Path:
Periodical volume 27. October 1888 Nr, 4

Full text: Der Bär Issue 15.1889

46 
der akademischen Kunstausstellung, und am 29. November des 
selben Jahres (1800) erfolgte die Aufstellung des Standbildes 
im Lustgarten. 
Die „Vossischc Zeitung" berichtete darüber: 
Nach der den Preußischen Regenten eigenen Sitte: den 
großen Männern, welche sich um den Staat verdient geinacht 
haben, öffentliche Ehrensäulen zu setzen, ist jetzt das Denkmal 
des berühmten Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau 
errichtet worden, der schon im vorigen Jahrhundert mit Ehren 
die Brandenburger anführte, und in dem jetzt zu Ende 
gehenden unter drei Königen an der Spitze des Heeres den 
Namen der Preußen in der neueren Kriegsgeschichte zuerst 
berühmt machte. Des Königs Majestät ordneten die Ver 
fertigung des Denkmals vermittelst einer Kabinets-Ordre vom 
13. März 1798 an, und ließen, als unser vortrefflicher 
Schadow die Bildsäule meisterhaft beendet hatte, dieselbe am 
29. November 1800 an der Vorderseite des Lustgartens dem 
Königlichen Schlosse gegenüber, aufstellen. Die Statue zeigt 
den Helden in vollständiger Uniform mit den Insignien des 
schwarzen Adlerordens geziert, in ausgerichteter Stellung vor 
einem kurzem Stumpf stehend. Die Linke umfaßt den oberen 
Theil des Degengefäßes, die Rechte hält den Kommandostab. 
Der Künstler hat sich hauptsächlich eines auf dem Schlöffe zu 
Dessau befindlichen Bildnisses von Antoine Pesne bedient; daher 
ist die Aehnlichkeit treffend und das Kostüm genau beobachtet, 
jedoch der Montur nicht ganz der alte Schnitt gegeben worden. 
Es folgt nun eine Beschreibung des Standbildes und 
seiner Inschriften, von denen diejenige auf der Rückseite des 
Postaments den wesentlichen Zusatz erhalten hatte: „Das 
Preußische Heer verdankt ihm die strenge Mannszucht 
und die Verbesserung seiner Krieger zu Fuß." 
Dann schließt der Bericht: Eine ausführliche Beurtheilung 
oder Anpreisung dieser neuen Arbeit des Herrn Director 
Schadow wird hier Niemand erwarten. Es ist ein Werk 
für die Ewigkeit, welches noch Jahrhunderte hindurch ein 
Studium der Kenner und Künstler abgeben wird. Es ist des 
merktvürdigen Gegenstandes, ist des Königlichen Errichters und 
des erhabenen Zweckes würdig. 
Nur 28 Jahre sollte das Standbild des „alten Deffauer", 
vor tvelchem im Oktober 1806 der korsische Eroberer seine 
Garden musterte, im Lustgarten sich erheben — wie unsere 
Illustration dasselbe darstellt. Gelegentlich des Museumsbaues 
erfolgte seine Uebersührung nach dem Wilhelmsplatz, woselbst es 
dem Zieten-Standbilde gegenüber aufgestellt wurde. 
Nach einem weiteren Zeitraume vou 31 Jahren erfolgte 
dann auch (1859) der Bronzeguß der Leopold-Statue im 
Königlichen Gewerbe-Institut, nachdem dieselbe, zur Ausgleichung 
mit den übrigen Standbildern, um anderthalb Fuß erhöht 
worden war. Außerdem entfernte man — nicht zum Vortheil 
der Statue — den Stamm des Lorbeerbaumes, der die jetzige 
Steifheit der Beine beim Original vermittelnd aufhebt; auch 
ist die von König Friedrich Wilhelm III. angeordnete Ruhmes- 
Jnschrift an dem Granit-Postament in Wegfall gekommen. 
Gleichwohl tvird beim Anblick dieser so vollendet zur Er 
scheinung gebrachten Heldengestalt, die einst „in ungebundener Kraft 
und Naivetät durch die Welt geschritten", noch bei den fernsten 
Nachkommen die Erinnerung an jene glorreichen Thaten des Helden- 
sürsten in 22 Schlachten und 27 Belagerungen lebendig aufsteigen. 
Ikic Ktraschurgcr und Friedrich der Große. 
Von Hermann Ludwig. 
