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Periodical volume 31. August 1889 Nr, 48

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Darauf stund er auf, segnete seine Kinder und entfernten 
Freunde, seine Unterthanen und seine anwesende Dienerschaft, 
sonderlich Ie r e in i ain (Göttwa-ld) mit kürzen-aber beweglichen 
Worten, niid kehrte sich sodann zuin Obersten Auditor uiid 
den Beysitzern desselben. Fragte lau: und mit großer Ruhe: 
„Dieweil er ja sterben sollte, und wüste, wolle man 
Ihm doch hier, für Gort und aller Welt sagen, waß 
denn die Ursache seines Todes sey; damit nicht jemand 
meinen möcht', er stürbe als ein Dieb und Uebel 
thäter!" Die Richter haben geantwortei: „Wir thun, waß 
der Römische Kayser ims bestehlet." Als er hieraus zum 
zweiten und zum drittenmäle gefraget, haben sie die Drommeln 
rühren lassen, daß man nicht hören können, waß geredet 
worden. Endlich hat ihm sein Kammerdiener, Constantinus 
Wegerer genanndt, seinen Überschlag abnehmen müßen und 
die Haare mit einem weißen Tüchlein hinaufbinden. Sodann 
der Herr Schaffgotsch sein Schwach Hüttlein wieder auf- 
gesetzt hat und gesagei: „Nun so wihl ich mich mit Leib 
und Seel zu eigen übergeben meinem lieben Gott 
und hierher setzen, und seinen Willen mit Geduld 
erwarten." Sich ailch auf den zubereiteten Stuhl gesetzet, 
da ihm bald Augenbligs der Freye Mann den Kopf abge 
schlagen. Der Körper ist aus dem Stuhl sitzen blieben, biß 
Ihn der Kammerdiener heruntergezogen. Es sind nun die 
übrigen Diener kommen, bei ihm niedergesunken und gebethet, 
dann den Körper sambt dem Tuch in Sarg geleget und in 
sein Zimmer getragen, da er von viel 1000 Menschen gesehen 
worden. 
Ist hernach Mittwoch, ohne Ceremonien auf den Kirch 
hofs zur heiligen Dreifaltigkeit in ein gewölbtes Grab versetzet 
worden, wobei viele, viele Personen zugegen gewesen seyn, 
und den lieben Herrn beweinet haben. 
Der Herr Schaffgotsch ist nicht abgewaschen worden, 
denn er hat es nicht haben wollen, sondern gesaget: „Sie 
sollten ihn nicht abwaschen, sondern ihn lassen, wie er zu 
gerichtet wurde, also wollte er dem Römischen Kayser für dem 
Richter-Stuhl Christi erscheinen." 
Ditz Alles ist hier erzehlet, wie ich es selbst glaubwürdig 
gesehen und gehöret. Regenspurg den 29ten Julij 1635. 
Noch im Jahre 1838 waren Monumente dieses schauer 
lichen Justizmordes zu Regensburg vorhanden. Die Gumpelz- 
haimersche „Geschichte Regensburgs" berichtet darüber: 
„Sobald Schaffgotsch enthauptet war, wickelten seine Be 
dienten den Leichnam in ein Tuch, trugen ihn herab, nähten 
den Kopf wieder an, legten ihn in einen Sarg und brachten 
ihn iu das Haus ,zum blauen Krebs' im .KrebSgässel' wo 
ihn ein Maler abkonterfeyt und er zwey Tage zur Schau aus 
gestellt worden. Das Haus birgt uoch merkwürdige Spure» 
von der ausgezeychneten Todtenfeier, die ihm gehalten worden, 
indem die steinernen Gewänder der eisernen Thüre des Ge 
wölbes, worinnen er gelegen, und die nahen Tragsäulen des 
Hausgewölbes schwarz eingefaßt und darüber, wie man nun 
das Weiße abkrazte, schwarze Rosetten gemalt sind. Auch be- 
ttnbet sich an der großen Hausthür inwendig ein Pappendeckel, 
worauf folgende Verse stehen: 
. „Wenn ich geh aus diesem Haus, 
„Gesegne mich Jesus Christus draus; 
„All Schritt und Tritt geht Jesus mit, 
„Mein Gang wird mir mißlingen nit! 
