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Periodical volume 14. September 1889 Nr, 50

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Thlr. waren nach der Rechnung des Jahres 1766 noch 43068 
Thlr. vorhanden. Eine erhebliche Vermehrung der Schulden 
trat 1806 infolge des unglücklichen Krieges ein, welcher 
die Mark und die Stadl schwer in Anspruch genommen hatte; 
sie betrug 144 073 Thlr., und war durch Ausgabe von Stadt 
obligationen entstanden, welche auf Inhaber ausgestellt und 
kündbar waren; die Verzinsung derselben erforderte 1820 eine 
Summe von 7652 Thlr. Ein Anlauf zur Schuldentilgung 
wurde- bereits 1810 gemacht, aber sie schien unausführbar, 
da die Verzinsung der Stadiobligationen erheblich im Rück 
stände, die Auflegung einer Kommunalsteuer bei der allgemeinen 
Rot unmöglich war, und der Magistrat nach Aufhebung des 
Jndults die Subhastakion der Kämmereigüter befürchtete. Erst 
1823 kam ein Schuldentilgungsplan zu stände, nach welchem 
zur Verzinsung jährlich 7500 Thlr. und zur Tilgung 38 Jahre 
lang 1600 Thlr. verwendet werden sollten. Eine neue Ver 
mehrung der Stadtschulden veranlaßte die 1846 eröffnete 
Potsdam-Magdeburger Eisenbahn, ftir ivelche die Stadt 
118 000 Thlr. zeichnete, und abermals wurde die Kämmerei 
schuld 1848 vergrößert. Die Dividende der Eisenbahngesell- 
schaft blieb aus, das in der Forst eingeschlagene Holz wurde 
eiitweder nicht verkauft oder das Kaufgeld dafür nicht bezahlt, 
so daß ein Ausfall von 4300 Thlr. entstand; die Ausgaben 
für die öffentliche Arnieiipflege wurden um 1100 Thlr. über 
schritten; zur Beschäftigung von Arbeiten! waren für Forst- 
inelioratiouen und Schlagelohn 1950 Thlr. mehr verausgabt 
und zur Zurückzahlung eines Darlehns an die Sparkasse 
wurden .2900 Thlr. gebraucht. Es wurden 30 000 Thlr. 
Stadtobligationen zu 5 Prozent ausgegeben, welche nach sechs 
monatlicher Kündigung rückzahlbar sein sollten. Zur Auf 
stellung eines neuen Schuldentilgungsplans aufgefordert, be 
schloß die Stadt, 200 000 Thlr. Stadrobligationen zu 4 Proz. 
auf den Inhaber auszugeben, erhielt jedoch 1851 den wunder 
baren Bescheid, daß dies bedenklich scheine, weil der Geldmarkt 
mit Jnhaberpapieren bereits überschwemmt sei. Die Sache 
blieb bis 1865 in der Schwebe. Mittlerweile war die alte 
Schiild durch den Verkauf der Eisenbahnaktien bis auf 91960 
Thlr. herabgemindert, iind als nun die Stadt beschloß, zur 
Tilgung dieser Restschuld, ziir Erbauiing von Gebäuden ftir 
die von Saldenische Realschule und für die Mittelknabenschule, 
zur Erweiterung der höheren Mädchenschule und zur Hebung 
des Elementarschulwesens, für Straßeuerweitemngen und Ver 
kehrseinrichtungen, zum Baii einer Badeanstalt unb einer Turn 
halle sowie zu Chausseebauten eine mit 1 Prozent zu amorti 
sierende Jnhaberpapieranleihe von 350000 Thlr. aufzunehmen, 
ward dieser Beschluß ohne weiteres genehmigt. Der Rest 
dieser Anleihe wird nach dem Tilgungsplane im Jahre 1916 
bezahlt sein, uiid ziir Aufnahme neuer Anleihen dürfte die 
Stadt, da sie ein Kapitalvermögen von inehr als einer Million 
Mark hat, kaum Anlaß haben. 
