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Periodical volume 13. Juli 1889 Nr, 41

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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und Ritter des Bath-Orvens. Nie wollen wir Preußen es 
diesem Briten vergessen, was seine ireue Anhänglichkeit dem 
allbewunderteil Helden unsres Volkes, Friedrich II., gewesen 
ist, gerade in drangvollen nitd schweren Tagen! 
Unsern von der Urne Mitchels, vor welcher wir nicht 
stehen können, ohne der Größe des Einzigen unsere Bewun 
derung darzubringen, befindet sich das geseierie, unsrer Ansicht 
nach aber sehr mit Unrecht so hoch gepriesene Denkmal des 
Grasen Friedrich Wilhelm Moritz Alexander von der Mark, 
welches Friedrich Wilhelm II. von Schadows Meisterhand 
seinem illegitimen Sohne setzen ließ. Ich muß gestehen, daß 
aus mich das Monument stets einen geradezu peinlichen Eindruck 
gemacht har. Einmal sieht man als Patriot von vollem 
Herzen die bedauerliche Schivachheit seiner Fürsten tlicht gern 
so pomphast verewigt. Und dann. — welche Unwahrheit spricht 
sich nicht gerade in diesem Pathos des künstlerischen Vortrags 
aus! Mögen die fatalen Parzen noch passieren, — aber 
dieses achtjährige Knäblein aus einem Helme ruhend, — 
das ist, — Vater Schadow verzeihe es, — nicht tragisch, nicht 
kindlich, sondern kindisch, und verletzt die Majestät des Todes. 
Eben so geschmacklos ist das Relief mit Hermes dem Psycho- 
pomp und der — Borussia! Welcher Mytholog vereint diese 
beiden Gestalten! 
Hinweg von dem unersreulichen Denkmal zu besserem! 
Tort iu den gemalten Fenstern ist ächte Kunst, — die lichte 
Gestalt des Erlösers zwischen Paitlus und Petrus! Und hier 
ist ächte Geschichte, herzerhebende, — hier aus der schlichten 
Tafel, welche das Andenken jener im Befreiungskämpfe für 
König und Vaterland gefallenen freiwilligen Jäger und ihrer 
Lieutenants feiert. Gegrüßt, du große, du herrliche Zeit, und 
Heil unserm Volke, daß die Enkel dem Ruse der Ahnen folgten, 
bas neue Reich zu gründen! 
An die Tage des Befreiungskampfes, der ja doch recht 
eigentlich in Berlin vorbereitet und von den alten Berlinern 
mit begeisterter Hingabe an Volk und Vaterland, an König 
und Gott durchgefochten worden ist, — an diese hohe und be 
geisterte Zeit, sowie an die Tage der Demütigung, welche der 
Erhebung vorangingen, erinnern noch zwei andere Denkmale 
dieser Kirche. Das eine derselben ist die treffliche Büste des 
Fürsten-Staatskanzlers Hardenberg, welche der Graf de la 
Rivaliere aus Paris durch Wichmann versertigeit und hier aus 
stellen ließ, hier, wo der Fürst so oft, von seinem Gute Tempel- 
f)of zur Stadt fahrend, gebeichtet und dem Gottesdienste bei 
gewohnt hat. Das Postament, auf welchem das trefflich ge 
arbeitete Werk aus karrarischem Marmor sich erhebt, trägt die 
Anschrift: 
..Carolo Augusto principi de Hardenberg patriae 
s <Jspitatori Hegis arnico d. amicus ipsius die XXI. 
Maii MDCCCXXIV.- 
Ein schönes würdevolles Kenotaph, das wir, den seinen 
Sinn des Gebers anerkennend, besonders gern an dieser 
Stätte sehen! — 
Und jetzt scheiden wir von dieser Kirche, die so laut 
Kugl von der Geschichte des Vaterlandes! Doch draußen 
aus dem Friedhose und zwar im Süden desselben haben tvir ! 
uoch ein gar merkwürdig' Denkmal zu begrüßen. Um den 
Zusammenhang unsrer Betrachtungen zu wahren, haben wir das- s 
leide oben tioch nicht erwähnt. Auf einem halbkreisförmigen 
vandsteinblocke, welcher den Namen des Verstorbenen trägt i 
und mit mongolischen Waffen, sowie mit einer ägyptisierenden 
Torenurne geschmückt ist, erhebt sich ein von der herkömmlichen 
Weise sehr abweichend dargestellter Crucifixus. Es ist das 
Denkmal eines Bojaren der Moldau, eines Sturdza, Offiziers 
Kaiser Alexanders I, welcher die ungarische Legion im russischen 
Heere geführt hat und, ein hoffnungsvoller Jüngling, in jenem 
Jahre zu Berlin an seinen, im rühmlichsten Kampfe erhaltenen 
Wunden verstorben ist. So wunderlich linb befremdend für 
eiti nicht slavisches Auge die Anordnung des gaitzeit Denkmals 
auch ist, so schön uitd tröstend ist die Aufschrift eines an seiner 
Rückseite angebrachten Kreuzes aus iveißem Marmor. Die 
selbe lautet: 
„Sous ce calice d’amertume le Seigneur a Cache 
la des de ses tresors!“ 
Ja, das gilt von dem einzelnen Menschenleben wie von 
dem Entwickelungsgänge der Völker! Wir schließen die eisernen 
Gitterthüren hinter uns und wandeln langsam die Mittel- 
Straße hinab, aber noch lange klingt's durch unsern Sinn: 
„Unter diesem bitteren Kelche hat Gott den Schlüssel zu 
seinen Schätzen verborgen!" — 
Andreas von Haddik.*) 
Von Goi'rg Döttictxor. 
Todesmüde, doch als Sieger, 
Lagern weitzgeröckte Krieger 
Auf dem Schlachtfeld von Kolin. 
Abendhimmel, blanke Sterne, 
Feuerbrände in der Ferne, 
Truppen, die vorüberziehn! 
Wach inmitten seiner Reiter 
Sitzt der tapferste der Streiter: 
Graf von Haddik, General. 
Und er mustert, die da schlafen, 
Lächelnd weckt er einen Braven: 
„Blas', TrotNpeler, das Signal!" 
Hei — sie springen von der Erde 
Wie das Wetter! Bei dem Pferde 
Steht ein jeder — eins, zwei, drei! 
„Wackre Jungen! Laßt euch jagen: 
Sollt ein Reiterstückchen wagen; — 
Ehr' und Beute giebl's dabei. 
Nahe hier — in dreißig Meilen 
Kriegen wir's, wenn wir uns eilen, — 
Liegt die offne Stadt Berlin. 
Sie der Kais'rin zu erbeuten 
Hätt' ich Luft dahin zu reiten; — 
Laßt ihr mich alleine zieh«?!" 
Jubelnd laut sie ihn umdrängen; — — 
„Aufgesessen!" — Fort sie sprengen, 
Büchs' und Pallasch in der Faust: 
Ueber Wiesen, quer durch Felder, 
Dörfer, Flüsse, Städte, Wälder 
Ohne Rast die Rotte saust. 
Bei des vierten Morgens Grauen 
Plötzlich: „Halt!" — Von Ferne schauen 
Thürme sie und hohe Thor'. 
Und es ordnen sich die Scharen; 
Tann mit schmetternden Fanfaren 
Stürmen sie mit Macht hervor. 
*) Vgl. Schwebe!, Geich, der Stadl Berlin II, 315 si.
        
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