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Periodical volume 27. October 1888 Nr, 4

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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fiel? — Friedrich II., König von Preußen, mit dem Beinamen ! 
des Einzigen, starb am 17. dieses Monats. — So sinkt die Eiche, 
die den Stürmen trotzte, endlich unter der Last ihrer Größe, und 
Weltsysteme zertrümmert die Zeit. Seit mehreren Jahren schon 
hielt die starke Seele den hinfälligen Leib noch auirecht, denn 
Teutschland bedurfte seiner noch, einen Bund zu knüpfen, der ihm 
die Vortheile versichern mußte, die cs seiner Weisheit und Groß- 
muth verdanket. 
Er wog im Verborgenen die Rechte der Fürsten, 
Auch hing er furchtlos die Waagschaal ans Schwerd. 
Da drangen sich Teutoniens Fürsten 
In Friedrichs Felsenburg, wo der Riese, 
Sinnt auf seinem eisernen Lager. 
Sie boten ihm die Hand und nannten ihn 
Den Schützer ihrer grauen Rechte; sprachen: 
„Sey unser Führer, Friedrich Hermann!" 
Er wollt's. — Da war der teutsche Bund. 
Endlich zerreißt die rastlose Arbeit den Faden, an dem sein 
Leben hing. Der Vater der Geister nimmt den Edelsten seiner 
Söhne zurück und die Erde ihren Staub Laßt uns nicht um 
ihn weinen, teutsche Männer! Er hat sein Leben ausgelebet, und 
ist in voller Reife zur Unsterblichkeit übergegangen, die er einst be 
zweifelte, aber immer durch seine Thaten bewies. — Derjenige ist 
doch gewiß der Größte der Monarchen, der dem kleinsten Staate 
mit der geringsten Zahl der Bewohner Sicherheit gegen die meisten 
Feinde und das stärkste Gewicht im Völkersystem zu geben weiß; ! 
— der ist unstreitig der Weiseste, der sein Volk so führt, daß ; 
es nebst dem bürgerlichen, auch das große Gesetz der Menschheit, 
durch stufenweise Ausbildung glücklich zu werden, erfüllet. — Der 
ist der Beste, welcher das seinem Scepter anvertraute Stück Erde 
so beherrscht, daß auf demselben nach Verhältniß die möglichst 
größte Anzahl Menschen sich ihres Lebens freuen kann, und nach 
diesem dreifachen Maasstabe mußte selbst die Eifersucht ihm schon 
bei seinem Leben unter seinen Zeitgenossen die Palme zuerkennen. 
Die Nachwelt, die gerechte Nichtcrin der Könige, wird bestimmen, 
wie weit Friedrich der Einzige alle Könige der ganzen Vorzeit 
an Rath und That, in Krieg und Frieden überwog, tvenir sie einst 
in seiner Geschichte dir Kunst zu herrschen, sowie die Regeln der 
Schönheit in den Denkmälern der alten Griechen studiren wird. 
Selbst Josephs Geist war groß genug, um wahrhaft über Friedrichs 
Tod zu trauern." 
Der von -dem Straßburger Verleger I. G. Treuttel 
unternommenen „Wohlfeilen Ausgabe der nachgelassenen 
Werke des Königs Friedrich von Preußen"*) ging (im Straßb. 
Wochenblatt, November 1788) die Ankündigung voraus: „Die 
teutsche Original-Ausgabe der nachgelassenen Werke des großen 
*) Ein Rundschreiben des Generaldirektors des Buchhandels in Paris 
vom 31. Oktober 1788 hatte allen Bücherinspektoren des Königreichs mit 
getheilt, daß jeder Vertrieb und Umlauf — und selbstverständlich vor 
Allem jeder Nachdruck — der Werke des verstorbenen Königs von Preußen, 
in welcher Ausgabe es auch sein möge, bis auf Weiteres zu verbieten sei. 
Der Straßburger Buchhändler Joh. Georg Treuttel hatte, bevor er die 
Bewilligung erhielt, eine Ausgabe der Nachgelassenen Werke Friedrichs II. 
und den Nachtrag zu einer Lebensschilderung desselben zu veranstalten, 
Ende August 1788 die Erklärungen zu unterzeichnen: „Je soussigne 
m’engage a ne point mettre en vcnte l’ouvrage que je fais imprimer iei 
et qui est: Oeuvres posthumes du seu Hoi de Prusse, sans eil avoir 
produit prealablement quelque permission da Ministere ou au cas con- 
traire de faire repasser le Ehin tout l’edition“ und „Je soussigne 
ui engage ü ne point aliener aucune feuille du nouvel ouvrage que je 
lais imprimer iei et qui est un Supplement ä la Vie Frederic IT, roi de 
Prusse, sans eu avoir prealablement produit l’approbation du Censeur 
royal a Paris, quand il sera termiue et de rcfaire a sa volonte par 
des eartons lcs passages qu’il aura trouves reprehensibles.“ Straßb. 
Stadtarchiv. 
