Path:
Volume 17. August 1889 Nr, 46

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

^5 563 §►- 
saut, ließ das Reglement nicht ersehen. An den Verkauf von 
holz mar bei dem starken Verbrauch für städtische Bauten in 
angen Jahren nicht zu denken, im Gegenteil mußte Eichen- 
banholz angekauft werden. Die Bauten wurden meist weder 
veranschlagt noch verdungen-, in den letzten sechs Jahren hatte 
der Magistrat 16,869 Thlr. verbaut, obwohl nur ein Haupt- 
bau bei der Schleuse, welcher 5242 Thlr. gekostet hatte, vor 
gekommen war. Ans dem Bauhofe fehlten 60 Stück Eisen, 
119 kienene Sägeböcke und 668 Stück kienenes Bauholz; der 
Lekonomus Grosse, der die Inspektion des Bauhofes hatte 
und die Rechnung führte, schien, wie es in der Verhandlung 
heißt, „als er hierüber Red' und Antwort geben sollte, dieser 
Lache embarrassierl zu sein, so daß er gar darüber krank ge 
worden." Als Pächter des neilstädtischen Ziegelofens stgurierte 
der Bürger Duval; der 
eigentliche Pächter aber war 
der Bürgermeister 8 aureus, 
welcher überdem die überaus 
billige Pacht nicht pünktlich 
zahlte und die Erde an 
Stellet! graben ließ, an 
denen sie nicht gegraben 
werden sollte. Bei der 
Revision des Serviswesens 
wurde gerügt, daß mehrere 
! Magistratsmitglieder keinen 
Lervisbeitrag zahlten, und 
der Magistrat suchte sich da 
mit auszureden, „daß er den 
Servis für ein censuin reale 
gehalten habe." Ueber die 
Jahrmärkte mar viel Streit 
Wischen der Neustadt und 
der Altstadt; beide Städte 
sollten den Sonnabend als 
den Markttag haben, und die 
-lltstädter gingen so weit, 
daß sie Keilen vor die lange 
Brücke zogen, um die Land- 
letlie, welche in die Altstadt 
kingefahren waren, an der 
Forisetzung des Weges nach 
der Neustadt zu hindern. 
Sie Vor- und Aufkäuferei 
wurde, ebenso wie das 
vausieren, nach Kräften verhütet und bis 10 Uhr, so lange 
die Marktfahne ausgesteckt war, durfte kein Fremder und 
fr>» Höker kaufen; aber die Stadtverordneten zeigten an, 
d»ß beim Getreide und beim Brennholz doch Vorkäuferei statt- 
iöiibe, da der Marktmeister nicht alles übersehen könne und 
die sieben Ratsdiener durch die Finger sähen. Die Nahrung 
der Stadt bestand aus Ackerbau, der von der Altstadt auf 10, 
»o» der Neustadt auf 30 Hufen betrieben wurde, aus Brauerei, 
Weinbau, Handwerk und ans Woll- und Leinenmanufakturen. 
Sie Wollmanufaktnr beschäftigte 130 Meister, welche 13,473 
^ein Wolle verarbeiteten; das Tuch ging meist nach Berlin, 
wo 546 Stück znni Ausschnitt versteuert wurden, und das 
^werk lieferte für 12 Infanterieregimentes. Die Tuchscheerer 
deichwerten sich, daß sie, trotz der Schauordnung vom 13. Fe 
bruar 1739, oft Naturalien in Zahlung nehmen müßten; die 
Slrumpfwirkermeister klagten, daß ihnen von Pfuschern, welche 
die Strümpfe an Händler verkauften, viel Eintrag gethan 
würde; die Strumpswebermeister beschuldigten die Strumpf- 
stricker, daß diese leichte zweideutige Ware von den Magde 
burgern für ein billiges kauften. Die Rasch- und Zeugmacher 
meister beschwerten sich über die vielen unzünfligen Pfuscher, 
welche sich in den kleinen Städten hielten; die Hutmachermeister 
klagten über den Debit und baten um Lieferung für einige 
Regimenter; die Gürtler beschwerten sich, daß sich so viele von 
ihrer Prosession angesetzt hätten. Im Leinewebergewerke waren 
80 Meister mit 400 Stühlen thätig; sie beschwerten sich, daß 
die Armeelieferanten die Preise zu sehr drückten, daß ihnen 
die Lieferung der Betileinewand für das Potsdamer Waisen 
haus entzogen sei, und daß 
die Landmeister bunte Leine 
wand zum Verkauf machten; 
auch wollten sie Garn färben 
dürfen, weit die Färber sie 
mir den Preisen übersetzten. 
Die Tabakspinner baten, das 
Hausieren mit Tabak zu ver 
bieten und den Hökern zu 
befehlen, den Tabak von dem 
Gewerke zu kaufen. Die Loh- 
gerbermeister führten Klage, 
daß die Schtlster nicht nur 
für sich, sondern auch für 
Sattler und Riemer gerbten, 
und daß die rohen Felle durch 
Aufkauf verteuert würden. 
Die Weißgerber verlangten, 
daß der Auskauf roher Häute 
verboten und den Handschuh 
machern der Handel mir 
ledernen Hosen untersagt 
würde. Die Färber hielten 
sich von den Leinewebern, 
welche ihr Garn selbst färbten, 
für geschädigt, so daß sie selbst 
keine Jungens mehr und keine 
Gesellen halten könnten. An 
Brennereien waren in der 
Nenstadl 73, in der Altstadt 38 
vorhanden, und beide Städte 
hatten von Rechts wegen 117 Krüge zu verlegen; aber die 
Brenner klagten, daß sie nur noch 62 Krüge verlegen könnten, 
weil ihnen viele entzogen seien; sie beschwerten sich auch, daß 
die Rcihenbrcnnerei nicht eingehalten würde, und daß die 
Magistratsherren die meiste Nahrung an sich zögen, und 
forderten, daß alle Brenner, welche bei ihren: anderen Hand 
werk hinlänglich subsistieren konnten, aus der Brauerliste ge 
strichen werden sollten, wie das Rescript vom 9. Mai 1737 
es anordne. Im letzten Jahre hatten die Brennereien 1689 
Wispel Weizen- und Gerstennialz verbraucht. Die Brennerei 
ward an 173 Stellen betrieben, und hatte im letzten Jahre 
397 Wispel Weizen- und Roggenbranlweinschrot verbraucht, 
und es wurde geklagt, daß die Brennerei infolge des Aus- 
marsches der Garnison ganz heruntergekommen sei. So war 
Iostlrnrr Ulricti Srtilrffgotsich.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.