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Periodical volume 3. August 1889 Nr, 44

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Graf die Unterhaltung, einen Kuß auf die Lippen seiner Ge 
mahlin drückend. „Die Dinge haben sich in Frankreich bereits 
gebessert; auch die Republik wird einmal zu Grunde gehen, 
und dann führe ich ma ckere epouse als die entzückendste 
chätelaine in die Salons des Faubourg St. Germain ein, 
wo ma tante, Madame la Marquise de la Roche-Avmon, 
nur darauf wartet, ihre anmutige Nichte zu begrüßen." 
(Fortsetzung folgt.) 
Der Rote Hof;u Prädickow. 
(Schluß.) 
Zwei Jahre waren seitdem vergangen. Der alte Barfuß 
mar inzwischen zu seinen Vätern versammelt worden, betrauert 
nicht nur von den Seinigen, sondern von allen, die ihn ge 
kannt, am meisten von seinen Dorfinsassen, die in ihm einen 
väterlichen Herrn verloren hatten. Auch die Bürger der Stadt 
Strausberg sagten ihm nach, daß er ein lieber alter Edelmann 
und ein guter und getreuer Nachbar gewesen sei. 
Nach dem Willen des Vaters hatten die vier Söhne die 
Güter derartig unter sich geteilt, daß Kaspar und Valentin 
Prädickow, Clemens Mögliu und Richard Frankenfelde annahm, 
während die Mutter, da auch Kaspar sich inzwischen verheiratet, 
in Strausberg ihre Wohnung genommen hatte. 
Es hatte sich vieles geändert. Auch die Plateu hatten 
aufgehört, ihren Nachbarn, beit Barfuß, allerhand Böses zu 
thun, woran wohl Anna, die bet ihren Brüdern in Prötzel 
wohnen geblieben war, das Hauptverdienst hatte. Wohl hatte 
das Verhältnis, welches der jüngste der Barfuß, Junker 
Valentin, mit dem Edelfräulein angeknüpft hatte, durch den 
Prozeß und seine Folgen eine Unterbrechung erlitten, doch 
wenn auch die Brüder sich feindselig gegenüberstanden: die 
Zuneigung der beiden war geblieben. Aber keins wußte, 
wie man die Sache zu einem guten Ende bringen könne. 
Da ereignete es sich eines Tages, daß Valentin, im Be 
griff, zu der sogenannten Kahnstelle des Sees zu gehen, den 
Hans von Platen am Ufer traf. Beide warteten auf ihre 
Knechte. Endlich trat Hans zu Valentin heran und bot ihm 
freundlichen Gruß. Dadurch kam man in ein Gespräch. 
Valentin ging der Sache sogleich zu Leibe und meinte, daß es 
mm doch endlich Zeit sei, der alten Unfrieden fahren zu 
lassen; es sei genug des Bösen geschehen, sie hätten keine 
Ursache, den Streit noch fortzusetzen. Zwei Familien, so nahe 
bei einander wohnend, müßten in Frieden leben, wenn etwas 
Gutes dabei herauskommen solle. 
Hans Platen stimmte Valentin bei, obgleich er es nicht 
unterdrücken konnte, zu bemerken, daß es letzterem tvohl nur 
um seine Schwester Anna zu thun sei. Aber es sei gut so, 
und er hätte nichts dagegen, wenn Friede geschlossen werde 
und der Valentin sein Schwager würde. 
Es wurde noch vieles geredet. Man vergaß dabei ganz, 
mozu man eigentlich gekommen, und die Knechte, die schon 
lange angelangt waren, sahen zu ihrem Erstaunen, wie sich 
«n Platen und ein Barfuß die Hände zum Abschiede schüttelten. 
Valentin sagte laut, daß dieser Tag nach der Väter Weise 
Aefeiert werden solle, und daß er alle seine Brüder dazu ein 
laden werde, was Hans Platen ebenfalls zu thun versprach. 
