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Periodical volume 17. August 1889 Nr, 46

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Barbara Agnes, und viele Herren vom Adel eingesunden 
hallen. Die Schellendvrs und llechtritz, die Burghaus und 
die Gellhoni, die Salzn und die Zedlitz „stachen" mit ein 
ander. Es war dem jungen Freiherrn ferner eilte hohe Freude, 
wenn er diese oder jene seiner Gemeinden mit einer Kirchen 
glocke beschenken konnte. 
(Fortsetzung folgt.) 
Geschlecht, Stammhaus, Rittersihe und Denkmäler 
Derer von Blankenfelde. 
(Fortsetzung.) 
Wilkes, des Bürgermeisters, Söhne scheinen das alte Ge- 
schlechl allein fortgesetzt zu haben. Sie hießen Hans und 
Thomas. Am 13. Februar 1475 wurden sie mit dem dritten 
Teile ihrer väterlichen Güter belehnt; Herr Wille war also 
wahrscheinlich kurz ztwor verstorben. Beide Männer wurden 
Bürgermeister zu Berlin. Bekleidet mit dieser Würde erscheint 
Thomas von Blankenfelde in den rathäuslichen Verzeichnissen 
bis zum Jahre 1493. Er stand in demselben erst in seinem 
57. Jahre, zog sich indessen bereits von den Geschäften zurück 
Md scheint auch die Stadt Berlin selbst verlassen zu haben. 
Demi er verkaufte am 24. Juni 1493 sein bei der Barfüßer- 
kirche gelegenes Haus unter sorgsam stipulierten Bedingungen 
an einen edlen Fremden: an den österreichischen Freiherrn 
Md Landvogt der beiden Lausitzen, den Edlen Georg von 
Stein, welcher seinen Wohnsitz diplomatischer Verhältnisse 
halber vom Schlosse zu Bautzen nach Berlin verlegt hatte und 
auch Herr ans Zossen war. 
Thomas von Blankenfelde erscheint als ein reichgesegneter 
Mann. Mit einer Tochter des ukermärkischen Adelshauses 
tum Buch vermählt, sah er sich von 15 Kindern umgeben, 
hr haue reiche Einkünfte und vortrefflichen Landbesitz in Kanls- 
öorf, Groß-Ziethen, Seeseld, Pankow und Weißensce; das 
Herrenhaus des letzteren Ortes scheint sein Hauptsitz gewesen 
VI sein. Er verstarb, 68 Jahre alt, fünf Tage nach Estomihi 
1504, — wie eine Tafel in der Kloster-Kirche meldet, „vita 
bene beateque exacta.“ 
Wir beschäftigen uns jetzt mit seinen Kindern. 
Eine hervorragende Stelle unter ihnen nimmt ein Mann 
ein, welchem, als einem Bürgersohne von Berlin, es beschieden 
ioar, im ,ordo ecclesiasticus 1 bis zu der hohen Würde eines 
Erzbischofs zu gelangen: 
Johann von Blankenfelde. — 
Nach der Angabe Martin Friedrich Seidels wurde Jo 
hannes Blankenfelde im Jahre 1471 geboren. Er hat gewiß 
a»r die Schulen der Stadt Berlin besucht, wurde indessen in 
ihnen so trefflich vorbereitet, daß er, tioch ein Knabe, huina- 
Plüschen Studien sich zutvettden und im Jahre 1488 ztt 
Bologna die Würde eines Ooobors jnris utriusque erwerben 
fomte. „Unter seinen Lehrern", schreibt George Gottfried 
Enter, „ist Johannes Garzonius bekannt, welcher, ivie aus 
*nn nun och vorhandenen, von Beckmann in der ,Notitia 
“niversitatis Francofurtanae 1 abgedruckten Briefen zu ersehen, 
"Hievn Blankenfeld nicht anders denn seinen Sohn geliebet. 
