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Volume 17. August 1889 Nr, 46

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

-*s 569 fr- 
der Neuzeit. Wo so viel gelungen ist, — wo umvirtbares 
Heideland, Luch und Sandberge der modernen Kultur ge 
wonnen worden sind, da wird gewiß auch mehr gelingen. 
Möge Gottes Segen auch über dem Weddinge walten! Es 
erfreut, 51t sehen, mit welcher Pietät die Bewohner des Weddings 
sich der ersten kleinen Ansänge ihres Stadtteiles erinnern. 
Dafür, daß ihre Festfeier gelingen werde, bürgt uns bereits 
der „findige" Sinn, der seine Heimalstätle hat auch „aus dein 
Wedding." 
D. R. 
Kleine Mitteilunaen. 
Für das hiesige Museum für d-eutsrtie Dallrstrarstteu 
sind, wie der „Kost. Ztg." mitgeteilt wird, dieser Tage in Jamund bei 
Köslin pommersche Erwerbungen gemacht worden. Die Ausbeute soll keine 
geringe gewesen sein. Die Jamunder Tracht wird nur noch von den 
älteren Leuten angelegt; die jüngere Generation unterscheidet sich äußerlich 
in nichts mehr von der übrigen ländlichen Bevölkerung dortiger Gegend. 
In dem Museum sür deutsche Volstrachten wird auch das Janiunder 
Kostüm vor dem Schicksal, in Vergessenheit zu geraten, bewahrt bleiben. 
Außer Bekleidungsgegenständen wurden auch verschiedene Geräte, wie 
Lchemel, Schüsseln, ein alter Brautkranz, eine eigenartige Vorrichtung zum 
! Butlern und dergleichen sür das Berliner Museum f. Volkstr. erworben. 
In der Mark Brandenburg haben sich Volkstrachten erhalten: 
1. in der Altmark, namentlich im „Hans-Jochem-Winkel", 
2. im mittelmärkischen Dorfe Neu-Hardenberg, dem alten Quilitz, 
3. im Spreewalde. 
Wir möchten die Direktion des Museums herzlich bitten, uns auch 
eine Neu-Hardenbcrger Tracht für die folgenden Geschlechter aufzubewahren. 
Im übrigen werden wir auf das interessante Gebier zurückkommen. 
0. 8. 
Eine Reihe von Grrgiualpläueu des Zeughauses zu 
Äerliu, die aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts herrühren, sind 
von dem Prof. Tr. Steche in Dresden neuerdings aufgefunden worden. 
Es befinden sich darunter die Entwürfe für die Treppeneinbaulen in der» 
lieurigen Prachthofe, die nach allen bisher bekannt gewordenen Berichten um 
1710 endgültig angeordnet und um 1718 erst fertig gestellt wurden. (In 
der Zwischenzeit bediente man sich einer angebauten Holztreppe.) Daneben 
linden sich auch ältere Zeichnungen, welche im Jahre 1702 entstanden sein 
können. Damals, so schreibt man der „Voss. Ztg.", hatte Jean de Bodt, 
soweit wir aus den durch den General Wangelin hinterlassenen Mitteilungen 
ersehen können, einen selbstständigen Plan für den Fortbau des Zeughauses 
aufgestellt, der, wie es heißt, wegen seiner allzu großartigen Anlage von 
dm Neidern des verhältnißmüßig jungen (1670 geboren) Baumeisters ange- 
leindet wurde. Mit persönlichen Verhältnissen wird es in Zusammenhang 
gebracht, daß damals de Bodt von Berlin entsendet wurde, um die Be- 
ichießung von Geldern zu leiten. Es muß dies im Sommer 1703 gewesen 
kein, denn die seit April belagerte Festung wurde im September bombardiert, 
Hai sich aber doch noch bis zum 17. Dezember gehalten. Auch in Wesel 
wurde de Bodt damals beschäftigt. Bei seiner Rückkehr nach Berlin fand 
er den Bau nach den Zeichnungen eines anderen Architekten (wahrscheinlich 
Schlüters) im Gange, erreichte aber dann, daß der König ihn» den Fort 
bau aus Grund der ersten Skizzen übertragen ließ. lind nun folgten die 
großen Aenderungen, welche die heutige Erscheinung der Fastade bedingen 
— vor allem die pomphafte, dem Louvre nachgebildete Anlage des Haupt- 
vortals. — 
Die alte Aütnxme, welche vor den, Hofplatz des Schlosses 
Bellevue im Tiergarten placiert ist, war seit einiger Zeit von diesem 
ihren Standplatz verschwunden. Jetzt ist dieselbe Kanone wieder da und 
(war auf einer neuen Lassette. Die ältere hatte durch das Wetter derartigen 
Ich atzen erlitten, daß eine Erneuerung der Holzteile notwendig ivar. Das 
Geschütz ist ein Napoleonisches und trägt den Namen Je dröle“. An der 
Wette befindet sich folgende Inschrift: „Den 18. Oktober 1813 wurde 
dieses Geschütz nebst 14 anderen bei Probstheyda, in der Schlacht bei 
Leipzig, durch die 12. Brigade, welche aus dem 12. Schlesischen, 11. 
