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Periodical volume 14. September 1889 Nr, 50

Full text: Der Bär Issue 15.1889

Unter Mitwirkung 
Dr. R> öermguicr, F. Kudexios, Nffeodsr Fontane, Stadtrat G. Fei edel 
Gymnasialdirektor Dr. W. Srchwcrrch und Een st non Miidendourit 
herausgegeben von 
XV. 
Jahrgang. 
Az 50. 
VsKar Stchwellot, Koriin. 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist direkt von der Geschäftsstelle (Berlin X., Schönhauser Allee m, — 
Fernsprechstelle Hin, 8-^so), sowie durch alle Postanstalten (No. sys), Buchhandlungen und Zeitringsspeditionen für 
2 Alk. 50 pfg. vierteljährlich zu beziehen. 
14. ärptembrr 
1888. 
Gvosz - Kvredrrrhsvuvg 
Von Hnftert Müller. 
J till trauert in Schutt eine Feste am Strand, 
Von kosenden Wellen befeuchtet, 
Und der tropischen Sonne ersterbender Brand 
Hat sie purpurn und magisch beleuchtet. 
Und geisterhaft wallt es von: Hügel und rauscht: 
„Es zeigt ein Gespenst sich am Orte!", 
Und der forschende Jüngling steht sinnend und lauscht; 
Ihm ist es, als hört' er die Worte: 
„Ich bin jener Geist, der die Deutschen einst wies 
Nach des Ozeans weitem Gebiete; 
Der Geist, der den Deutschen die Herrschaft verhieß 
Im Reiche der Amphitrite! 
Der Geist, der nach Afrika lenkte den Lauf 
Voir Geiserichs trotzigen Scharen; 
Der Geist, der einst Hengist und Horfa vorauf 
Beherzt nach Bretland gefahren; 
Der Geist, der die mächtige Hansa gezeugt 
Und Städte und Staaten gegründet; 
Der Geist, der einst nordische Herrscher gebeugt 
Und Freiheit und Wohlstand verkündet! 
Doch lang' ist es her, und im blutigen Streit 
Ward uns das Scepter entwunden — 
Da ist auch der Glanz und die Herrlichkeit 
Vom deutschen Volke verschwunden! 
Der Bruder hob gegen den Bruder das Schwert, 
Die Zwietracht herrschte vermessen, 
Da hab' ich mich zornig vom Volke gekehrt, 
Das meiner so schnöde vergessen! 
Und siehe, schon fühlt' ich mich freudig versöhnt: 
Ein Held wurde Deutschland geboren! 
Den hab' ich dann reichlich mit Lorbeer gekrönt . . . 
Nur schade, sein Werk ging verloren! 
Nur diese Ruine mag ernst und bewegt 
Sein rühmliches Walten dich lehren! 
Hier weil' ich nun, bis meine Stunde einst schlägt 
Und Deutschland mich heimführt in Ehren!" — 
So hauchte der Geist. — Wie er schweigt, da erschallt 
Aanonendonner vom Strande: 
Drei Schiffe, von deutschen Flaggen umwallt,''') 
Begrüßen die einsamen Lande. 
Da tritt aus dem Dickicht der Genius vor 
Und reckt die gigantischen Glieder 
Und blickt nach dem Meere und schwingt sich empor 
Und läßt auf das Hauptschiff sich nieder. 
Fort dampfen die Schiffe zum fernen Gestad', 
Umflossen von glitzerndem Schimmer — — 
Wann wieder der Genius des Meeres dir naht, 
Mein Deutschland, o folge ihm immer! 
*) Anmerkung der Redaktion. In unserer Ruhmeshalle befindet sich ein sechspfündiges kurbrandenburgifches Geschütz aus Gußeisen, welches vom 
Noite allerdings stark angegriffen ist. Dasselbe gehörte einst zu der kriegerischen Ausrüstung der Feste Groß-Friedrichsburg, welche Otto Friedrich von 
der Groben von Berlin aus nach der Küste von Guinea geführt hat. Es wurde von deutscher Seemannschaft im Jahre 188-1 in den Trümmern von 
^roß-Friedrichsburg aufgefunden.
        
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