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Periodical volume 27. Juli 1889 Nr, 43 Abbildung: Bei Friedrich [dem Großen] in Sanssouci

Full text: Der Bär Issue 15.1889

weiß. Gill es doch, in diesem Somiiler einen neuen „Freund 
schaftstempel" aufzurichten! 
Im Hintergründe haben die Gräfin Sophie Lamas und 
Diadame du Troussel, die einstige „schöne Schwerin", ihre 
Eirkel gebildet. Wer aber sind die beiden Herren, welche in 
eifrigstem Gespräche von der fröhlichen Gesellschaft sich zu ent 
fernen scheinen? — Wir kennen die satyrartigen Züge des 
einen: es ist Voltaire, welcher vor wenigen Tagen bei Hose 
eingetroffen ist uird einen Empfang gefunden hat, wie nie eilt 
Dichter oder ein Gelehrter bei einem Könige. 
Und mit ihm disputiert Sire Pierre Louis de 
Mattperluis, der Präsident der Berliner Akademie. 
Wahrscheinlich gilt das Gespräch dem „Essai de 
Cosmologie", welcher soeben erschienen ist, und 
in welchen! Maupertuis ein neues Gesetz „von 
der kleinsten Kraft in den Wirkungen der Körper" 
entdeckt haben will. 
Pfeilschnell schwindet der geistreichen Gesell 
schaft die Zeit dahin. Zu frühe schon dunkelt's 
in dem maienfrischen Parke. Und pfeilgeschwind 
wie dieser schöne Tag werden auch die Jahre 
vergehen, und wieder wird er losbrechen, der 
Krieg, — diesmal aber kein Krieg der Eroberung, 
sondern ein Krieg uni die Existenz. Und dann 
wird ein schlichter Blaun zurückkehren in den Park 
von Sanssouci, alt und gebeugt, ruhmessatt, be 
geistert nur noch für seine Pflicht. Oft ruht 
sein Auge auch auf diesem Rasenplatze, dieser 
Vase! Glänzende Bilder steigen dann vor ihm 
auf, — Reminiscenzen aus glücklicheren Tagen! 
Er denkt an jene Jahre zurück, und seine wunder 
sam leuchtenden, großen Augensterne trüben sich. 
„Es war doch schön!" — „Nein," ruft es da 
in ihm, '„es ist doch schöner, wenn auch verein 
samt, dem Volke zu leben als dem Genusse der 
flüchtigen Stunde!" — Und wieder greift er 
zur Feder; — des Glückes Träume sind dahin; 
die Größe aber, sie ist errungen. Daß sie nicht 
nur von blutigen Kriegeslorbeeren, sondern auch 
von glückspendenden Friedenspalmen geschmückt 
sei, ist die einzige Sorge, welche dem Philosophen 
von Sanssouci noch geblieben ist. 
Die Schenken von Flechtingen, ihr 
Stammsitz und die Lezelsage?') 
(Schluß.) 
Zuletzt, nachdem des Ablaßhändlers Truhe 
gar ivohl gefüllt war, trat auch der feste und ge 
strenge Junker, Herr- Borward Schenk, zu dein heiligen Manne 
heran. „Ehrwürdiger Vater," sprach er, „Ablaß erbitte auch ich 
für schwere Sünde: — aber sie ist noch nicht geschehen!" Miß 
trauisch und prüfend blickte der Mönch den Junker an; da warf 
Herr Borward eine wohlgefüllte, hell klingende Geldkatze auf den 
Tisch. Nun zögerte der Dominikaner nicht mehr; er reichte 
dem Ritter den sündentilgenden Zettel hin. Was aber geschah 
folgenden Tages? Wohlgemut zog Tezel durch den abend 
stillen Wald; er konnte mit seinem Geschäfte zufrieden sein. 
j Da knackte es plötzlich in den Büschen, es stürzte aus ihn los; 
! zu Tode erschrocken, sah der Dominikaner sich von Reitern 
j umringt, die unmöglich gutes beabsichtigen konnten: hier, in, 
dunklen Tann sordene Herr Borward dem Ablaßkrämer seinen 
Kasten niit all' dem Sündengelde drinnen ab. Der Mönch 
zitterte am ganzen Leibe; dann aber ermannte er sich, er stieß 
die ihn bedrohende Lanzenspitze zur Seite und suchte dem 
Edelmanue begreiflich zu machen, welch' schwere Siinde er 
begütige, wenn er die heilige Mutter Kirche beraubte. Lachend 
Sei Friedrich & 
aber wies der Herr von Flechtingen ihm den empfangenen 
Ablaßbrief vor. Es ist die alte Schnurre, welche drüben über 
der Elbe von dem Junker Hake oder einem von Hagen erzählt 
ivird, und welche Wilibald Alexis zu einem der vortrefflichste» 
.Kulturbilder aus der Vorzeit der Mark gestaltet hat: der 
Dominikaner mußte, alles Sträubens ungeachtet, den Kasten 
mit dem Gelde hergeben. Etwas gottesfürchtiger und schämiger 
als ihre kurbrandenburgische Schwester setzt die altmärkische 
Sage zum Schluffe die erhältlichen Worte hinzu: „Von solchem 
Gelde ließ der Edelmann, da das Dorf bis dahin keine eigene 
Aus „Ailder aus der Sfltmarf". (siehe vorige Rümmer.)
        
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