Path:
Volume 20. Juli 1889 Nr, 42

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

Unter Ukitwirkung 
Itr. R- Kerirrguior, K. Dudcrres, Thesdov Forrtcrrro, Stadirat G. Friobel, 
Gvninasialdirektor Dr. M. grtipuctrlf und GrnU von Mildentrrirrl) 
herausgegeben von 
Vstrav Scliwodol, Dortin. 
XV. 
lakraang. 
M 42. 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist direkt von der Geschäftsstelle (Berlin X., Schönhauser Allee — 
Lerusprcchstcllc lila, 8^60), sowie durch alle Poftanftalten (No. Sgg), Buchhandlungen und Zeitungsspeditioneu für 
2 Ulk. 50 pfg. vierteljährlick zu beziehen. 
20. Zuli 
1889. 
Graf de la Roche-Aynum. 
Ein Bild aus der Zeit des Prinzen Heinrich. 
Von F. Katt. 
(Fortsetzung.) 
Fünftes Kapitel. 
Sri der Moroni. 
s ä der Französischen Straße zu Berlin, nahe dein Opernhause, 
bewohnte die italienische Tänzerin, Signora Angelika 
Meroni, ein. elegantes Heim. Heute, an einem kalten Januar- 
iage des Jahres 1795, war ihr angenehm durchwärmtes 
Boudoir der Sammelpunkt einer größeren Gesellschaft, die bei 
Punsch und Chokolade Konversation zu machen im Begriff 
band. Das in mattrosa Atlas gehaltene, mit Gold und 
Spiegeln überreich geschmückte Zimmer glich eiitem Raritäten 
kabinett; so viele Nippes, (Elfeubeinspielereien und sonstige 
Bibelots standen und lagen in dem Raum umher. Demoiselle 
Meroni selbst, in einem weißen Kaschemirnegligä ans einer 
niedrigen Causeuse liegend, hielt ein niedliches Bologneser 
hündchen im Arm, dessen seidenweiches Fell sie von Zeit zu 
Zeit zärtlich streichelte. 
Auf der rosa Sammetdecke des runden Mahagonitisches, 
welcher die Mitte des Raunies einnahm, duftete in silberner 
Schale eine Ananasbowle, während für die Damen süßes 
Gebäck und duftende Chokolade bereit stand. 
Betrachten wir die plauderitde Gesellschaft, welche das 
reizende Heim der Meroni bevölkerte, etwas sorgfältiger! — 
In der Nähe des Kamins, in welchem lustig die Scheite 
glimmen, ruht, die Füße ans das zierlich gearbeitete Bronze 
gitter gestützt, eine hoch und schlank gewachsene Franengesta It 
int hellblauen, mit Schwanenpelz besetzten Atlasspenzer. Es 
ist Madame le Brun, die erste Sängerin des Kurfürsten von 
Psalzbayern, die seit vier Jahren zu den glänzendsten Sternen 
der Oper zählt. Sie plaudert mit einem elegaitten Mämtchen 
int lichtbraunen Sammethabit, dem Balletnieister Laitchery, 
während die Bassisten Franz und Fischer mit den Tänzerinnen 
Telle uitd Engel in eifriger Konversation begriffen sind. Der 
Solotänzer Dnponcelle junior, eilt bildschöner Franzose, unter 
hält sich mit einer blonden Italienerin, der Sängerin Marchetti. 
Fast alle Mitglieder der Oper scheinen beisammen zu seilt; 
nur die beiden Direktoren Baron von der Reck und Intendant 
Dtlpoitt fehlen in deut Kreise. 
„Lauchen), das war ja nettlich ein köstlicher Spaß im 
,Protefilaus°!" rief eilt kleiner, verwitterter Greis, der Pensionär 
Tossoni, dem Balletineister zu. „Zu meiner Zeit hätte so 
etwas nicht passieren dürfen; die Furien tanzten mit Poschen 
ttnd schwarzen Perrücken; auch beinerkle ich, daß die trauernden 
Hofdamen der unglücklichen Erpfile ins Parterre hinablächelten, 
statt, wie es sich gebührte, schmerzlich zu weinen! Ha, ha!," 
ttnd der Alte kicherte und hüstelte, daß er kaum zu Ateni 
kommen konnte. 
„S' ist ’ne höllische Zucht jetzt bei der Oper;" brach der 
Franzose zornig aus, „aber was Hilsts? Immer wieder kommen 
dergleichen Allotria vor. Neulich erst, pensez, mesdames, 
haben die Chorschüler die abgetragene Garderobe unsrer Sänger 
getragen, gleichviel ob sie Römer oder Asiaten waren, und im 
,Darioff horriblement, glichen die Elefanten im Siegeszuge 
vraiment, zwei mächtigen Kühen." 
„Und warum thut Herr von der Recke nichts in dieser 
Angelegenheit oder Monsieur Dupont?" fragte ein reichgekleideter 
junger Kavalier, besten Antlitz seine sann mische Abstaminnng 
nicht verläugnete. Er hatte bis jetzt mit dein Baran von 
Kaphengst und einigen Damen das zur damaligen Zeit so
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.