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Periodical volume 6. Juli 1889 Nr, 40

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Der Rote Hof;u Prädickow. 
Zwischen den beiden Städten Strausberg und Wriezen, 
so ziemlich aus der Scheitelfläche des Hohen Barnim, liegt an 
den mit Kiefern bestandenen Ausläufern der Schwarzen Berge 
das Dorf Prädickow. Es ist eine echte und rechte märkische 
Landschaft, welche wir vor uns erblicken, wenn wir, von 
Strausberg kommend, aus der Heide auf die Lichtung treten 
und im Thäte unten das Dorf mit seiner alten Kirche vor 
uns sehen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts befand sich 
dieses Dorf im Besitze der altadligen Familie Barfuß, die 
auch sonst im Baritint reich begütert war. Man konnte da 
mals mit Recht von dieser Familie sagen: wer auf dem 
Barnim, in Stadt uild Land, etwas erreichen wollte, der 
mußte sich zuerst bei den Barfuße melden. Dieselben hatten 
in Prädickow einen Rilterfitz, tvelcher unweit der Kirche be 
legen war. Es war ein Steinkoloß, welchem die Bewohner 
von Hohen- uild Nieder-Prädickow (so teilte man dieses Dors 
ehemals eilt) uitd der Umgegend ben Namen des „Roten 
Hofes" gegeben hatten. Woher diese Bezeichnung entstanden, 
wußte niemand mehr zu sagen; das Gebäude selbst aber, das 
wie die Kirche nebenan von gequaderten Granitsteinen und 
mit so dicken Mauern ausgeführt war, daß es für die Ewig 
keit gebaut zu sein schien, konnte man eher „grau" oder 
„schwarz" nennen; „grün" wäre auch zutreffend gewesen, da 
Epheu die beiden hohen, gekrönten, von mächtigen Strebe 
pfeilern gestützten Giebel bis auf die äußersten Spitzen be 
rankt hatte. 
Sonst sah es auf diesem Barsußhose genau so aus wie 
ans den meisten anderen märkischen Edelhöfeit, uild iväre der 
steinerne Bau nicht eben so groß gewesen, so hätte man keinen 
großen Unterschied gefunden zwischen den Ställen, Scheunen 
und Schlippen eiiles Bauernhofes ilnd ihm. Auch hielten es 
Schweine, Ziegen und allerhand Geflügel nicht für respekt- 
widrig, dem Innern des Ritterhofes dann und wann einen 
Besuch abzustatten. 
Im Jahre 1568 lebte aus diesem Ritterhofe Baüasar 
Barfuß. Seilte Hausfrau war eine Barbara voll Sparr aus 
deut Hause Tranrpe bei Neustadt-Eberswalde. Ihre Ehe war 
mit vier Söhnen gesegnet: Caspar, Richard, Clemens und 
Valentin. 
Balthasar war Zeit seines Lebens wenig von seinem 
Hofe sortgeküinmen, denn mit dem „Aufsitzen" zu irgend einer 
Privatsehde war es längst vorbei, — Kur-Brandenburg be 
fand sich im tiefsten Frieden, seitdem auch die Pommern die 
Lust verloren hatten, sich mit den Märkern iveiter herumzu 
schlagen. Auch die Minkwitze waren still. Nitr in Ungarn 
lobte zuweilen der Lärm der Waffen; denn dort bedrohten 
die Türken fort und fort das Deutsche Reich, und auch Herrn 
Baltasar Barfuß war in seiner Jugend oft genug die Gelegen 
heit geboten worden, hinauszuziehen und dem Kaiser im 
Streike gegen die Ungläubigen zu helfen; aber sein Vater 
Klaus hatte ihm stets abzuraten gewußt. Es sei das eine 
teure Geschichte, hatte er oft gesagt, die deutschen Reichsstände 
wären nur mit dem Mltiide gut; mit ihm bewilligten sie 
Tausende und aber Tausende; wenn es aber zum Klappen 
käme, ließen sie den Kaiser mit Geld und Kriegsvolk im 
Stich; da müsse denn jeder sehen, wie er sich dnrchhelfe, und 