Reserve-, 10. Landwehr-Infanterieregiment und der 6psündigen Batterie 
Nr. 11 und 13 bestand, unter Anführung Sr königl. Hoheit des Prinzen 
August von Preußen erobert." Der Prinz empfing dasselbe als Denkmal 
und zur Belohnung auf dem Schlachtfelde von Friedrich Wilhelm III. 
X. A. Z. 
Anekdote von Honig Friedrich Wilhelm IV. von 
Preußen. Ein Feldprediger hatte vergessen, die Armee mit in das 
Ärchengebet einzuschließen. Darauf aufmerksani gemacht, reichte er ein Ge 
such an den König ein, in welchem er um Verzeihung bat, und erhielt den 
Kescheid: „Fehler des Gedächnisses wiegen leicht und sind sehr verzeihlich, 
beruhigen Sie sich also! Zudeni hoffe ich, daß darum der Himmel nieine 
Ausgelassene Armee nicht vergessen wird. E. K. 
Herr Direktor Dr. Berbig zu Großen schreibt uns: 
Tempora nmtantnr. In einer Schul-Ordnung der alten 
iumnischen Schule zu Crossen a. d. Oder vom Jahre 1695 findet sich (ganz 
"uch Trotzendorfschcm Muster) folgende Bestimmung: „Keiner sol auch ins 
Mic Bad gehen / oder im Winter aufs dem Eise fahren bey welchem / 
®' e theils Leib und Leben / theils Arme und Beine in grosser Gefahr find / 
"ho sollen die Verbrecher jedcsmabl scharff gestraffet werden." 
Eine gleiche Bestimmung enthielt auch die älteste Schul-Ordnung des 
lkGrauen Klosters" zu Berlin. D. R. 
- Unser Such erlisch. I 
— Aus dem Verlage von Wilhelm Schnitze Berlin C., Scharren 
straße 11, geht uns das vortreffliche Buch von A. Engelie» und Ul. Lahn 
zu: „Der UoUtsrnund in der Mark Draudeudurg." 
Sagen, Märchen, Spiele, Sprichwörter und Gebräuche. 
Verfasser dieses hat bereits mehrfach auf das ungewöhnlich hervor 
ragende Verdienst aufmerksam gemacht, welches die Herren Herausgeber 
mit diesem ihrem Werke sich erworben haben. . Die novellistischen Schilderer 
der Mark ohne Ausnahme, — ich bin leider auch oftmals in diesen 
Fehler verfallen, — geben Land und Leute nur im Scheine der Kunstpoesie 
wieder. Dessen bedarf die Mark Brandenburg wahrhaftig nicht. Die 
knorrige Eigenart des Landes und der Leute, die Verschlagenheit des 
„blinzelnden Schlaumeiers" von Bauern, die urkräftige Eigenart unserer 
etwas saumseligen Knechte und unserer sonnenverbrannten Mädchen findet 
hier im „Volksmunde" einen oft geradezu frappanten Ausdruck. Engelien 
und Lahn haben das brandenburger Leben eben wiedergegeben wie es ist, — 
ohne Schminke, ohne die billigen, „stimmungsvollen Mätzchen", die heute 
so beliebt find. Wer Brandenburgisches Volkstum kennen und recht von 
Herzen liebgewinnen will, muß „Engelien und Lahn" stets zur Hand haben. 
Indessen: „Habent sua fata libelli!“ Die Herren hatten einen zweiten 
Teil geplant: — bei dem ersten aber ist es geblieben, — selbstverständlich 
wegen mangelnder Teilnahme des Publikums. Und das ist sehr betrübend. 
