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Volume 24. August 1889 Nr, 47

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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Pnegnitzischen sollen alle Tag und Nacht haben 100; — wo 
hin sie die Hauptleute schaffen, das sollen sie thun. Die 
Miltelmärkifchen und die Neumärkischen sollen auch haben 100; 
Die sollen thun, was sie die Hauptleute heißen, und mit ihnen 
sollen sie schaffen Tag und Nacht. Die fränkischen Trabanten, 
Die sächsischen und anderen Trabanten aber, die keinen Sold 
haben, die sollen haben 100 item. 
Dies also ist ein Anschlag unter den Gereisigen: eine 
Woche aus 1400 Pferde, 
desgleichen eine Woche auf 2100 Trabanten." — 
In dieser höchst sorgsamen Weise geht es dann fort. 
Vortrefflich wird auch die Verproviantierung geregelt, — vor 
trefflich die „Futterzeit" der Rosse bestimmt. Wir geben hier 
jedoch nur allgemein Interessierendes wieder, was uns ein 
lebendiges Bild von einem miitelalterlichen Kriegszuge zu 
bieten vermag. Hören wir also weiter! 
Es mußte auf diesem Zuge die Randow überschritten 
werden. Da gingen voran: 
„Die drei Steinbüchsen vor der Wagenburg, zehn Haken- 
büchsener, ..zwanzig Handbüchsener, die Armbrustschützen und 
die Spitzbrecher." Die Pferde mußten fest an die Wagen an 
gebunden sein. Als letztes Aufgebot gingen endlich die 
Bauern dilrch den Flitß. Schon „mit dem erstell Tagesfeuer" 
sollte dieser Uebergang erfolgen. Sowie man aber drüben 
aus der östlichen Seite der Randow festen Fuß gefaßt hatte, 
sollten Brücken für die Wagen über den Fluß geschlagen werden; 
deshalb heißt es: 
„Auf den ersteil Wageil soll man führen Bretter ulld 
Bäume, eines Beines dick." Vor jeder der sechs Kolonnen, 
in welchen der Uebergaug erfolgeil sollte, marschierten fiinfzig 
Mann, welche „Wellen oder Busch" (Faschinenwerk) harten 
sollteil uild mit Hackeil urid Schalifelil ausgerüstet waren. 
Ueber die alte kurbrandenburgische Artillerie er 
fahren wir sodann die folgenden Einzelheiten: 
„Meister Hans soll haben die ,Hauptbüchse', die er 
nun geschossen hat. Die ,Sternbergerin' soll haben der 
Büchsenmeister von Culmbach, Jörg Tuchscherer, und 
sollen sie schießen zum Schloß hier diesseits des Wassers. So 
soll haben der Wale die ,große Büchse', so von Frankfurt 
kommen ist, und sein Geselle, der Bairische, soll haben ,Die 
Nürnbergerin', und soll jeder dem andern fürsetzen und 
helfen, und sollen sie liegen und schießen jenseits des Wassers. 
Hauptleute p den Büchsen jenseits des Wassers aber sollen fein: 
der Graf (Eitelfritz) von Zollern, 
Lorenz von Schaumberg, 
Hans Wichmannsdorf und 
Hüner von Bartensleben, — 
zu denen diesseits des Wassers aber: 
Claus von Arnim, 
Cunz Perlicher, 
Nickel Rym und 
der Scherrentinger." 
Es ist diese Stelle der Marschordnung aus Vierradeu 
«iler der ehrwürdigsten Beiträge zur Geschichte unsrer Artillerie; 
— älter sind unsres Wissens nur 
die Sagen voll der sogenaimteil „faulen Grete", 
iowie ■ 
die Berichte über die Entleihung von Büchsen aus braun- 
schweigjschem Besitze und die Umformung*) der Glocken von 
St. Marien in Berlin zu — Kanonen. Jedenfalls sind die 
genailnten Edelleute und Büchsenmeister die ersten urkundlich 
nachweisbaren „Ahnen unsrer stolzen Artillerie." 
Die ^Oräre" Albrecht Achilles schließt endlich mit dem 
Befehle an Werner von Psuel, auch die Bauern im Lande 
Stolpe auszubieien, mit ihnen zu schanzen und dem Feinde 
die Brücken über die Welse abzubrechen. 
Diese Anordnungen des Kurfürsten Albrecht erwiesen sich 
in der That als erfolgreich. Fast scheint es, als wären die 
Pommern diesmal ohne Schwertstreich der überlegenen Macht 
der Brandenburger gewichen. Vierradeu wenigstens wllrde 
ohne Sturm genommen. Stadt uild Veste, oder vielmehr 
Burg und Zollstätte sind markgräflich geblieben seitdem. 
Werner von der Schulenburg ans märkischer und Heinrich 
Borck auf pommerscher Seite vermittelten dann den Frieden, 
welcher nach mehrfachen Tagfahrteu am 30. März 1493 end 
lich zu Königsberg in der Neumark abgeschlossen wurde. 
(Fortsetzung folgt.. 
Brandenburger Reminiszenzen. 
Von Dullo-. 
(Fortsetzung.) 
Was die Kommunalverwaltuug betrifft, so diszen- 
tralisierte die des Jahres 1739 die Geschäfte, und es leuchtet 
überall noch die frühere Trennung der Verwaltung der beiden 
Städte, Altstadt und Neustadt, hervor. Die verschiedenartigsten 
Geschäfte waren einem und demselben Dezernenten überwiesen 
und zersplitterten seine Thätigkeit. Ganz gleichartige Geschäfte 
waren räumlich getreunt, in kleine Teile zerlegt und mit deren 
Erledigung verschiedene Personen besaßt. Einzelne Zweige 
der Verwaltung, wie die des Syndikats itiid der Oekonomie, 
waren so ltmsassend, daß ihre ordnungsmäßige Bewältigung 
von Einem uninöglich scheint. Auffällig und unpraktisch war 
die geringe Zahl von Subalternbeanilen und die daraus fol 
gende Menge von subalternen Geschäften, mit denen Magistrats- 
mitglieder besaßt wurden. Charakteristisch für die bureau- 
kratische Zeit sind die endlosen von Staats wegen befohlenen 
Tabellen und Listen. Dazu kam, daß es mit der Tüchtigkeit 
der Magistratsinitglieder, auch noch in viel späterer Zeit, recht 
übel bestellt war. In einem Schreiben des Polizeidirektors 
Necker vom 2. Dezember 1771 an den Kriegsrat Richter, 
den oornmeiooarirm loei, urteilt jener wie folgt: „Wie wenig 
der Bürgermeister V. bei seinem herannahenden Alter der 
Arbeit gewachsen, ist notorisch; Senator M. ist völlig invalide 
und die Rühe ihm wohl zu gönnen; Senator T. ist mit Ge 
schäften extra curiam beladen und, wenn es was zu arbeiten 
giebt, invalide; Senator K., so ein guter Arbeiter ist, hat, da 
er des Kämmerers Dienste mit verrichten muß, zu wenig 
Muße für andere rathäusliche Verrichtungen. Wo bleiben 
nun die vielen ttnd nötigen Arbeiten?" Dabei blühte das 
Sportelwesen. Als über des Kriegsrats Richter Vorschlag, 
eine Sportelkasse zu bilden, in welche alle Sporteln fließen 
und aus welcher sie uach einem bestimmten Verhältnisse ver 
teilt werden sollten, von dem Magistrate Bericht erfordert 
*) Sie ist geschichtlich bezeugt.
	        
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