Giebelfelde ab, in welchem 
die Grablegung Christi und die Klage Mariä dargestellt ist. 
Aus dem Bogen steht die Inschrift: 
..Dux Yitae Mortims Regnat Yivus“, 
das heißt: 
„Der Fürst des Lebens, der gestorben ist, herrscht als Herr 
des Lebens." 
Aus dein Gesims darunter lesen wir die Worte: - 
„Er ist umb unser Missethat ivillen verwitnder und umb 
unser Sünden willen geschlagen. Die Straff liegt auff 
ihm, auff das wir Friede heten, und durch seine Wunden 
sind wir geheillet." 
Im großen Mittelfelde folgt dann eine höchst bewegt 
dargestellte Kreuzigungsgruppe, — der Heiland mit den beiden 
Schächern. Unter dem Kreuze knieen der Bürgenneister Jo- 
hannes voit Blankenfelde, der kurfürstliche Küchenmeister, in 
stattlicher Pelzschaube, ein schöner, bärtiger Mann mit lockigem 
Haar, und sieben seiner Söhne, gleichfalls mit Mänteln be 
kleidet und mit Halskrausen geschniückt. Zur Seite des Bürger 
meisters steht auch noch sein Schwiegersohn, der Lizentiat Peter 
Matthias. Dem Bürgermeister gegenüber, vom Beschauer 
rechts, aber kniet seine Frau, Ortige von Vinzelberg, mit sieben 
teilweis erwachsenen, teils noch ganz jungen Töchtenr. Der 
dreiteilige Sockel enthält in der Mitte eine sogleich anzugebende 
Inschrift, links das Wappen der Blankenfelde, dessen Helmzier 
hier aus einem ganzen Raben besteht, und rechts Schild und 
Helm derer von Vinzelberg, mit dem Bogen im Schilde und 
deut Bocke aus dem Helme. An Inschriften finden wir auf 
der Architektur das Folgende angebracht: 
Sieffenn Blank, obiit an. 1516. 
Benigna Blank, obiit an. 1516. 
Peter Matthias und Anna Blankenfeld feind beyde anno 1552 
den 28. Oktobris zu Berlin gestorben und begraben. 
Anno 1552, den 18. Novembris ist in Gott verstorben 
die ttigendsame Jungfraw Elisa Blankenfelt, allhier be 
graben. — 
Das alte Denkmal erinnert demnach air die Heimsuchungen 
Berlins durch die Pest in den Jahren 1516 und 1552. Der 
' Kunstmert desselben ist durchaus kein unbeträchtlicher; das 
lockige Haupt des Bürgermeisters ist sogar sehr gut gearbeitet. 
Wir envähnen hier sogleich, daß in Weißensee auch noch 
der Landrat von Nüßler begraben liegt, welcher mit König 
Friedrich Wilhelm I. in üble Differenzen geraten war. weil 
er sich dem Befehle desselben, ein Haus zu bauen, wider- 
setzt hatte. Sein Grabmal enthält seilt Reliefportrait in Hof- 
trachl mit Zopf und Haarbeutel und sein Wappen. — 
(Schluß folgt.) 
Kleine Mitteilungen. 
Wenige Besucher des Hohcnrollcrn - Mufieurns dürften in 
der Abteilung, welche Andenken an König Friedrich den Großen aufbewahrt, 
bei der Fülle der dort ausgestellten Reliquien ihre Aufmerksamkeit auf ein 
kleines unscheinbares Ordcnskreuz gelenkt haben. Es ist dies ein Unikum 
und zwar der von Friedrich dem Großen als Kronprinz gestiftete und von 
ihm getragene Bayard-Orden. Die Dekoration besteht aus einem am 
grünen Bande hängenden kleinen achtfpitzigen silbernen Kreuz, dessen Mitte 
die verschlungenen Buchstaben 1'. 0. 1?. einnehmen. Merkwürdig ist es, 
wie wenig man über diesen Orden weiß, der doch als charakteristisches 
Denkmal aus Friedrichs Iugendleben eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. 
In der Dielitzschen Uebersetzung von Andrew Hamiltons Werk: „Rheinsberg. 
Friedrich der Große und Prinz Heinrich von Preußen" S. 117 heißt es: 
Der Bauard-Orden war ein ausschließlich militärischer und als solcher 
keineswegs etwa als ein Scherz oder Spielerei gemeint. Es war ein Verein 
zur Förderung militärischen Wissens:c. Folgende Notiz ist in Roedenbecks 
„Beiträgen zur Bereicherung und Erläuterung der Lebensbeschreibungen 
Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs d. Gr." II. 538 enthalten: „Nach der 
gefälligen Mitteilung des Herrn Hauptmanns v. Ledebur, Direktors der
        
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