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Periodical volume 3. August 1889 Nr, 44

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Herr General war der Meinung, daß die Kämmerei bei 
diesem Geschäfte „ungemein viel profitieren werde". Nach 
seinen, dem Magistrale eingereichten Anschlägen sollten die 
Vorwerke 80,000 Thlr. wert sein, und er bar, einen Kom 
missar zu ernennen, der die Angelegenheit untersuchen solle, 
sprach dabei auch den Wunsch aus, die Sache „ohne viele Weit 
läufigkeiten abzuthun" und bemerkte, daß er dem Magistrate die 
Zahlung des Kaufgeldes zu erleichtern imstande sei, da 
einige Kapitalien, die er auf Plaue schulde, auf den Vor 
werken stehen bleiben könnten. Diese Kapitalien bestanden 
in 25,100 Thlr., welche für die „französische Gesellschaft", 
und in 18,000 Thlr., welche für den Schatzjuden Daniel 
Jtzig eingetragen waren. Das Generaldirektorium wie die 
Kriegs- und Domänenkammer zeigten sich den Wünschen des 
Herrn Generals überaus entgegenkommend, und schleunigst 
ward der Kriegsrat Richter zum Kommissar ernannt, der 
dann den Wert der Vorwerke auf 53,925 Thlr. ermittelte. 
Der Magistrat kam in seinem Gegenanschlage nur auf einen 
Wert von 33,271 Thlr., stellte aber die Festsetzung der Höhe 
des Kaufpreises „submissest dem Hohen Generaldirektorium" 
anheiln, als ob er eigener Meinung bar wäre und das 
Odium eines etwaigen schlechten Geschäfts der höheren Instanz 
überlassen wolle. Der Herr General ennäßigre dann den 
Kaufpreis zunächst auf 55,969 Thlr., demnächst auf 47,069 
Thäler, also noch unter die Taxe des Kriegsrals Richter und 
ans nahezu die Hälfte des ursprünglich geforderten Preises, 
bei dessen Zahlung die Kämmerei so „ungemein profilieren" 
sollte. Um die Anzahlung von 3969 Thlr. aufzubringen, 
wurden wertvolle Kämmereiwiesen im Wege der Lizitation ver 
äußert, und zur Bezahlung der sogleich nach der Uebergabe 
gekündigten Hypothekenkapitalien von 43,100 Thlr., welche 
der Herr General hatte stehen lassen wollen, um dem 
Magistrate das „Geschäft zu erleichtern", wurden 5 Prozent. 
Anleihen ausgenommen. Die Vorwerke waren so devastiert, 
daß sie nicht Verpachter werden konnten und administriert 
werden mußten; die Administration ergab einen jährlichen 
Durchschnittsertrag von nur 1036 Thlr., so daß also eine 
Summe von wenig mehr als 20,000 Thlr. verzinst wurde. 
Der höchste Pachtzins, welchen die Stadt später erhielt, 
belief sich auf nur 1728 Thlr., verzinste also nur 34,560 Thlr. 
Die „importante" Ziegelei, welche der Herr General in seinem 
ersten Anschlage auf 26,666 Thlr. geschätzt hatte, ward im 
Zahre 1823 an den Kaufmann C. F. Wiesike veräußert, 
die Stadl löste dabei nur 6606 Thlr.; die Stadt hatte auf 
Grund eines Gutachtens des Stadtbaurats angenommen, daß 
die Ziegelerde, weil sie auf dem Ziegeleigrimdstücke fehlte, 
3 bis 4 Meileir weit angefahren werden müsse. Kaum aber 
harre der Käufer die Ziegelei erworben, als er auf dein Grund- 
stiicke mächtige Thonlager fand, welche von ihm und seinen 
Besitznachfolgenr mit enormem Gewinne ausgebeutet wurden. 
Im Jahre 1835 wurden dann die Vonverke von dem Ziegelei- 
besitzer Wiesike in Erbpacht ausgethan, und es stellte sich, 
»achdem der Kanon 1845 abgelöst war, nach einer genauen 
Berechnung heraus, daß die Stadt durch die Erwerbung der 
Borwerke Plauerhof und Kaltenhausen im Lause der Zeil einen 
Schaden von 70,930 Thlr. erlitten hatte. Das war der 
»ungemeine Profit", welcher von dem Herrn General, unter 
Konnivenz der Aufsichtsbehörden, der Kämmerei zugewendet 
Morden war. (Fortsetzung folgt.) 
