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Periodical volume 10. August 1889 Nr, 45

Full text: Der Bär Issue 15.1889

Quartier gemacht hatte. Allein aitch der stolze Bürgermeister 
Paul von. Blankenfelde wurde, wie so viele Andere, durch den 
Adel der Persönlichkeit des Burggrafen gewonnen; auch er 
erscheint später als ein getreuer Anhänger der Sache des er 
lauchten Hauses Hohenzollern. 
Und das sollte er noch im hohen Alter beweisen! Im 
Herbste 1426 rüstete sich Markgraf Johannes, der Statthalter 
seines Vaters, die von den Pommern durch ben Verrat der 
beiden Bürgermeister Zabel von Grieben und Klaus Beltz er 
oberte Veste Prenzlau wiederzugewinnen. Er bot daher des 
Landes Streitmacht auf. An der Spitze der Mannschaft von 
Berlin standeit damals der greise Altbürgermeister Paul von 
Blankenfelde, sowie die regierenden drei Bürgernreister Bastian 
von Welsickendorf und Henning Slroband von Berlin, — 
Thomas Wins von Kölln. Sie waren Zeugen, das; der treue 
Rodinger den Markgrafen Johannes durch die Furth des 
Uckersees trug: sie vernahmen von den Lippen des Hohen 
zollern das geflügelte, wundersam ermutigende Wort, welches 
wir vor einem Jahre in diesen Blättern einst ausführlich be 
handelt haben: 
„Steh' fest, mein Mann, und wanke nicht; Du 
trägst Brandenburg auf Deinen Schultern." 
Sieggekrönt kehrte unter der Anführung des weißbärtigen 
Altbürgermeisters dann die Kölln-Berliner Mannschaft in die 
beiden Spreestädte zurück. 
Noch bis zum Jahre 1436 sehen wir den Patrizier 
in den Geschäften des Landesherrn thätig. So erscheint er 
als „gesetzter und gewilligter" Richter über jene Unbill, welche 
„die von Frankfurt" gegen Markgraf Johann begangen hatten; 
so weist er die Gattin des Bürgermeisters Nabel in Berlin in 
jenes Leibgedinge ein, welches der Gatte ihr hinterlassen und 
die Landesherrschaft ihr bestätigt hatte. Dann aber verschwindet 
er aus ben Urkunden. — 
Paul von Blankenfelde halte zwei Söhne Hinterlassen: 
Wille und Hans. Er hatte außerdem noch mindestens drei 
Töchter, welche an die Berliner Patrizier Hans und Matthäus 
Glienicke von Kare und Hans von Landsberg vermählt waren. 
Die Glienicke von Kare oder Carow waren ein sehr altes 
Patriziergeschlecht unsrer Stadl; sie führten drei Einhornhäupter 
im Schilde. 
In den Tagen Wilke's und Hans Blankenselde's aber 
entschied sich das Schicksal Berlin-Köllns. Es war den beiden 
Slädien nicht vergönnt, zu hansischer Unabhängigkeit zu ge 
langen; das märkische Bürgertum unterlag im Kampfe mit der j 
Fürstenmacht — zum Heil des Vaterlandes. 
Die Blankenfelde standen in diesem Kampfe selbstver 
ständlich auf Seiten der städtischen Sache; sie nahmen teil an 
der Erhebung und Demütigung Berlins. Auf „dem Stüblein 
über dem Thore der Burg zu Spaitdau, hinter dem Damm," 
erschienen am 24. September 1448, Dienstag nach St. Moritz, 
auch Wille und Hans Blankenfeld sowie Hans Landsberg, 
ihrer Schwester Sohn. Sie wurden zunächst auf 3000 Gulden 
„geschätzt". Am 29. Septeniber wurden sie dann itoch einmal 
vernommen; am 5. Oktober aber, Sonnabends nach Franzisci, 
erfolgte das Urteil. Dasselbe lautete auf Einziehung aller 
Lehen einschließlich der Leibgedinge ihrer Frauen. Jene 
3000 Gulden mußten überdem noch als Buße gezahlt werden. 
Das reichste Haus der Stadr Berlin wäre demnach verarmt 
