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Periodical volume 31. August 1889 Nr, 48

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Hans ihre Hand und — brachte ein reiches Heiratsgur 
mit sich. Der Hohensteiner konnte nun auch „die Schloßvogtei 
Vierraden" erkaufen; er baute dann sogleich für feine edle 
Gattin eine neue Burg „ad. quator rotas u und erwarb end 
lich im Jahre 1481 auch noch das Schloß und Städtlein 
Schwedt für baare 3000 rheinische Gulden. 
Von nun an gab's eine Hohensteinische Herrschaft Vier- 
raden-Schwedt; die Hohensteiner nannten sich „Herren zu 
Vierraden." Wie die Grafen von Lindom, die Gänse von 
Putlitz, die Landesbischöfe und die Aebte zu Lehnin und 
Chorin scheinen sie sich fortdauernd als „die geborenen Räte" 
ves Kurfürsten von Brandenburg betrachtet zu haben. — 
Es ist dem ersten Hohensteiner auf Vierraden nur schlecht 
und recht, gegangen. Nicht eben glänzend! Werner von der 
Schulenburg z. B. tvar viel reicher als Graf Hans, welcher 
seinen Söhnen noch „Schulden für Hämische und Rosse" 
hinterließ. , Die edlen Hohensteiner haben nachmals das alles 
„abgetragen." Ein Köstliches aber vor allem hatte ihnen 
Graf Hans, der schon um 1495 starb, als Erbe hinterlassen: 
die (Eigenart eines Geistes, welcher Mut und Frömmigkeit, 
hochherzige Güte und Treue im Dienste, — kurz, alles 
Edle und Hohe umfaßte. Es ist eine Freude, die Urkunden 
Ver alten Hohensteiner zu studieren! So offenbart sich „deutschen 
Adels rechte, echte Art!" — 
Berndl und Wolfgang von Hohenstein sind dann „ruhiger" 
als der Vater gewesen. In Frieden haben sie an dem Wohle 
ihrer Unterfassen gearbeitet, so besonders Graf Wolfgang, 
welcher seinen Rainen „Wolfgang" wohl um des Grundes 
ivillen erhalten hatte, weil sein Elternpaar Graf Haus iliid 
Gräfin Anna der frommen Wolsgangs-Gilde zu Berlin an 
gehörte. Und klingt nicht in das Leben dieses Mannes, eines 
Hofmannes, etwas hinein von tiefer, edler Poesie, wenn er 
den Flecken Vierraden zu einer Stadt erhebt, welche 
ven schönen Namen 
„Zum Rosengarten" 
rühren sollte? ■— Gewiß, Graf Wolfgang hatte diese 
Bezeichnung nur darum gewählt, weil Vierraden ein wirk 
licher „Rosengarten" im alldeutschen Sinne des Wortes 
war, d. h. ein „Kirchhof", — ein Kirchhof märkischer 
und pommerscher Helden! 
Allerdings, — die Stadt „Zum Rosengarten" ist nie über 
ihre ersten Anfänge hinaltsgekommeit; alletu es gilt auch hier 
das Wort: 
„Irr magnis voluisse sät est. u — 
Der edle Graf Wolfgang starb im Jahre 1522; ihm 
folgten als Herren zu Schwedt und Vierraden die Grafen 
Wilhelm ilnd Martin. Vortreffliche Männer beide, — eifrig 
für Kirche und Schule sorgend. Graf Martin wurde Meister 
der Ballep Brairdenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis 
vom Spitale zu Jerusalem. Er verdient eine Monographie; 
darf er doch jedem Manne, welcher „ein Vater seiner Unter 
thanen" sein will, zllm Vorbilde aufgestellt werden! Wir treffen 
nicht allein zu Schwedt, sondern auch zu Vierraden, — 
ja, auch zu Berlin Denkmäler seiner Herzensgüte und Pietät! 