Dorothea v. Holstein-Glücksburg, zweite Gemahlin 
des Großen Kurfürsten, 
geb. 2V. September 1630, gest. 6. August 168!». 
Tie Kurfürstin Dorothea gehört zu jenen Fürstinnen des 
Hohernzollernhauses, denen besonders die Stadl Berlin zu 
Dank verpflichtet ist, und doch hat gerade sie die härtesten 
Urteile erfahren, von ihren Zeitgenossen, von ihren Nachkommen, 
auch von der Jetztzeit, bis die neueste Forschung so manchen 
Nebel gelichtet hat, der auf ihrer Geschichte ruhte. 
Dem Großen Kurfürsten war die vielgeliebte, treue Lebens 
gefährtin, Luise Henriette, in fast jugendlichem Alter gestorben, 
und die schmerzliche Lücke wollte für Fürst und Volk unaus- 
süllbar erscheinen. Der mächtige, tapfere, kluge Kurfürst 
fühlte sich ratlos, seit seine getreuste Ratgeberin entschlafen 
war, und es wird berichtet, daß man ihn oft vor ihrem Bilde 
betend gefunden, und daß er beim Anblick der teuern Züge 
laut weinend ausgenifen habe: „Luise, Luise, wie sehr ver 
misse ich Dich!" Da erscheint es begreiflich, daß Friedrich 
Wilhelm für solchen Verlust Ersatz suchte. Er meinte ihn 
nach Jahresfrist zu finden in der Herzogin Dorothea von 
Holstein-Glücksburg, die in zwölfjähriger kinderloser Ehe mit 
dem Herzog von Lüneburg-Celle vermählt gewesen war. Doch mit 
Mißtrauen empfingen sie die Brandenburger. Ihre trüben 
Züge hatten nichts von der Anmut einer Luise Henriette, deren 
Kinder sie eine Mutter werden sollte. Dazu war sie Lutheranern 
wie Reformierten gleich unsympathisch, weil sie dem Gatten 
zu Liebe das strenge Luthertum des dänischen Königshauses, 
dem sie entstammte, mit der reformierten Konfession vertauscht 
hatte. Das von ihr veröffentlichte Glaubensbekenntnis, das diesen 
Schritt rechtfertigen sollte, sah man als Entschuldigung an, 
die einem ehrlichen Thun leicht den Schein der Unaufrichtigkeit, 
wenigstens der Schwäche verleiht. 
Dieser Schritt, der dem Volke nicht ehrenwert dünkte, 
band die fürstlichen Gatten fest an einander. Dorothea schloß 
sich dankbar an den Kurfürsten an, begleitete ihn selbst als 
treue Pflegerin auf seinen Kriegszügen, so daß Schmeichler sie 
in schwülstigen Versen als eine Deborah feierten oder als 
die geharnischte Gemahlin des Mithridates oder, wie Denk 
münzen sie nannten „die göttliche Dorothea von Holstein, die 
große brandenburgische Mutter, die fromme, die glückliche." 
In kaum sieben Jahren halle sie dem Kurfürsten sieben 
Kinder geschenkt, von denen der älteste Prinz auf einer Reise 
nach Preußen geboren war. auf welcher rnan dem Kurfürsten 
die polnische Königskrone anbot, wenn er, ob auch nur zum 
Schein, katholisch würde. Er harre auf die Krone verzichtet 
um seines Gewissens willen; denn „er hätte ivohl mögen 
Kaiser werden, wenn er die Religion hätte wechseln wollen." 
Nachdeni der Große Kurfürst siegreich die Macht der 
Schweden in der Mark gebrochen und den Siegeslauf durch 
die Eroberung Stettins gekrönt, war ihm Ludwig XIV. ein 
mächtiger Feind geworden. Friedrich Wilhelm hatte sich von 
der französischen Alliance losgemacht und war bemüht ge 
wesen, eine große Verbindung gegen Frankreich zu gründen. 
Er zog ihm an der Spitze seiner Truppen mit seinem ältesten 
Sohne, den Kurprinzen Karl Emil entgegen; doch ein hitziges 
Fieber raffte diesen im Lager bei Slraßburg hinweg, und es
        
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