Smith gingen sie auseinander. Valentin sehr froh darüber. 
seinem Ziele, Anna Platen bald ganz sein eigen nennen zu 
können, um ein erhebliches näher gekommen zu sein. 
Einige Tage nach diesem Ereignisse ging es auf dem 
Barfußhofe in Prädickow geschäftig zu. Valentin hatte seine 
Brüder von seinem Vorhaben in Kenntnis gesetzt; alle hallen 
ihr Erscheinen zugesagt; — ebenso hatte Hans Platen seine 
Brüder und Vettern angemeldet. Der alte Jakob hatte zwar 
anfangs den Kopf geschüttelt und auch der Edelfrau seine 
Bedenken nicht vorenthalten; da er aber einsah, daß die 
Junker doch nicht mehr auf ihn hören würden, ließ er die 
Sache gehen, wie sie wollte. 
In der großen Halle des geräumigen Barfußhofes waren 
bald alle Platen und Barfuß versammelt, alles echte märkische 
Junker, so daß selbst Jakob seine Freude an ihnen hatte, als 
er sie in der Fülle ihrer Kraft um den großen Tisch ver 
sammelt sah. Es war lange her, daß in diesen Mauern ein 
festlich' Gelage gehalten worden war. Bald ward die Fröh 
lichkeit groß; der Wein erhitzte die Köpfe. So kam die Nacht 
heran. In Uebermut und Trunkenheit ließ sich Kaspar Barfuß 
da vernehmen, daß man noch einige Tage in Saus und Braus 
verleben wolle, und als die Spielleute, welche die Platen 
mitgebracht, gegen Morgen davongezogen waren, iveil sie ihre 
Kunst vor Müdigkeit nicht mehr auszuüben vermochten, 
rief Kaspar in die Halle hinein, daß sie Spielleute haben 
müßten, und wenn der Gottserbeiuns ihnen in Person ein 
Stücklein aufspielen solle. Das war ein böses Wort. Der 
Böse kam zwar nicht in persona, wohl aber in Gestalt von 
Zwietracht und Mord. 
Clemens Barfuß hatte schon mehr als einmal während 
des wüsten Tobens auf die Zerstörung der Meierei angespielt; 
die Platen aber hatten es nicht hören wollen. Valentin Bar 
fuß, der besonnenste von allen, hatte immer wieder zum 
Frieden gemahnt. Als aber Clemens endlich eine ehrver 
letzende Aeußerung über den verstorbenen Joachim Platen aus 
stieß, da zog Hans Platen seinen Hirschfänger und drang mit 
blanker Waffe aus Clemens ein. Statt des Lachens und 
Jubelns hörte man mit einemmale nur das Brüllen wütend 
gewordener kämpfender Zecher; umsonst waren die Bemühungen 
Valentins und des mit den Knechten herbeigeeilten Jakob, die 
Kämpfenden zu trennen und ein Unglück zu verhüten. Man 
hörte plötzlich einen entsetzlichen Schrei; — Valentin Barfuß 
lag blutend am Boden. Erschöpft und sprachlos standen alle 
da; der Rausch der Zecher war verflogen. Niemand wußte, 
wie der Junker zu Falle gekommen. Und doch lag er tötlich 
getroffen am Boden. Umsonst versuchte der treue Jakob, das 
aus der Brust dringende Blut seines Lieblings zu stillen; 
brechenden Auges reichte ihm dieser noch einmal die Hand — 
gleich darauf verschied er. 
Während die Knechte den Leichnam hinaustrugen, faßten 
sich die Gebrüder Platen; sie traten zu den Barfuß heran und 
baten, ihnen das Unglück nicht anrechnen zu wollen. Es habe 
hier eine dunkle Macht gewaltet. Die Barfuß reichten ihnen 
stumm die Hände. — Man schied für immer. 
Der „Rote Hos", wie er nun mit Recht hieß, blieb fortan 
eine unheimliche Stätte, die von ihren Bewohnern verlassen 
und von jedermann scheu gemieden wurde. Das Gebäude 
stand noch am Ende des 17. Jahrhunderts; in einem Zimmer
        
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