Er starb am 5. Mai 1609 auf dem Ordensschlosse zu Sonnen- 
burg; — bestattet ist er in St. Katharinen zu Schwedt. Die 
Ehe des Grafen Martin mit der Gräfin Maria von Regen 
nein und Blankenburg ivar freilich sohneslos geblieben. Da 
klang es denn, als der Graf Wilhelm unvermählt gestorben 
war, düster über die stille Grafengruft in St. Katharinen zu 
Schwedt dahin: 
„Heute noch Hohenstein und Vierraden und nun 
nimmermehr!" 
Dem Grasen Martin wurden nach alter Sitte Helm und 
Schild zerbrochen in die Grifft nachgeworfen. 
(Schluß folgt.) 
Brandenburger Reminiszenzen. 
Von Dultr>. 
(Fortsetzung.) 
Einen wertvollen Besitz der Stadt bildeten auch die 
Kämmereidörser. Von denselben war Milow 1290 von 
den Markgrafen Otro und Konrad der Stadt übereignet, 
'Kl. Kreuz schenkte 1324 der Markgraf Ludwig, Neuendorf 
der Markgraf Johann im Jahre 1249, Pewesin verkaufte 
der Markgraf Jobst 1409 für 200 Schock Böhmische Groschen 
an die Neustadt, Prützke übereignete derselbe Markgraf 1406 
gleichfalls an die Stenftabt und Radewege schenkte derselbe 
1409 an die Altstadt; über die Enverbung des Dorfes Briest 
fehlt eine urkundliche Nachricht. Von diesen Dörfern erhob 
die Stadt unter allen möglichen Titeln zu Anfang dieses'Jahr 
hunderts eine Einnahme von 1500 Thlr.: Lohnpferdegeld 
und Hufenkontribution, Grundzins, Wasser-, Wehr- und Fischer 
zins, Dienstgeld, Holz-, Bau-, Mühlen- und Mühlensteinfnhren, 
Rauchhühner-, Gänse- und Ferkelgeld, Herrenzehrung, Erine- 
nnd Spinngeld, zuletzt ailch tioch Zapsengeld hatten die Bauern 
an die Herren vom Rar zu zahlen. Außerdem hatten sie 
Federvieh-, Lämmer- und Getreidezehnt an die Stadt zil liefern. 
Die jährliche Gesamteinnahme belief sich im Jahre 1847 
auf 5320 Thlr. Alle diese Lasten sind durch ein Kapital von 
90 000 Thlr. abgelöst. 
An Vorwerken trug die Stadl seit 1388 von Friedrich, 
Busso und Heinrich von Alvensleben die Dorfstätte Schmoeln 
zil Lehn: das Laudemium wurde 1858 durch Zahlung von 
27 Mark abgelöst. Schmoeln nebst der Feldflur Duster- 
Rekahne war 186 Hektar groß, wovon 1680 die Wilhelms- 
dorfer Spinnerkolonisten, welche wir bereits kennen gelernt 
haben, als Abfindnngsland 43 Hektar erhielten. Das Vor 
werk Wendgräben, welches 164 Hektar Flächeninhalt hat, 
kaufte die Stadt 1438 von dem Erzbischöfe Günther von 
Magdeburg für 400 gute rheinische Gulden. Das Vorwerk 
Gowisgräben von190Hektar schenkte derMarkgrafJobst 1398 
an die Neustadt Brandenburg. Das Vorwerk Bahnenland, 
welches etwas über 100 Hektar enthält, wird urkundlich nicht 
erwähnt. Das Vorwerk Garden aber, den Hos Garen, 
kaufte die Stadt 1336 nebst zweien Seen von dein Domkapitel 
für 180 Mark brandenburgisches Silber; Garen ist ein wenig 
über 133 Hektar groß. Die Vorwerke Plauerhof und 
Kaltenhausen haben wir oben bereits kennen gelernt. 
Auch an Fischereien ist die Stadt reich. Der Beetzsee, 
welcher fast 1027 Hektar Flächeninhalt hat und dessen Grenze 
zwischen den Dörfern Riewendt und Bagow so weit reicht, 
wie das Wasser bei einem Stande von 1,25 Meter am Pegel 
der Nnterhavel das gewachsene User bespült, gehört der Stadt 
seit 1308. In diesem Jähre schenkten die Markgrafen Otto 
und Woldemar an die Altstadt den See „to Beez" und
        
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