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Volume 13. Juli 1889 Nr, 41

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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Aus dieser Zei! sind auch die Namen einiger Berliner j 
Tuchmacher überliefert. In der Marienkirche befindel sich ein j 
Grabdenkmal mit folgender Inschrift: „Dem lieben Gon zu ! 
Lob und Preis;, und dieser Kirchen zur Zierde haben Kaspar ^ 
Bock, Tuchmacher, Gewandschneider und Verordneter alllsier, 
welcher gebohren zu Berlin, ani Osterdinstag des 1502. Jahres, 
nebst seiner ehelichen Hausfrauen, Margarethen Schulzinn, 
welche gebohren in Zossen, am Sonntag Quasimodogeniti 
des 1594 teil Jahres diese Tafel setzen lassen. Geschehen den 
26. Februar 1669. Kaspar Bock, ist im Herrn selig ent- 
schlasen, den 8. September 1639. Du aber, Herr, sey mit 
uns, regire uns mit Deinem Geist und erhalle uns in wahrem 
Glauben, biß an unser Ende. Amen!" Das Stadtbuch er 
wähn! sodann zwei Tuchmacher als Sladtverordnete: Asmus 
Schulze schwur ani 17. Januar 1657 und George Slumpff 
am 81. Mai 1703. 
Fälli die Haupllhäligkeil des Großen Kurfürsten zur Be 
lebung der Wollindustrie und Tuchniacherei auch zumeist in 
den letzten Zeitraum seiner Regierung, so stoßen wir doch 
schon in dem ersten Jahrzehnt aus vereinzelte Maßnahmen 
zur Hebung der Tuchmacherei. Bereits am 24. Mai 1641 
wird aus die Klagen „sämtlicher Tuchmacher diesseit der Oder" 
das Wolledict vom Jahre 1611 erneuert, hauptsächlich der 
Aufkauf und die Ausfuhr der Wolle untersagt. Das Edikt 
wurde am 12. Februar 1644 und 12. März 1660 abermals 
erneuert. Im Jahre 1657 wurde den Tuchmachern der Resi 
denzen Berlin-Kölln der Ankauf der Wolle privilegiert und 
ihnen selbst noch der Gewandschnitt (Verkauf) der fremden 
Tücher gestattet. Zur besseren Belebung des Wollhandels 
errichtete der Kurftirst 1681 zu Brandenburg einen neuen 
Wollmarkt und befahl den Regierungen, Magistraten rc., die 
Tuchmacher in den Städten zu animieren, den neuen Markt 
zu beziehen, ebenso den Händlern, sich dort zum Einkaufe 
einzufinden. Die umfassendste Ordnung hat dann die ge 
samte Tuchmanufaktur in dem großen (bei Mylius 30 Para 
graphen nebst einer 12 Spalten umfassenden Wollschau-Ord- 
nung) Wolledikl vom 30. März 1687 erhalten, das fortan 
die Grundlage der Wollpolttik in Preußen geblieben ist. Ob 
gleich durch die Gesetzgebung des Großen Kurfürsten die alten, 
schier verwunderlichen, aber doch sehr anziehenden, zum Teil 
sogar auch poesievollen Gebräuche der Zünfte zum größten 
Teile abgeschafft wurden; obgleich er 1671 die „Taufe" der 
Jungen bei ihrer „Lossprechung", und zwar bei 100 Thaler 
Strafe und Verlust des Privilegiums verbot, so erhielt sich 
doch vieles von alltäglichem oder festlichem Handwerksgebrauche, 
und die Auszüge beim „Mottenfeste" der Tuchmacher haben 
selbst das Zeitalter des Großen Kurfürsten noch um zwei 
Jahrhunderte überdauert. 
Die Maßnahmen des Kurfürsten Friedrich III., nachmaligen 
Königs Friedrichs I., richten sich vornehmlich gegen den starren 
Abschluß der Zünfte und die Erschwerungen der Auftiahme, 
wobei die Innungen vielfach von den Magistraten untn-stützt 
wurden. Vom 13. Mai 1698 datiert eine Verfügung an das 
Kammergericht. Der Tuchmacher Georg Fenger hatte sich 
nämlich an den Kurfürsten mit einer Beschwerde gewendet, 
daß er, wiewohl er bereits in Fürstenwalde Meister gewesen 
sei, vom Berliner Gewerk das Meisterrecht nicht erhalten könne. 
Die Verfügung des Kurfürsten gehl nun dahin, ihn in die 
Innung aufzunehmen, weil Supplicant „praestanda zu 
praestiren sich verpflichtet." 