Daß die Stadt in alter Zeit bis auf das Reise-, Fuhr- 
und Wächtergeld, welches zur Unterhaltung der Brücken und 
Dämme diente, keine Steuern erhob, haben wir bereits früher 
geseheii. Zum Unterhalt der Dämme biente ferner ein Damm- 
zoll, welcher sich 1800 auf 38 Thlr. belief, und ein Deichsel- 
geld, welches zu derselben Zeit 14 Thlr. betrug. Die Er 
hebung dieser Abgaben gründete sich auf das Privilegium des 
Kurfürsten Joachim I. von 1550, und diese Abgaben waren 
der Anlaß zu einem ebenso langwierigen wie interessanten 
Prozesse zwischen Stadt und Staat. Infolge des von Pretißen 
mit Bayern und Württemberg am 27. Mai 1829 geschlossenen 
Vertrages, nach welchem die Erhebung separater Thorsperr 
und Pflastergelder auf chauffierten Straßen aufhören sollte, 
teilte nämlich die Königliche Regierung dem Magistrate am 
4. Februar 1832 mit, „daß der Staat, gegen Aufhebung des 
Damm- und Deichselgeldes, die künftige Unterhaltung der in 
die Chansseelinie fallenden Straßen, Brücke und Dämme über 
nehme", und der Magistrat verzichtete, im Einverständnisse mit 
der Stadtverordnetenversammlung, auf die fernere Erhebung 
des Damm- und Deichselgeldes. Die Regierung schien aller 
dings sehr bald dahinter gekommen zu sein, daß sie nicht mit 
besonderer Vorsichr verfahren sei, denn sie rescribierte, daß es 
ihr angemessener scheine, die Entschädigung für Aushebung des 
Damm- und Deichselgeldes auf andere Art, als durch Ueber 
nahme der Unterhaltung der oben bezeichneten Straßen, Brücken 
und Dämme zu gewähren, und verlangte eine Aufstellung der 
Kosten dieser Unterhaltung und der Einnahmen aus dem Dainm- 
und Deichselgelde. Der Magistrat berichtete, daß die Unter 
haltungskosten 1122 Thlr., das Damm- und Deichselgeld aber 
nur 441 Thlr. betrage, hob aber hervor, daß der Vertrag 
zwischen Staat und Stadt bereits geschlossen sei. Die Re 
gierung verlangte nunmehr, daß die Brücken und Dämme in 
gutem Zustande übergeben werden sollten, und der Magistrat 
war auch bereit, die hierzu erforderlichen 1661 Thlr. zu 
zahlen, wogegen die Regierung 2094 Thlr. und die Ueber 
nahme derjenigen Kosten forderte, deren Notwendigkeit sich erst 
bei Vornahme der Reparaturen Herausstellen würde. Während 
hierüber noch verhandelt wurde, ordnete die Regierung am 
5. Januar 1836 die Aufhebung des Damm- und Deichsel 
geldes, sowie die Uebernahme der in die Chausseelinie fallenden 
Straßen, Brücken und Dämme auf die Staatsverwaltung an, 
und beging damit das zweite Versehen bei diesen Verhand 
lungen. Der Magistrat verstand sich zivar dazu, die Sumnre 
für die Jrfftandsetzung auf 1841 Thlr. zu erhöhen, aber die 
Forderungen der Regierung wurden inzwischen immer größer 
und erreichten zu Ende des Jahres 1837, einschließlich der 
Reparaturkosten für die Annenthorbrücke, den Betrag von 
4371 Thlr. 
(Fortsetzung folgt.) 
Geschlecht, Stammhaus, Ritterlitze und Denkmäler 
Derer von Blankenfelde. 
(Fortsetzung.) 
Wir haben indessen das alte Weißensee, das stille Dorf 
int Auge. Ueber die Besitzverhültttisse desselben und über die 
Lage der dörflichen Verhältnisse in früheren Zeiten giebt uns die 
„Geschichte des Kreises Teltow" von E. Fidicin die folgende 
Auskunft: 
Im Jahre 1313 schenkte der ehenialige Truchseß Mark 
graf Hermanns, der Ritter Buffo von Grevelhut, dem Priester 
Arnold, welcher damals Rektor und Provisor des Heiligengeist- 
Hospitals zu Berlin war, vier Hufen zu „Wittenze^ mit 
aller Pacht und Nutzung, um dafür viermal im Jahre das Ge 
dächtnis des Ritters und seiner Angehörigen in Vigilien und 
Seelenmessen zu feiern. Nach dem Tode des genannten Priesters 
sollte diese Stiftung auf das Haus zum Heiligengeiste über-
        
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