Alle Gebiete des Deutschen Reiches, ohne Ausnahme, haben in den letzten 
Jahren herrliche Publikationen über das ihnen Zunächstliegende veranstaltet. 
„Monsieur Charles Grad, depnte au Reichstag allemand,“ hat soeben 
in Paris ein Werk über das Elsaß erscheinen lassen, welches alle deutschen 
Landeskunden, selbst das Buch „die Pfalz und die Pfälzer" von W. H. Riehl, 
in Schatten stellt. Wir aber im Stammlande des Deutschen Reiches haben 
nicht die Mittel und nicht das Heimatsgefühl, um die Fortsetzung eines 
Werkes, wie es Engelien und Lahn uns dargeboten haben, zu ermöglichen. 
Der Provinzial-Landtag hat wahrhaft großartige Opfer gebracht, um das 
Heimatsgesiihl zu beleben; unser Publikum bankt ihm in keiner Weise. 
Die Worte Attinghauscns über das Heimatsgesühl scheinen sür uns eben 
nicht geschrieben zu sein. — 
Das sind sehr traurige Betrachtungen, die Einem gerade bei einem 
so köstlichen Buche kommen müssen. Bessere es Gott! Wir aber, welche 
wir, entweder als Mitarbeiter oder als Leser, uns unter den ruhmreichen 
Zeichen Berlins und der Hohenzollern vereinigt haben, wollen doch auch das 
unsere dazu thun, daß die Innigkeit und die stolze Freude verstanden 
werde, mit welcher wir Märker zu rufen pflegen: 
„Hie gut Brandenburg alleweg!" 0. 8. 
— Von Herrn Geheimen Ober-Regierungsrat Otto freist errn von und 
}u Auflcß wird uns „die Geschichte des Aufsefj'srheu (ße- 
i'd)leei)ts tu Frauken" zugesandt, welche in dem ausgezeichneten 
Verlage von Carl Heymann, Berlin, Mauerstraße, erschienen ist. Das 
Werk verdient in jeder Beziehung als Muster einer Familiengeschichte be 
zeichnet zu werden. Was uns wahrhaft wohlthuend berührt hat, ist jene 
hohe Vornehmheit, welche niemals von Verdiensten der Ahnen spricht, 
sondern schlicht und recht die Dinge erzählt, wie sie gekommen sind. — 
Gewiß ist die ehrwürdige Gestalt des Freiherrn Hans von und 
zu Aussetz, des Gründers des Germanischen Museums, vielen 
alten lieben Berlinern noch heute ebenso lebendig gegenwärtig wie uns. 
Der edle fränkische Freiherr gehört uns mit demselben Rechte an, wie die 
schwäbisch-fränkischen Hohenzollern; denn wie sie mit der That, so hat er 
mit dem. begeisternden Worte den Samen der Vaterlandsliebe unter uns 
ausgestreut. Freudig steuert die Stadt Berlin zu den Zwecken des Ger 
manischen Museums bei. Der Geschichte der Stadt Berlin im engeren 
Sinne gehört indessen vor allen jener Heinrich von Ausseß an, welcher 
Mitglied des Schwanenordens Friedrichs des Eisernen war und im „Hohen 
Hause" zu Berlin einstmals Haus gehalten hat. 
Wir begrüßen die Schrift endlich auch als einen überaus wertvollen 
Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte, und können nur bedauern, daß der 
hochgeehrte Herr Verfasser seinem Werke die Kunstdenkmäler des Hauses 
Ausseß beizugeben nicht gewillt gewesen ist. 0. 8. 
Inhalt: Gras de la Roche-Aymon, Ein Bild aus der Zeit des 
Prinzen Heinrich, von F. Kalt (Forts.); Vierraden (Forts.); Branden 
burger Reminiszenzen, von Gustav Dullo (Fortsetzung); Hans Ulrich 
Schaffgolsch (mit 2 Portraits); Geschlecht, Stammhaus, Rittersitze 
und Denkmäler Derer von Blankenfelde (Forts.); Studien ziir 
Baugcschichte Berlins, von Cornelius Gurlitt, S. Chappuzeau's Schil 
derungen von Berlin: Der Wedding. — Kleine Mitteilungen: 
Museum für deutsche Volkstrachten; Originalpläne des Zeughauses zu 
Berlin; Die alte Kanone; Anekdote von König Friedrich Wilhelm IV. von 
Preußen; Tempora mutantur. — Unser Büchertisch. — Anzeigen.
	        
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