Path:
Periodical volume 24. August 1889 Nr, 47

Full text: Der Bär Issue 15.1889

580 •>— 
der Oertlichkeit sein, welche im besonderen Sinne eine Heimat- 
ftsttte deutschen Seemannsgeistes ist. Hal doch Se. Viajestäl 
der Kaiser im vergangenen Frühjahr hier die unvergeßlichen 
Worte gesprochen: 
„Nicht in eitlen Klagen wollen ivir uns ergehen über 
die wackeren Männer, welche ein so jäher Tod in Samoa uns 
entriß; nein!: Als Vorbild sollen sie uns dienen! Nachdem 
sie siegreich gegen Menschenhand gesochren, fanden sie im 
mutigen Kampf gegeit die entfesselten Elemente ihren rühm 
lichen Tod. Gott hat es also gewollt! Auch so starben sie den 
Tod für Kaiser und Reich! Hier muß Ich au ein schönes 
Dichterwort denken, das manchem unter Ihnen bekannt sein wird. 
Als der Admiral MedinaSidonia gebeugten Hauptes dem König 
von Spanien meldete, daß seine gewaltige Armada vernichtet 
sei, beruhigte ihn der König und sagte: .Gott ist über mir! 
Gegen Menschen sandte ich Euch atts, nicht gegen Wellen und 
Klippen!' So ist es auch hier! Mögen einem jeden von Ihnen, 
der Kommandant ist, oder es noch werden wird, das stets 
gegenwärtig sein: der Kommandant, welcher rühmlich im Kampf 
mir den Elementen durch Gottes Fügung sein Schiff verliert 
oder mit ihm untergeht, stirbt in Meinen Augen gerade eben 
solchen Heldentod ffir das Vaterland, als der Kommandeur, 
der seinem Regiment voran im Sturm aus die feindliche 
Stellung, den Degeti in der Faust, fällt. Nicht ertrunken sind 
unsere Kameraden in Samoa oder aus der „Augusta", sondern 
gefallen, ihre Pflicht bis zum letzten Augenblick erfüllend. 
Nun, meine Herren Kameraden, möge dieses schöne 
Beispiel, welches jene braven Männer uns gegeben, uns allen 
jederzeit voranleuchten und zum Nacheifern anspornen, und 
möge der Geist der Hingebung, Disziplin und des todes 
mutigen Ausharrens, der Meine Marine von jeher auszeichnet, 
sich stets in ihr auch ferner so erhalten, und in diesem Sinne 
ergreife Ich Mein Glas und rufe: Die deutsche Marine: 
„Hurra!" — 
So Kaiser Wilhelm. Die nachfolgende Beschreibung von 
Wilhelmshaven aber ist mit Bewilligung der Verlagsbuchhand 
lung dem Werke „Zwischen Ems und Weser, Land und 
Leute in Oldenburg und Ostfriesland, von Franz 
Poppe, Oldenburg und Leipzig 1888, Schulzesche 
Hofbuchhandlung und Buchdruckerei (A. Schwartz)" 
entnommen. 
Da, wo der Jadebusen sich im Norden verengt, springt die 
Westküste des Jeverlandes in einem spitzen Winkel vor. In 
diese Ecke hat man den deutschen Kriegshasen hineingearbeitet. 
Die Idee, dort eine Marinestation zu errichten, ist nicht 
neu und mich nicht ursprünglich deutsch, denn schon Napoleon I. 
faßte zur Aufrechterhaltung der unheilvollen Kontinentalsperre 
diesen Gedanken. Es wurde dort in der That eine französische 
Batterie angelegt, von der noch gegenwärtig Spuren zu er 
kennen sind. Das war zur Zeit der tiefsten Erniedrigung 
Deutschlands. Eine große Ebbe war gleichsam in der deutschen 
Geschichte eingetreten, welcher naturgemäß eine hohe Flut, die 
Erhebung unseres Volkes zur Abwerfung der verhaßten Fremd 
herrschaft, folgen mußte. Gleicht doch die Geschichte der Völker 
der steigenden und wiederum sinkenden Meeresflut, die mahnend 
um die Bollwerke des deutschen Kriegshafens rauscht. Das 
Jahr 1848 bezeichnet abermals eine hohe Springflut der 
deutschnationaleu Einheitsbestrebungen. In diesem Jahre war 
es auch, als eine Untersuchungskommission des Frankfurter 
Parlaments die Nordseeküste bereiste und das Terrain bei 
Heppens als das geeignetste zur Anlage eines Kriegshafens 
bezeichnete. Leider trat nur zu bald eine tiefe Ebbe ein, und 
die Anfänge der deutschen Flotte zerschellten im Jähre 1852 
in kläglichster, beschämendster Weise an der Zerrissenheit 
Deutschlands. 
