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Periodical volume 10. August 1889 Nr, 45

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Dat wird jo gar verdorwen! 
Dat duht ju Marggraw Frederick; — 
Se spraken, hei were gestorwen." — 
De Hertich lett tosammen vorbad'n 
Der Dütschcn nock mehr denn der Palen; 
Selbst red' he an der Spitzen 
To dem Bierraden up't hohe Haus; 
Doar eten sy süete Fische. 
Sy reden dann von dem Vierraden davon, — 
„Folget nao, Stade und alle gude Mann, 
Folget nao ju myner Glitzen!" — 
Sie quemen vor Angermünd' up den Plaon; 
Die Dore war'n ihnen mit upgedaon; 
Se ridden henin med Schalle. 
Se ripen all to mall „Stettin!", — 
„Brandenburg" were gefallen. 
Die Gans von Putlitz*^) lag hinter dem Grawen; 
Wo grinimig streckte se eren Kragen 
Bawen die Grysfen alle! 
De Gryssen hadden de Flügel verlar'n; 
Der Adler schwewte dar bawen. 
De Gans war des Müdes also voll, 
Durch de Mu'r breek sy ein Holl'; 
Wol durch die harten Feldsteine. 
Wo sie nu upp den Marricht quemen, 
Dao wor'n er 'r teene vor einen! 
De Schwerder gingen den Klinker, den Klank! 
Herr Detlow van Swerin war darmank. 
Den Preis wolld' he erwerwen; 
Deß mußte Her Detlow van Swerin 
Bür synen Ershcrrn sterwen! 
Da de Hertich dat gesach, 
Dat da Her Detlow vor em lag, 
Gespitct as een Braote: 
„Ach milder Christ vom Himmelrik, 
Wer'n wy nu to'm Vierraden!" 
Da sprack sick dct Hertigen näheste Knecht: 
„Genediger Her; — wer'n wir nun weg, — 
Wer'n wy went' ut dem Doare: 
Ick schwere et ju by Truwen und Ere, 
Den Prys hebb'n wy verloaren!" — 
De Hertich quam wol vor dat Doar. 
Dem Rosse gaw he so balde die Sparen; 
Syn Drawen must he laten. 
To dem Vierrad'n up't hoge Hus, — 
Darup woard he gelaten. 
Hei ging sick an der Borgtinnen sta'n; 
Sin Höwet stak he to'm Fenster rut, 
Voll Jammer ock van Leide: 
„Kett'r-Angermiind', du veel gude Stadt, 
We kläglich mött ick van dy scheiden!" — 
De uns dit nye Lied gesang: 
Een Smedeknecht is he genannt, — 
He heet sick Köne Finke, 
He führt een Hemmerken in syne Hand; 
„Gut Bierken", — dat mag he wohl drinken!" 
Die Ballade ist ganz vortrefflich, Köne Finke verdient 
einen Ehrenplatz unter unfern märkischen Dichtern! Völlig 
dramatisch steht in diesem Liede 
das Fischessen von Vierraden 
vor uns. „Fische aber wollen schwimmen!"; — in heiterer Wein- 
**) Ritter Kaspar Gans Edler zu Putlitz, ehemals Landeshauptmann 
der Priegnitz und Altmark. 
laune stiegen die Pommernritter mit ihrem Herzoge Dtto r 
welcher halb Krieger, halb Geistlicher war, zn Rosse; — nur 
einer schüttelte das Haupt; — es war Schwerin, der ernste, 
warnende Mann! Er. Detlev von Schwerin, hat den 
Zug von Vierraden nach Angermünde widerraten. 
Wie wundersam! — So warnte seinen Herrn ttnd Fürsten 
auch ein andrer Schwerin, — der greise Held mit dem Bande 
vom schwarzen Adler, — der Held, welchen nach der „Prager- 
Schlacht" der Dichternmnd nicht anders zu benennen wilßte 
als den 
„Glückseligen Schwerin!", 
mtd aitch seilte Stimme verhallte ungehört. Ueber die Vor 
gänge beim „Fischessen von Vierraden" aber sind wir 
noch anderweitig imterrichtet. Es ist uns nämlich auch noch 
das Bruchstück eines pommerschen Liedes erhalten; — dasselbe 
hat wahrscheinlich den Streit des Marschalls Schwerin mit 
seinem Herrn behandelt. Herzog Otto spricht in demselbeit 
spöttisch zu dem edlen Schwerin: 
„Her Detloff, ju furchten ju stiew. — 
Ju is leide vor juwe junge Liew 
Unde vor juwe schöne Wiew'," — 
allein der edle Marschall antwortet: 
„Mn is nich leide vor myne junge Liew', 
Ok nich vor myne schöne Wiew, 
Ick will, — esst God will, — vor ju sterwen 
Edder hyden Pris unn Ehr' erwerwen!" — 
Dettlev von Schwerin zog todesmutig aus dem alten Schlosse 
von Vierraden aus; — der Tod küßte seine Stirn dann auch 
sogleich in dem Ansaltge des Kampfes um Angermünde! 
Mit ihm fielen auf pommerscher Seite der Ritter Rttdolf 
von Kaschow aus dem Geschlechte der Npenkerken „med der 
gnldenen Kette", — einem alten, sagenumzogenen Familien 
kleinode, — und Ritter Peter Trampe. Kaspar Gans von 
Putlitz hatte unsterbliche Ehren an dem Tage erworben; — 
die Verse: 
„Die Gans von Putlitz lag hinter dem Grawen; 
Wo grimmig streckte se eren Kragen 
Bawen die Gryshen alle!" 
sind ein Denkmal der Volkspoesie, wie es so schön kein anderes 
Geschlecht der Mark besitzt; sie sind auch poetisch-technisch be 
trachtet ganz meisterhaft! 
(Fortsetzung folgt.) 
Brandenburger Reminismmn. 
Von Gustav DuUa. 
(Fortsetzung.) 
Die Chronik der Stadt berichtet noch von einem anderen 
großen Schaden, deit dieselbe im verflossenen Jahrhundert er- 
iitten hat. Nur war es hier nicht ein Geiteral, tvelcher durch 
einen schlau eingefädelteit Vertrag die Kämmerei zunt Land- 
wine zu machen wußte; diesmal dekretierte Se. Majestät, daß 
die Kämmerei für deit Schutz der Industrie einzutreteit habe, 
mtd die Stadt hat bei dem Experiment, das der Staat auf 
ihre Kosten machte, mehr als 60,000 Thlr. eingebüßt. Es 
handelt sich hier um die auf Ordre König Friedrichs II. in 
Brandenburg gegründete Parchentfabrik, welcher 1753 das 
altstävttsche Rathatts eingeräumt wurde, ohtte daß man für 
nötig hielt, den Magistrat um seine Zitstimmung ztt befragett 
oder ihm auch nur eilte Vergütung für die Benutzung zu ge-
        
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