^i> übrigens dieser gelehrte Märker, so lange er sich in 
^älschland ausgehalten, in sehr gutem Rufe gewesen, lässet 
bch daraus abnehmen, daß er des sogenannten 
,Deutschen Hauses in Rom' 
j Vorsteher sowie des 
,Lievlündischen Schwert-Ritter Ordens' 
Prokuratnr gewesen, bei dem Papst Juliv und dem Kardinals- 
Kollegio in hohem Ansehen gestanden und sich solcher Beliebt 
heit erfreut hat, daß man ihit wegen seiner Rechtsersahreuheit 
inid Geschicklichkeit, guten Rat zu erfinden, 
.den weisen Deutschen, sapientem Allemannum 1 , 
genannt hat. 
Nachdem er nun eine geraume Zeit in Jialieit verweilet 
hatte, kam er nach Deutschland zurück und ward zu Leipzig 
Beisitzer der Juristen-Fakultät. Als aber Kurfürst Joachimus I. 
bei Anlegung der Universitär Frankfurt (1506) darauf bedacht 
war, wie er viel wackere Männer bekommen möchte, durch 
welche der neue Musensitz in guten Ruf gebracht würde, war 
unter selbigen auch unser Blankenfeld. Er nahm die Be 
rufung zum Lehrer der Rechte in Frankfurt an, wohnte der 
Einweihung der hohen Schule bei und legte in Gegenwart 
des Durchlauchtigsten Stifters und der zahlreichen Versamm 
lung eine herrliche Probe seiner Wohlredenheit ab." — 
In der That wurde Johann von Blankenfelde, als Konrad 
Wtmpina, Cönradus Eoci (Koch) ex Fagis (Buchheim im 
Odenwalde), 1507 die akademischen Fasoes niederlegte, 
zweiter Rektor der alma mater Joachimica. 
Als solcher stand Blankenfelde dem jugendlichen Fürsten auch 
persönlich nahe: er tvar Joachims „Geheimer Rat". Man 
weiß, ivie lebhaft die polnisch-preußischen Verhältnisse den 
hochsinnigen und weitblickenden jugendlichen Hoheuzollern be 
schäftigten. Die Verbindungen Johanns von Blankenfelde mit 
dem Schwertbrüder-Orden ließen es dem Kurfürsten daher als 
angemessen erscheinen, in diesen Dingen sich Blankenfelde's 
„als Gesandten und Orators" zu bedienen. Küster äußert 
über eine dieser Legationen, — wieder wohl aus Seidelscher 
Quelle —: 
„Als Johann von Blankenfelde einmal wegen einer 
Grenzstreitigkeil nach Polen verschicket worden, schien er der 
Republik noch nicht Mannes genug zu sein. Allein wie ,jie‘ 
sahe, daß die Wissenschaft nicht nach den Jahren abgemessen 
werden müsse, sassete sie eine ganz andere Meinung, und 
Blankenfelde kam, nachdem er seinen Zweck glücklich erreichet, 
zum Vergnügen des Churfürsten zurück. 
Solchergestalt dienele er dem Landesherrn und seinem 
Vaterlande bis in's 1517 te Jahr. Hierauf ging er nach Liv 
land" — die Bekanntschaft mir den Schwertbrüdern war also 
in der That eine folgenreiche und voneilbringende gewesen; — 
„und wurde in Folge seiner ehemaligen löblichen Verrichtungen 
zuerst Bischof zu Dörpt und nach diesem Erz-Bischof zu Riga, 
nachdem er anno 1523 vom Papste VII., Julius von Medici, 
zum Coadjutor und Nachfolger des Erzbischofs Caspar von 
Riga ernennet worden." 
Soweit wir wissen, ist Johann von Blankenfelde der 
einzige Berliner, welcher diese hohe Staffel römischer Kirchen 
würden erreicht hat. —- 
Allein man schrieb — das Jahr 1523! Luthers Wort 
haue unter „dem edlen deutschen Blute" in Livland ganz ge 
waltig gezündet. Wie die hochsinnigen Edlen Oesterreichs und 
Steiermarks, so bekannten sich atlch all' diese kernigen, zumeist 
dem Lande der Westfalen entstammenden Adelsgeschlechter im 
innigsten Vereine mit dem deutsch-baltischen Bürgertume zu
        
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