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Periodical volume 24. August 1889 Nr, 47

Full text: Der Bär Issue 15.1889

579 S*- 
Berlin ist zur Weltstadt geworden; auch in der Litteratur 
heißt es: Wie komm' ich vorwärts? indeß der einsame Wanderer, 
früherer Zeit gedenkend, nur das eine Wort im Munde hat: Ver 
gessen! Vergessen! Die Zeit ist eine andere! Und doch! Das alte 
Hans Tauben- und Charlottenstraßenecke har zwar einem Neu- 
t,an den Platz räumen müssen — aber dennoch ist es, als 
luge von oben noch das Gesicht E. Th. A. Hossmanns, des 
Teusel-Hoffmanns, wie er hieß zur Zeit, als er noch einer der 
gelescnsten Schriftsteller Beilins und der ganzen lesehnngrigen 
Welt war, aus seinem Eckfenster aus das Treiben des belebten 
Marktes herab. Es gingen der Geschichten viel von ihm und 
seinem Freunde Ludwig Devrient umher, von denen die meisten 
bis heute nicht vergessen sind — während wenige wohl nur 
noch leben, die den Mimen im Schauspielhause gesehen, wo er 
— Und anderen Tages, zur Stunde, wo Hoffmann zu kommen 
pflegte, klingelte es und die Magd ließ Hoffmann ein — um 
gleich darauf, nach nochmaligem Klingeln — Hoffmann noch 
einmal vor sich zu sehen. Der Schreck lähmte ihre Zunge. 
Sie starrte dem Dahinschreitenden nach. In diesem Augen 
blicke kam dem zweiten der erste, stumm, starr ausblickend, ent 
gegen. Hoffmann, er war der zweite, erkannte sich selbst in 
dem ihm Entgegenkommenden. Er dachte der Sage des zweiten 
Gesichts, wer sich selber sieht, sei einem nahen Tode verfallen. 
Bleich, knieschlotternd wendete er sich — ging heim — und 
starb bald darauf, wenn auch nicht unmittelbar infolge des 
Schreckes, ohne jemals erfahren zu haben, daß sein Doppel 
gänger sein Freund Devrient gewesen. 
Vorüber! Vorüber! — F. Brunold. 
Wttppen der Marrlrenfoldo. 
Aus den „Berliner Geschlechtern". Eigentum des Vereins für die Geschichte Berlins. 
zum letztemnal den Franz in den Räubern gab, die von da 
ab, während der Zeit Friedrich Wilhelms III., der das Stück 
nicht mochte, nicht mehr gegeben werden durften. Wer ihn 
damals gesehen — das Publikum bestand fast einzig uub 
allein aus Männern, — wer ihn sprechen gehört, der wird es 
auch glaubhaft und natürlich finden, daß Devrient verhängnis 
voll in Hoffmanns Leben einzugreifen vermocht hat, zumal wenn 
man erwägt, daß die Frau Hoffmanns sich oftmals nachts mit 
au seinen Schreibtisch setzen mußte — weil der Schöpfer des 
Elixiers des Teufels sich vor seinen eigenen Geschöpfen der 
Phantasie, vor seinen eigenen Tenfelsfratzen zu fürchten begann. 
Hoffmann machte einer Dame, deren Mann verreist war, 
den Hof. Die Frau, die seiner Liebeswerbung zu erliegen 
fürchtete — oder seiner Neigung, da dieselbe ihr unangenehm, 
»u entfliehen strebte — wendete, Hülfe suchend sich an Devrient. 
W i l h e l m s I) a u f n. 
(Hierzu zwei Illustrationen.) 
Ohne Ueberhebung dürfen wir es sagen: Die Reisen 
unseres Kaiserlichen Herrn haben die Augen der gesainten Welt 
auf die deutsche Marine gelenkt. Mit stolzer Freude haben 
wir es vernommen, welche Anerkennung das Ausland den 
Leistungen und dem Verhalten unserer wackeren Blaujacken 
entgegengebracht hat. Da darf der „Bär" wohl hoffen, seinen 
Lesern Willkommenes darzubieten, wenn er auch auf geschichtliche 
Dinge eingeht, welche unsere Flotte betreffen. Zwei unsrer 
Bilder zeigen uns heute den Kaiser mit Admiral voll der Goltz 
aus der Kommandobrücke und den stolzen Bau der „Hohen- 
zollern" selbst. Sie bedürfen keines Kommentars. Nicht 
minder willkommen aber dürfte wohl eine Beschreibung
        
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