Auch unter der Regierung des Königs Friedrich Wilhelm I. 
stand die Fürsorge für die Wollindustrie als die Hauptindustrie 
im Vordergründe, indessen schienen die ersten Jahre derselben 
nicht günstig, da viele Wollarbeiter und Tuchmacher zur Ver 
stärkung der Annee eingezogen wurden. Eine Bitte des 
Dessauischen Hofjuden Elias Moses Wullff, eine Tuchmanusaktur 
in Berlin zu errichten, wird unterm 21. August 1713 vom 
Könige abgewiesen. „Der genannte ist abzuiveisen, da zumal 
im Lande bereits bessere Tücher als die eingereichten Proben 
fabricirt werden." Zum Besten der Tuchmacher kam dann ein 
Edikt vom 28. April 1718 heraus, durch welches den König 
lichen Bediensteten und Vasallen verboten ward, ander Tuch 
rot und blau, als was im Lande fabriziert wird, zu kaufen, 
auch zur Kleidung der Domestiken andere als inländische 
Tücher zu gebrauchen. 
Die Sozialpolitik des Königs Friedlich Wilhelm I. sühne 
im Jahre 1731 dann endlich zu der umfassenden, planmäßigen 
Resonn der Zünfte, die sich zugleich aus die Reichsgemali 
stützte. Die Einführung der Reichs-Zunftordnung, auf deren 
Basis sich eine neue Handwerksgesetzgebung in Preußen erhob, 
führte zu dem General-Privilegium und Gildebries des Tnch- 
machergewerks in Berlin vom 8. November 1734, womit die 
Geschichte der Tuchmacherinnung ihr Ende erreicht hat, wenn 
gleich die Zunft bis zum heutigen Tage unter demselben Namen 
fortgelebt hat. W. Zincke. 
kleine Mitteilungen. 
Die 200 füliripc JirOelfeiee dee (Ororiu’n-iiirrin.'jt- 
gornoindo, welche sich von St. Nikolai abgezweigt hat und am 20. Juli 
1689 ihren eigenen Prediger erhielt, ist in Rücksicht darauf, das; viele 
Genieindcmitglieder während der Sommerzeit verreist sind, aus den 3. Ok 
tober d. I. verlegt worden. Bei der Festfeier wirb der Genieinde von der 
Kanzel die amtliche Mitteilung gemacht werden, das; die Gemeindevertretung 
einen völligen Neubau der Kirche beschlosien hat, und zwar wird der 
selbe sich in der Mitte des Georgen-Kirchhofs erheben. Von der Minorität 
wurde eine Renovierung der Kirche mit Beibehaltung der alten Grund 
mauern beantragt, da die Kirche indesien im Norden und Westen zu nahe 
an den Häusern liegt, so wurde ihre Verlegung von ihren; jetzigen Platze 
beschlossen. Der zweite Prediger der Gemeinde, Superintendent Wegener, 
hat die Ausarbeitung einer ausführlichen Geschichte der Kirche übernommen. 
Girr Dotsdprkt Dr. Mirrtin Kirtftcos befindet sich in dem 
Besitz der Gebrüder P. und O. Luther, eines Buchdruckereibesitzers und 
eines Tischlermeisters, Söhne des hicrselbst vor einigen Jahren verstorbenen 
Buchbindermeistcrs P. Luther. Diese Familie stammt aus Wittenberg und 
rechnet sich zu den direkten Nachkommen des Resornialors. Das Petschaft 
ist aus Messing und zwei Zoll lang. Auf dem Knopf desselben ist iw 
Cbarakler der Lutherschen Handschrift Dr. Martin Luther eingraviert, Star 
der Platte selbst finden wir drei Felder: darinnen eine Rose und einer 
Schwan. Das Jahr 1521 ist ebenfalls in. die Platte, aber auf eine der 
ziemlich starken Seitenwände eingraviert. N. A. Ztg. 
Gin softo intooossantcs Htirdr Alt-Koriin bildet das 
Konfirmanden-Zimmer der Propstei in der Brüderstraße 10. Der Raum gleiG 
einer Kapelle. Er ist in schönen Bogen gewölbt und die Decke in reich vergol- 
detemStuck ornainentirt. DieOrnamente zeigen abwechselnd weiblicheGestalien 
und große Lorbecrzweige. Die ganze Dekoration ist eine höchst eigenarnge. 
An das Propsteigebäude selbst knüpft sich bekanntlich ein tragischer Vor 
gang. Grässe erzählt ihn also: 
Das Haus No. 10 der Brüderstraße in Berlin führt den Namen „da- 
Galgenhaus"; es befand sich an demselben ein Loch, das mit einem eisernen 
Gitter versehen war und als Kellerloch benutzt wurde; dieses hat dem -paust 
den Namen gegeben.
	        
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