gewesen, wenn der „eiserne Friedrich" nicht Gnade hätte 
walten lassen. 
Das aber that er. Wille von Blankenfelde, dessen Ge 
mahlin Barbara Otto die Tochter eines Erbsassen Peter Otto 
auf Herzberg war, war im Jahre 1436 Bürgerineister zu 
Berlin gewesen; er wurde es im Jahre 1453 wieder. Als 
er und sein Amtsgenosse Peter Gameköper in diesem Jahre 
zu weihnachtlicher Zeit dem eisernen Friedrich die Glückwünsche 
der Bürgerschaft darbrachten, gewährte der Landesherr dem 
Rate „die Vergünstigung, hinfüro mit rotem Wachse zu siegeln." 
Ein trefflich' Zeichen der veränderten Verhältnisse! Für das 
Wesen und die Wirklichkeit wurde ein nichtssagendes Privileg 
mit guter Miene eingetauscht! In demselben Jahre 1453 er 
warb Wille von Blankenfelde noch das Dorf Seefeld und 
das halbe Dorf Pankow mit der Hälfte aller gntsherrlichen 
Rechte. Das Mehren des ländlichen Besitzes scheint überhaupt 
jetzt die vornehmste Sorge der Blankenfelde gewesen zu sein: 
auch in Kaulsdorf und Groß-Ziethen hatten sie Pächte, Zehnten, 
Zinsen, Rauchhühner, Wagendienste u. s. w., in Weißensee 
aber einen Hof erworben, zu welchem vier Hufen gehörten. 
Richt aber, daß die Bruder von Blankenfelde zu dem 
ländlichen Berufe der Vorfahren zurückgekehrt wären: nicht, 
daß sie in Abgeschiedenheit und friedlicher Stille gelebt hätten; 
nein: Bürgermeister von Berlin waren sie, wie alle ihre Vor 
fahren, Wille 1463, Hans bis 1472. Bei Hofe scheinen beide 
Brüder sehr beliebt gewesen zu sein. Waren sie doch auch 
Mitglieder der von ben eingewanderten Bürgern Jakobus 
Roydel von Dillingen im Schwabenlande und von Palme 
Reinecke aus Lindberg gestifteten St.-Wolfgang Brüderschaft 
bei St. Nikolai, welcher ain 26. Mai 1482 der Kurfürst 
Johamtes Cicero mit seiner Gemahlin Margaretha selbst bei 
trat! Als solche durften sie den Landesherrn mit dem Tue! 
eines 
„guten utid getreuen Mitbruders lind gestrettgen 
Nachfolgers St. Wolfgangs" 
anreden. — 
Matt sieht: die Versöhnung der Hohenzollern mit dem 
märkischen Bürgertume hatte sich inzwischen vollzogett. Ohne 
Groll blickteit die Berliner auf ihre vereitelteit reichsstädtischen 
Hoffnungen zuriick. 
Wauit Wille und Hans von Blankenfelde verstorben 
sind, ergiebt sich aus Urkunden uitd Denkmälern mit voller 
Genauigkeit nicht. Die Gruft der Blaitkenfelde befand sich in 
dieser Zeit in dem Gotteshause der Berliner Franziskaner, 
! der Kirche des Grauen Klosters. Hier hat sich noch ein 
Wappenmedaillon von Erzguß erhalten, eine vorzügliche Arbeit, 
welche später einem großen Leichensteine jüngerer Herkutift ein 
gefügt worden ist. In gotischer Rosette zeigt dasselbe den 
alten Schild der Blankenfelde mit dem Pferdemaul-Geschirr 
und deit beideir Sternen. Auf dem sehr schön enttvorfenen 
Helme ruht ein Wulst mit fliegenden Bändern, während ein 
Rabenkopf das Kleinod bildet. Von Hans Blaitkenfelde hat 
sich keilt Grabdeitkmal erhalten. Wohl aber wissen wir, daß 
beide Brüder zu ben freigebigsten Wohlthätern der Berliner 
Franziskaner gehörten. Auch in einem der Schlußsteine der 
Gewölbe des Kreuzganges, dessen letzte Reste erst während 
der Schulzeit des Schreibers dieses Aufsatzes beseitigt wurden, 
befand sich ein Wappenschild mit dem Zeichen der Blanken 
felde. Kein Wunder, denit Hans vott Blankenfelde besaß ein
        
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