Wie bis zur Revolution in Straßburg der Boden des 
geistigen Lebens seiner ganzen Natur nach vorherrschend dem des 
alten Stammlandes gleichartig war, von welchem er damals 
vorzugsweise seine Befruchtung empfing, wie dementsprechend auch 
alles innere und äußere Wesen daselbst in der Muttersprache das 
Mittel lebendigsten Ausdruckes fand, so unterschieden sich die statt 
licheren oder unscheinbareren Bürgerhäuser der „Königlichen freien 
Stadt" und das ganze Denken und Empfinden in ihnen kaum 
von solchen der Reichsstädte jenseits des Rheins. 
Am wenigsten berührt in dieser Richtung waren von Außen 
und Innen die alten, einfachen Häuser, in denen die Lehre Luthers 
als Regel für irdisches und jenseitiges Wohl in vollster Strenge 
aufrecht erhalten wurde, die der Storch, welcher nach dem elsässischen 
Volksglauben das Dach mied, unter dem Französisch gesprochen 
wurde, wie seit Jahrhunderten zum Nestbau aufsuchte. In ihnen 
lebte der eingeborene, in geistiger und körperlicher Bildung ebenso 
aus den natürlichen wie einst politischen Bedingungen seiner 
Vaterstadt hcrvorgegangene Bürger alten Schlages selbst damals 
noch in strenger Abgeschlossenheit von Allem, was über den Wasgau 
gekominen war. 
Bezeichnend ist die außerordentliche Verehrung, welche in 
diesen protestantischen Bürgerkreisen für König Friedrich II. 
von Preußen herrschte, allerdings ohne auch den entferntesten 
Gedanken, daß dem jungen, aus Hcldenthum und Weisheit ausge 
bauten und in denselben befestigten preußischen Staate einst eine 
weittragende Bedeutung für die Entscheidung ihres politischen 
! Geschicks zufallen könne. Mit Spannung und Bewunderung folgte 
man seinen Kämpfen und Siegen, wie später seinen Regierungs 
handlungen und beklagte seinen Tod mit aufrichtigem Herzen.*) 
Einige Auszüge aus zeitgenössischen Zeugnissen hierfür dürfte 
inan jetzt, nach hundert Jahren, mit um so größerem Antheil lesen, 
als diesen Belegen bisher eine entsprechende Aufmerksamkeit kaum 
zuthcil wurde. 
Die Zahl der auf Friedrich den Großen bezüglichen größeren 
und kleineren Veröffentlichungen, die in Straßburg gedruckt — und 
besonders nachgedruckt — wurden, ist nicht unbedeutend. Namentlich 
erschienen Lebensbeschreibungen des Königs nach deffen Tode in 
mannigfachster Fassung. Die Anzeige einer solchen „kurzen Ueber 
sicht über die Lebens- und Rcgicrungsgeschichte Friedrich II., Königs 
von Preußen" wurde im Straßb. Wochenblatt (Sept. 1786) mit 
den Worten begleitet: „Allgemein ist die Klage über Friedrichs 
Tod; der Staatsmann und der Bürger riefen sich seine großen 
Thaten bei der traurigen Tagespost dieses Helden in das Ge 
dächtniß zurück; dies hat uns veranlaßt, unsern Mitbürgern diese 
kleine Schrift in die Hände zu geben, welche eine zusammengedrängte 
Erzählung der großen Thaten und des politischen, militärischen und 
Privat-Lebens des verewigten Friedrichs enthält. Um sie auch dem 
gemeinen Mann lesbar zu machen, wird sie um den geringen Preis 
von 4 Sols verkauft." 
Eine im folgenden Jahre daselbst erschienene „Kurze Geschichte 
des Jahres 1786" enthält unter „August" folgenden dem großen 
König gewidmeten Nachruf: 
„Blasser Mond! — Warum erscheinest du im Trauergewand, 
das Haupt mit Cvpreffen umwunden? — Welcher unsrer Starken 
*) Friedrich der Große hatte sich, bald nach seiner Thronbesteigung, 
im August 1740 ganz kurz inkognito in Straßburg aufgehalten, war 
jedoch erkannt worden. Eine Schilderung dieser, in ihren Einzelheiten 
auch aus anderen Quellen bekannten Reise enthält des Königs zum Theil 
in Versen abgefaßte Epistel an Voltaire „Description poetique d un 
Yoyage ä Strasbourg.“
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.