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Volume 17. August 1889 Nr, 46

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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fiel sie Dem Markgrafen Friedrich Dem Eisernen in Die Hände, 
— einem andern Berichte nach „durch die nächtliche Hilfe 
eines Müllers." Das klingt poetisch, und es ist nur zu be 
klagen, daß wir über die näheren Umstände des Falles von 
Vierraden im Jahre 1465 nicht genauer unterrichtet sind. 
Eine kurze Zeit hindurch blieb Vierraden nun bei der 
Mark. Alts dem Jahre 1469 haben wir eine weitere Nachricht 
über diese Burg; dieselbe lautet nur kurz: 
„Am Donnerstag vor Jakobi 1469 haben im Felde bei 
dem Dorfe Stoltenburg die Städtlein Schwedt und Vierraden 
dem Markgrafen Friedrich dem Eisernen gehuldigt." — 
Wirklich sicherten dann auch die Friedensschlüsse auf der 
Johanniter-Komturei Rörchen und zu Prenzlau, welche während 
des Jahres 1472 zu stände kamen, den Brandenburgern die 
Burg Vierraden: bis zum Jahre 1477 wehte der rote Adler 
von der Burgzinne des alten Pommernschlosses über das Land 
an der Welse hin. — 
Verweilen wir einen Augenblick bei diesen dreizehn Jahren 
märkischen Besitzes! 
Die Hauplmannschasl Vierraden umfaßte damals die 
Dörfer Klluow, Hohenfelde, Gatow und Blumenhagen, sowie 
das halbe Städtchen Fiddichow mir den Weinbergen tind dem 
„Hölzchen", d. h. einem Wäldchen auf den Wendenbergen. 
Zum ersten märkischen Hauptmann über Vierraden wurde ein 
Herr von Arnim erwählt; doch schon im nächsten Jahre, am 
Montage nach dem heiligen Christfeste 1471, wurde Hans 
von Buch, erbgesessen auf Woddom bei Brüssow, vom Knr- 
sürsten „aintmauusweise" in Vierraden eingesetzt. Der „Be 
stallungsbrief" vom 30. Dezember 1471 weist diesen Edelmann 
an, „das Schloß Vierraden bei getreuer, fleißiger Verwahrung 
mit fünf reisigen Pferden und füitfzehit wehrhasteit Trabanten 
innezuhaben, sich aller Nutzung davon zu bedienen, doch die 
zum Schlosse gehörigen armen Leute nicht zu beschweren 
über die gewöhnlichen Abgabeit und die Dienste, wie solche 
von Alters her üblich sind." 
Züge hohenzollernscher Wirtschaftlichkeit und Milde also 
auch hier! Die „armen Leute" liegen Friedrich dem Eisernen, 
deut Stifter und Haupte des Schwanenordens, besonders am 
Herzen; doch soll auch das Schloß nach höchstem und bestem 
Vermögen von Hans von Buch bewahrt werden! So durfte 
der Amtmann aus ben Forsten bei Vierraden nicht mehr als 
„für 60 bis 70 Gttlden Holz" entnehmen; auch hatte er 
fleißig daraus zu achten, daß die Wälder nicht „ausgebrannt" 
ivürden. Die wichtigste Obliegenheit des Amtmanns bestand 
jedenfalls aber in der kriegerischen Umschau und in der Ein- 
iammlung und Ablieferung des Zolles. Denn ein Zoll be 
stand zu Vierraden schon seit unvordenklichen Tagen. Was 
endlich das Inventar des Schlosses anbelangt, so übernahm 
Junker Hans von Buch in Vierraden: 
9 Steinbüchsen, 
item eine Karrenbüchse, — ein leicht bewegliches 
Geschütz, — 
item 13 Hakenbüchsen, 
item 5 Tonnen Pfeile, 
item 10 Armbrüste, „die nichts wert waren," 
item y 2 Tonnen und 1 / i Pulver, 
item einen Mörser, 
item einen großen Grapen (Eisentopf) in der Küchen, 
item eine Braupsanite, 
item drei Betten, 
item einen Kessel im Backhause, 
item 8V 2 Wispel Roggens. — 
Solche Jnveniare sind äußerst lehrreich; sie verbannen 
von unsern Schlössern jeden Schimmer erträumter romantischer 
Herrlichkeit früherer Tage. — 
Es muß sich also auf der alten Veste Vierraden damals 
nicht eben angenehm, wohnlich, leicht und begnem gelebt 
haben; schon ztl Jnvocavit 1473 schied auch Hans von Buch 
aus dem Amte eines brandenburgischen Hauptmanns der 
Pommernveste wieder aus. — Ihm folgte Konrad von 
Schlabbrendorf. Unter ihm ging Vierraden den Märkern 
wiederum verloren. 