„Wahrscheinlich, noch ein Trostspruch von seinem Beichtvater 
Donauer, beit er vielleicht mit ihm gebetet, ehe er aus dem 
Aichingerschen Hause ins Goldene Kreuz zur Verurtheilung ab- 
j geführt worden." 
(Schluß folgt.) 
Geschlecht, Stammhaus, Rittersihe und Denkmäler 
Derer von Blankenfelde. 
(Fortsetzung.) 
Aus Blankenfeldes plötzlichen Tod har einer der damals 
blühenden „lateinischen Dichter" der Mark — oder ist es viel 
leicht erst Samuel Scharlach gewesen? — die folgenden, sehr 
charakteristischen Dystichen gemacht: 
Pristina detractant Bigenses Jura Joanni: 
Diversa diversi probant Oriente Luthero. 
Eieiunt claustris monachos ritusque novare. 
Hispanicas praesul quaerulus discedit ad oras; 
Torquemadae moriens causam vitamque relinquit. 
Daß wir's übersetzen: 
„Die Bürger von Riga bestreiten dem Bischof Johannes 
sein altes Recht; überall herrscht der Zwist, seitdem Luther auf 
getreten. Die Mönche werden aus den Klöstern gedrängt, 
und der Gottesdienst wird geändert. Klagend eilt der Bischof 
zu den spanischen Gestaden, aber er stirbt zu Torquemada, 
und mit ihiu sinkt seine Sache." — 
Das in der Seidelschen Bildersammlung befindliche Bildnis 
des Erzbischofs scheint nach einem Originale gefertigt zu sein, 
ivelches sich zu Frankfurt a. O. im Kollegiuin der Juristen 
befunden haben mag. Es zeigt einen Herrn von stattlicher 
Gestalt mit der viereckigen cappa der Professoren, wie sie 
auch Konrad Wimpina auf seinem Bilde trägt, und dem pelz 
verbrämten Mantel. 
Von den Brüdern des Erzbischofs erscheint Wilke bis zum 
Jahre 1521 als Ratmann zn Berlin. Er war mit Barbara, 
der Tochter des Erbsassen Peier Otto von Herzberg, vermählt. 
Ein anderer Bruder Johanns, Namens Paul, wird int Jahre 
1505 als Ratmann zu Berlin erwähnt. In ihni scheint die 
kriegerische Ader der Blankenfelde sich wieder geregt zu haben. 
Es herrschten damals erbitterte Grenzstreitigkeiten zwischen 
Brandenburg und Braunschweig, welche zu Thätlichkeiten über 
gingen: der Grenzkrieg in aller Weise beunruhigte sowohl 
die Altmark wie die Lande der Welsen. Die Braunschweiger 
überfielen den Schulenburg'schen Flecken Betzendorf, wahr 
scheinlich, um hier weilende märkische Kaufleute aufzuheben, 
und Paul von Blankenfelde vereinigte sich mit „etlichen anderen 
Märkischelt"; er that einen „Zugriff" aus der Braunschweiger 
Straße. Die Streitenden riefen die Entscheidung des Königs 
Christian II. von Dänemark an, und dieser verglich die 
Parteien am 2. August 1523. Es sollte des Geschehenen nicht 
mehr gedacht werden. Ein vierter Bruder, Stephan, verstarb 
mit seinen Schwestern Magdäleita und Benigna bei der Seuche, 
welche Berlin int Jähre 1516 heimsuchte. — 
Wir sagten eben, daß .Wilke Blankenfelde allein daS Ge 
schlecht fortgesetzt habe. Sein Sohn hieß Johannes, er er 
scheint ziterst int Jahre 1542 als Lehnsherr int Rate von 
Berlin, wurde 1558 Bürgermeister und verblieb in diesem 
Amte bis zum Jahre 1572, in welchem er auf sein Ansuchen
        
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