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Periodical volume 10. August 1889 Nr, 45

Full text: Der Bär Issue 15.1889

1 §► 
das Eigentum der beiden Gebäude setzen. Der Magistrat 
aber nannte dies in seinem Berichte ein Trinkgeld und machte 
energisch Front gegen eine solche Enteignung der beiden Häuser. 
„Dieselben sind," führte er aus, „unzweifelhaft Eigentum der 
Stadt und 1753 ohne Zustimmung, das Rathaus sogar ohne 
Entgelt, an die Fabrik zur Benutzung überwiesen; des Königs 
Majestät hätte jedoch, selbst als Landesherr und zum gemeinen 
Besten, nach beit Landesgesetzen über fremdes Eigentum nicht 
zu verfügen und Kämmereivermögen einem dritten zur Be 
nutzung nicht überlassen dürfen." Der Magistrat verlangte daher, 
zur Klage auf Räumung der beiden Gebäude gegen die Entre 
preneurs zugelassen zu werden, und die letzteren wurden, nach- 
Geschlecht, Stammhaus, Rittersitze und Denkmäler 
Derer von Blankenfelde. 
(Fortsetzung.) 
Paul von Blankenfelde war, vielleicht 40 Jahre all, 
anno 1390 Bürgermeister; er blieb es bis in sein hohes 
Alter, bis 1429. Er sah die Macht der Ouitzow's aufblühen; 
er verband sich mit diesen herrschsüchtigen Edelleuten; er be 
wirtete Dietrich, den Hauptmann der Stadt Berlin-Kölln, aufs 
glänzendste. Er fand sich bald jedoch in seinen Bundesgenossen 
getäuscht; er mußte gegen den früheren Freund die Waffen 
KrtttsH MrarrgotsNrreg (alt). 
ergreifen. Paul von Blankenfelde sah den kriegsgeübteren 
Gegner zwar über Berlin obsiegen; allein er erblickte es auch, 
wie die Macht der Ouitzow gleich Spreu im Winde vor dem 
Anstürme der Zollen: zerstob; er sah Friesacks und Plaue's 
Mauern vor dem Gruße jener Donnerbüchsen fallen, welche 
aus den Glocken der Berliner St. Marienkirche gegossen worden 
ivaren. Der kluge Patrizier hatte den Burggrafen Friedrich 
von Nürnberg gewiß einst nur mit vorsichtiger Zurückhaltung 
empfangen; — bot die Stadt dem fränkischen Grasen, im Jahre 
1412 bei seinem Einritte ins Spandauer Thor doch keinen Gruß 
dar; — sendete sie dann am Abende dem edlen Fürsten doch 
nur ein Ehrengeschenk von 17 Groschen Wert, ein Fäßlein 
. Bier, ins „hohe Haus" der Klosterstraße, in welcheni Friedrich 
^iit die erbetene Autorisation erteilt war, durch Erkenntnis 
der Justizdeputation der kurmärkischen Kammer vom 30. Mai 
1807 nach dem Antrage verurteilt. So endete die Branden 
burger Parchentfabrik, ein ebenso teurer, wie verfehlter Versuch 
de? Staates, für welchen leider die Stadt das Lehrgeld zu zahlen 
daue. Das altstädtische Rathaus wurde dann 1818 zum 
^eschäftshause des Königl. Land- wtd Stadtgerichts eingerichtet 
"ud ging, als das Gericht nach der Neustadt verlegt wurde, 
11 den Besitz des Militärfiskus über. Diesem häufigen Wechsel 
einer Herren ist es leider zu danken, daß alles alte Akten- 
“Mterial über das altstädtische Rathaus, mit Ausnahme des 
&er erwähnten Parchentfabrikangelegenheit, uns fehlt. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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