Die Geschichte von Vierraden verbindet sich nun nämlich 
aufs innigste mit der der pommerschen Burg Garz und mir 
der berühmten „Taufe", welche Herr Werner von der 
Schulenburg auf dem letztgenannten Schlosse einst ge 
halten har. 
Herr Werner war markgräflicher Hauptmann auf dem 
Schlosse zu Garz. Ein so ritterlicher und kriegserfahrener 
Herr er aber auch war: er handelte hier doch recht unklug. 
Er schätzte den um Garz wohnenden Adel nämlich „nicht un 
beträchtlich." Es wurde daher dem schlauen Pommernherzoge 
Wartislaw durchaus nicht schwer, mit dem „vielgeplagten 
Adel", welcher in der Gegend des von den Märkern eroberten 
Schlosses Garz wohnte, ein geheimes Einverständnis zu schließen, 
und zwar zumal mit Bartholomäus Brusehaver auf Brusen- 
selde, welcher eitrige SttUtden von Garz jenseits der Oder 
gesessen war, sowie mit den Edelleuten von Schönebeck und 
von Pakulent. Bald fand sich für die Pommern eine Gelegen 
heit, sich der schlimmen Gäste auf dem Schlosse Garz zu 
entledigen. 
Herr Werner von der Schulenburg wollte nämlich arif 
den 20. April 1477, ben Sonntag Misericordias Domini, 
ein stattliches Kindtaufen ausrichten. Das Land mußte ihm 
liefern, was er zu dem Feste gebrauchte, und so sandte.er 
einen Knecht auch an den Edelherrn Bartholomäus Brusehaver 
und verlangte von ihiit den Hafer ztir Fütterung der Rosse 
seiner Gäste. Der Pomnter war anscheinend atich zu der 
Lieferung bereit; er bat jedoch den Knecht, welchen er freund 
lich bewirtete, die Fuhre bis auf Montag anstehen lassen zu 
dürfen; denn an dem Tage hätte er Geschäfte zu Stettin und 
käme also auch durch Garz; in aller Frühe werde er den 
Hafer zur Stelle schaffen. Ter märkische Diener „witterte 
nichts Böses" und versprach, bei dem Turmwächter zu Garz 
es fein sorglich zli bestellen, daß Brusehaver zeitig zum Thore 
eingelassen werde. Der besagte Turm aber lag eine Strecke 
weit vor Garz; eilt langer schmaler Damm über die Oder 
sümpfe führte zu ihm hin; man sah drum aus der Stadl 
nicht wohl, was bei dem Zollamte geschah. „Kaum war nun 
der pommersche Edelmann einer so günstigen Gelegenbeil sicher, 
die Veste Garz zu überraschen, als er dem Herzoge Wartislaw, 
ben Steltinern und den Slargardern seinen Anschlag frntb 
that, Garz wiederum in die Hände der Pommern zu bringen. 
Er wollte auf den Getreidewagen Bewaffnete in die Stadt 
führen und forderte den alten Herzog Wartislaw auf, in den 
Morgenstunden des Montags vor dem Stettiner Thore bei 
Garz zu sein uitd zttgleich die Bürger von Stettin und Star- 
gard aus verdeckten Oderkähnen an die Garzer Brücke zu be
	        
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