Friedrichs, welche in Berlin die Presse verlaßen hat, und aus 5 
Groß-Oktavbänden besteht, kostet 15 Rthlr. oder 60 Liv. Der 
Preis ist zu hoch für die meisten Leser, und doch, wer wünscht 
nicht die Geschichte Friedrichs aus dessen eigener Feder zu lesen? Wer 
möchte nicht gern diesen großen Mann, seine Kriege, seine Schlachten, 
seine Thaten selbst erzählen hören, und dessen Urtheil über die 
gleichzeitigen Begebenheiten in Europa erfahren? Man kündigt 
daher eine wohlfeile Ausgabe dieser Werke an, in eben so viel 
Bänden wie jene Berliner Ausgabe. Druck, Papier, sowie die 
Kupfertafeln werden jener soviel möglich gleichkommen. Der Preis 
dieser Ausgabe ist ungefähr 30 L., also 2 Liv. das Alphabet, gewiß 
ein sehr geringer Preis für eine solche Ausgabe. Die akademische 
Buchhandlung in der Schlossergasse in Straßburg nimmt Unterschrift 
darauf an. Die Liebhaber sind ersucht, sich sobald als möglich Post 
frey an diese Buchhandlung zu wenden, damit sie alsbald bedient 
werden können. Die Ablieferung der Exemplare geschieht nur gegen 
baares Geld. Die Subsiription bleibt vier Wochen offen." 
Auch die auf den König bezüglichen Schaustellungen er 
freuten sich in Straßburg des lebhaftesten Antheils. Im November 
1786 kamen die Gebrüder Pagös aus Berlin auf ihrer Reise „nach 
Frankreich und England bey der Durchreise durch die Stadt, um 
einem geehrten Publiko nachfolgendes bey sich führende Kunststück 
und Seltenheit einige Tage sehen zu lassen, nämlich: Ihre Majestät 
der hochselige König von Preußen, Friedrich der Große, 
in Lebensgröße in einem Lehnstuhle sitzend, völlig so angekleidet, 
wie es dieser unvergeßliche Monarch in seinem Leben war; sämmt 
liche Kleidungsstücke sind aus der Garderobe des Monarchen und 
von selbigem bey seinem Leben getragen; beym Gesicht und der 
Stellung ist übrigens die höchste Aehnlichkeit beobachtet worden. . . . 
Oeffentliche Blätter, bey uns führende Zeugnisse des ganzen König!. 
Preuß. Hauses, der am Berliner Hofe residirenden fremden Herren 
Gesandten und Ministers werden Empfehlung genug seyn, um den 
Zuspruch derer hohen Herrschaften und eines geehrten Publikums zu 
erwarten. Obiges Kunststück ist allhier in Straßburg im Gasthof 
zum Geist von Morgens 9 Uhr bis Abends 9 Uhr zu sehen. Die 
Preise des Eingangs sind zu 24 und 12 Sols angesetzt." (Sonder 
beilage zum Straßburger Wochenblatt, November 1786.) Aehnlichc 
„Kunststücke" wurden während der nächsten Jahre bis zur Revolution 
mehrfach zur Schau gestellt. 
Bildnisse des Königs jeder Art, von denen sich einzelne in 
protestantischen Familien der Stadt und des Landes bis heute er 
halten haben, fanden viele Käufer. Noch im Jahre 1789 brachte das 
Straßburger Wochenblatt die Anzeige: „H. Adorn, Physikus 
hat eben das Brustbild des Königs in Preußen Friedrich II. er 
halten, so an seynem Sterbetag von Ihm selbst genommen worden. 
Liebhaber können sich herzhaft, um es natürlich zu haben, an ihn 
wenden. Der Preis ist 6 fl. von Alabaster, 9 fl. dem neuen Erz 
gleich, 12. fl. dem griechischen Erz ähnlich." 
Ein noch erhaltenes öffentliches Zeugniß für die Liebe und 
Verehrung, welche Friedrich der Große in Straßburg genoß, ist sein 
als Schlußstein mit der Jahreszahl 1768 über einem Fenster der 
Vorderseite des Hauses Nummer 12 am Alten Kornmarkt angebrachtes 
buntes Stein-Brustbild, welches ihn, in der bekannten Kleidung, die 
Flöte blasend darstellt. 
Einige die Vorliebe der protestantischen Bürger für den 
großen Preußenkönig kennzeichnende Züge enthalten die Reisebriefe 
eines in Straßburg geborenen Schriftstellers jener Zeit.*) Derselbe 
erzählt u. a.: „Die Protestanten, so sehr sie auch ihren König 
lieben, halten es bei den politischen Diskursen, wann's auf's Kriegs 
führen ankömmt, immer mit den Engländern, Dänen, Schweden und 
insonderheit mit den Preußen. Der verstorbene große Friedrich 
*) (Th. Fr. Ehrmaun), Briefe eines reisenden Deutschen an seinen 
Bruder in H. Franks, u. Leipz. 1789.
        
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