fäme dabei oftmals in irgend einem ungarischen Nest elen 
diglich um. Mit dem Beutemachen sei es auch eine heikle 
Sache, denn gewöhnlich zögen die Deutschen den Kürzeren; 
der Barsußhof aber trüge so viel nicht ein, um den Baltascu 
Jahr und Tag in der Kaiserlicheil Armee standesgemäß z„ 
unterhalten. So blieb denn der letztere zu Hause, opferte 
wie jeder andere gme Christ im Deutschen Reiche seinen 
Türkengroschen dem kurfürstlichen Einnehmer und betete mit 
seinem Dorspastor für den Sieg der christlichen Waffen. Als 
er danit seine Barbara heimgeführt und diese ihm vier Söhne 
geschenkt hatte, dachte Baltasar nicht mehr daran, sich dein 
Deutschen Reiche zu opfern uitd den Türken entgegen zn 
ziehen. Allenfalls ritt er mit seiitem alten Diener Jakob zn 
einer Musterung nach Bernau oder nach Kölln an der Spree, 
wenn sein gnädigster Herr, der Kurfürst, eine solche angesetzt 
hatte, um seine Vasallen auf ihre Wehrhaftigkeit hin prüfen zu 
lassen. Der Herr von Barfuß sah es iminer als eine Ehren 
pflicht seines Standes an, wie es seine Vorfahren rühmlichen 
Angedenkens gethan, in solchen Fällen in voller Rüstling vor 
dem kurfürstlichen Musterherrn vorbeizureiten. Wenn er dann 
aber nach Hause kam, machte er stets seinem Aerger und 
Verdrusse darüber Lust, daß der Adel so bequem geworden sei 
und seine Pflichten vergesse, da es viele unter ihm gäbe, die 
nur ihre Diener und Knechte in dürftigem, reisigem Zeuge 
aus elenden Kleppern zilr Musterung sendeten, während sie 
selbst in der Herberge zechten oder ganz und gar zu Hause 
blieben. 
Um die Erziehung seiner Söhne kümmerte sich Baltasar 
Barfuß nicht; sie überließ er seiner Barbara, dem Dorfpfarrer 
Matthäus Schönebeck und seinem alten Diener Jakob, wohl 
bedenkend, daß alle drei besser als er wissen müßten, was 
einem Junker zu wissen nöthig und nützlich sei, damit er der 
maleinst hinter seinesgleichen nicht zurückzustehen brauche. 
Ob der alte Barfuß eine richtige Wahl getroffen, muß dahin 
gestellt bleiben. Aber wenn die Junker der liebenden Für 
sorge ihrer Mutter entwischt waren und glücklich auch den 
Herrn Pastor hinter sich hatten, dann saßen sie am liebsten 
bei dem alten Diener Jakob, der schon zu ihres Großvaters 
Zeiten als Lohnreiler den Zug seines Kurfürsten gegen die 
Türken mitgemacht hatte und vieles zit erzählen wußte. 
Was die Junker von ihm beim slackerndeit Kaminfeuer an 
langen Winterabenden nicht erfuhren, das hörten sie in Feld 
luid Wald, bei der Fischerei und Jagd. Kurzum, der alle 
Jakob war der eigentliche rechte Schulmeister der Junker. 
(Fortsetzung folgt.) 
Ein brandenburgischer Leibarzt. 
(Schluß.) 
Denn während des Jahres 1638 sollte der neue Leibarzi 
sich in dem Köllner Schlosse ein unsterbliches Verdienst 
um Brandenburg erwerben. Es ist bekannt, daß der 
Kurprinz Friedrich Wilhelm unmittelbar, nachdem er aus 
Holland nach der Mark zurückgekehrt war, in ein hitziges 
Fieber verfiel. Wie bei dergleichen plötzlichen Fällen stets, 
so sprach man auch hier sofort von einer Vergiftung, und es 
bemächtigte sich der jäheste Schrecken nicht allein der Einwohner 
schaft von Berlin und Kölln, sondern auch des ganzen Landes, 
Denn, starb der Kurprinz, so waren alle Hoffnungen «ul
        
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