Allein eine völkerbewegende Idee läßt sich tiichl auf die 
Dauer zurückdrängen; dieselbe wurde sofort von der starken 
Vormacht Deutschlands wieder aufgenommen. Preußen hatte 
die Notwendigkeit einer deutschen Flotte und eines deutschen 
Kriegshafens an der Nordseeküste erkannt. Schon im Jahre 
1858 schloß es mit dem echt deulschgesinnten Oldenburg einen 
Staalsverlrag ab, durch welchen es gegen eine Summe von 
500,000 Thlr. die Abtretung der nötigen Territorien zum Bau 
des Hafens erlangte. 
Hätte Preußen die rasche Umgestaltung der politischen 
Verhältnisse Deutschlands vorhersehen können, so würde es 
vielleicht mit der Hasenanlage gewartet und später die Elbe- 
mündung, die größere Tiefe und günstigeren Baugrund bierer, 
gewählt haben. Allein unter den damaligen Zeitverhältnisien 
und unter dem hemmenden Einflüße kleinstaatlicher Eifersucht, 
vor allem Hannovers, blieb keine andere Wahl. Zudem hak 
auch die Jade in mancher Hinsicht große Vorzüge aufzuweisen. 
Sie ist zumal gegen westliche Stürme geschützt, besitzt sodann 
eine hinreichende Tiefe (8 m von See aus) auch für die 
schwersten .Kriegsschiffe, ferner friert sie, da sie fast nur salziges 
Nordseewasser führt, selten oder nie ganz zu, und endlich und 
vor allen Dingen hat sie eine überaus günstige strategische 
Lage. Was letztere betrifft, so ist es möglich, von der Jade aus 
feiitdlicheti Kriegsschiffen, welche die Elbe oder Weser bedrohen, 
in den Rücken zu fällen, während sie selbst leicht zu verteidigen 
und dem Feinde schwer zugänglich ist. 
Welch eitt Riesenwerk der deutsche Kriegshafeu ist, mit 
welchett Schivierigkeiten ntait beim Bau zu kämpfen hatte, 
weiß nur der zu beurteilen und zu würdigen, der die ersten 
Anfänge der mühevollen Arbeit gesehen hat, die Beschaffenheit 
des Bodens und die zerstörende Gewalt der Sturmfluten kennt. 
Ich habe die Entwickelung des Werks von seinen ersten 
Anfängen an beobachten können und habe Respekt bekommen 
vor deutscher, speziell preußischer Arbeitskraft und Ausdauer. 
Welche unsägliche Mühe bereitete der morastige Marschboden 
den Arbeitern, und wie viele derselben streckten seine giftigen 
Fieberausdünstungen auf das Siechbette! Lagen doch häutig 
20 Prozent der Arbeiter am Sumpfsieber darnieder! Das 
war es aber nicht allein: von der andern Seite drohte das 
Meer, das soeben Vollendete wieder zu vernichten. Es war 
gleichsant ein Barien im Angesichte des Feindes, in der einen 
Hand Spaten rurd Mauerkelle, in der andern das Schwert. 
Wiederholt wurden durch Sturnifluteu die mit großer Mühe 
und vielett Kosten angelegten Fangdämme, ivelche gleichsam 
eine Festung gegen das Meer bilden sollten, zerstört rrnd mußten 
von neuern ausgeführt werden. Das Wasser drang in die 
Kariäle und Bassins, ja es brach sich durch die Grundmauern 
in gewaltigen Ouellen Bahn, ein neues Hindernis bildend. 
Nichtsdestoiveniger fehlte es an süßem Trinkwasser, 
welchem Mangel nur durch Bohrung artesischer Brunnen von 
192 m und 255 m Tiefe abgeholfen werden konnte. Der 
erstere liefert täglich 350, der letztere 5000Kubikfuß Trinkwasser. 
(Schluß folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.