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Volume 29. Juni 1889 Nr, 39

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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Turme her erklingende Weisen zu ermuntern. Der wackere Stadlpseiser 
erhält dafür aus der Käniinerei- und Kirchenkasse 121 Mark und 8 Pfennige. 
Mögen feine anmutigen Weisen noch lange ertönen. P. 8. 
Aus einem Sriefe Steins an Gneisenau. „Die 
Theilnahme der Nation an der Gesetzgebung und Besteuerung halte ich für 
rin kräftiges Mittel, beide Theile zu vervollkommnen, und für eine Er- 
ziehungs- und Bildungsanstalt, die den wohlthätigsten Einfluß auf das 
praktische und theoretische Leben des Volkes hat. Unterdessen kann man 
nicht leugnen, daß in einer konstitutionellen Monarchie sich ein Kampf der 
Parteien bildet, der oft sehr nachtheilig wirkt, und daß für die Kraft und 
Selbstständigkeit der Regierung gesorgt werden müsse." E. K. 
Mio man wer 110 Jahren die Drenhen in Süd- 
italien »ereljrte. Der berühmte Landschaftsmaler Philipp Hackert 
(geb. 1747 in Prenzlau) wurde durch Zufall in Süditalien Zeuge der 
großen Verehrung, welche inan dem damaligen Preußenkönige zollte. Er 
reiste im Frühjahr des Jahres 1777 mit den Engländern Henry Knight 
und Charles Gore in Sicilien. AIs die Reisenden eines Vormittags in 
einem Städtchen anhielten und sich hier das Gerücht verbreitete, daß ein 
Unterthan des Königs von Preußen (Friedrichs II.) angekommen sei, er- 
schien vor den Reisenden eine Deputation der Ortsbehörde, die, um ihre 
Ehrfurcht vor dem großen König an den Tag zu legen, dessen Unterthanen 
mit etlichen Körben Wein und Früchten beschenkte. E. K. 
Friedrid) Christian ©mit tn Dreien, Sohn des berühmten 
Reirergenerals Friedrichs des Großen, Hans Joachim v. Z., * 6. Oktober 17H5, 
t 29. Juni 1854. Er war Landrat des Ruppiner Kreises bis zum I. Ja 
nuar 1845. Näheres über ihn s. bei Fontane, Wanderungen durch die 
Mark Brandenburg. I. Teil: Die Grafschaft Ruppin, welcher S. 12—15 
einige charakteristische Züge von ihm erzählt. — Daß der Landrat von 
Zielen auch bei anderen Gelegenheiten „mit Nachdruck auf Höflichkeit zu 
t,alten" wußte, geht aus folgender Mitteilung hervor: Als zu Anfang der 
zwanziger Jahre das Dorf Teschendorf bei Löwenberg i. d. Mark abge 
brannt war, erschien daselbst der Landrat, ohne daß er von den Bauern 
besonders beachtet wurde. Namentlich unterließ man es, „die Kappe vor 
ihm zu lüften." Da ergrinimte er so sehr, sodaß er hoch und teuer schwur, 
er wolle den unhöflichen Teschendorsern eine Pudelmütze als Wahrzeicheit 
! aus dem Kirchturme anbringen lassen, und an diesem Vorsatze soll er so 
lange festgehalten haben, bis die Bauern ihm förmlich Abbitte gethan. 
Er. H. 
Unser Such erlisch. 
Aus dem jungen rührigen Verlage von Hans Lüsten öd er, Berlin, 
k 11. Potsdamer Str. 29, liegen uns heute vor: 
I ,Serbin Mnterrvegs." Ein Führer durch die Reichshauptstadt 
sür's Portemonnaie und die Westentasche. Sonimerausgabe mit den 
neuesten Fahrplänen. 
z In 20 Abteilungen giebt das kleine und doch sehr inhaltreiche Büchlein 
Antwort auf eine jede Frage in Sachen des Verkehrs. Wir zweifeln nicht 
k daran, daß „Berlin Unterwegs" sich seinen Platz in den Westentaschen uitd 
I den Portemonnaies Einheimischer wie Fremder bald erobern wird, zumal 
t da der Verleger in anerkennenswerter Weise gern bereit ist, Vorschläge und 
k Wünsche, welche ihm aus dem Publikum entgegengebracht werden, mit 
. Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zu berücksichtigen. — —w. 
herum,», Schröder, Der Dilderstchnrndr der dentlohen 
Sprarhe. 
Ein ganz vortreffliches Buch! Das sagen wir, obwohl der Verfasser 
! lau auf jeder Seite unsern Widerspruch herausfordert. Man kann in 
wisienschastlichen Dingen ja sehr wohl entgegengesetzter Meinung sein und 
j doch die fremde Leistung bereitwillig und freudig anerkennen! 
Mit Recht ist dem Buche das Wort eines sehr hervorragenden Diplo- 
»laien unsrer Tage, des Herrn von Äeudell, vorangesetzt: 
„Es liegt etwas Berauschendes in der Erforschung der deutschen 
j Sprache." 
! Das hat noch jeder Germanist empfunden, — sie, die Großen, die Grimm, 
llioclcholz, Mannhardt, Zingcrle, Sanders und Panzer, wie wir, die Kleinen, 
zu welchen Schreiber dieses sich rechnet. Selten aber hat eine Arbeit uns 
angezogen wie die vorliegende. Mit Büchmanns berühmten „Geflügelten 
! Worten" steht sie ja oft in sehr naher Berührung; aber sie ist doch ganz 
ktwas Anderes. Schräder geht vom „Hause und feinen Teilen" aus; er 
erörtert alle an Wohnung und Kleidung, an Gerät, „Geschirr und Wagen" 
llch anschließenden Redewendungen deutscher Zunge. Dann führt er uns 
m einer prächtigen Abhandlung zum „Rosse", dem alten, treuen, namen- 
^rleihendcn Lieblingstiere sächsischen Stamnies. Höchst ergötzlich, ja, wahre 
-runvgruben des Humors sind die folgenden Kapitel über „Esel", „Rind" 
u ! ft „Bock", über „Schaf", „Hund", „Katze", „Hase", „Schwein", — so 
?*! c Derbheiten dabei auch mit unterlaufen. Höchlichst hat uns auch der 
ubichnstt „Bär" interessiert; — wir werden ihn nächstens unsern Lesern 
-ur Kenntnis bringen. Und nun „Hahn und Huhn", „Gans und Ente"! 
Aus schier unerschöpflichem, sprachlichem Borne wird uns hier überreiche 
! ^"'hrung geboten. Ohne strenge Einteilung, — eine solche war auch 
um möglich, — geht» danit frisch weiter — zunl Mikitärivescn, zur Jagd 
i ,lu M allem — Möglichen. Selten ist der dichterischen Ader des deutschen 
Volkes ein so vollgültiges, glänzendes Zeugnis gegeben worden, wie es 
hier geschehen ist. Im einzelnen aber haben wir, wie wir bereits gesagt, dem 
Verfasser ungezählte Male zu widersprechen. Ganz abzuweisen ist z. B. 
seine Erklärung des „dummmen Jungen von Meißen". Der letztere 
hat nämlich in dem „Juden von Meißen" seinen Ursprung, welcher 
als Mannesrumpf den Meißener Wappenhelm schmückte, und dieser „Jude 
von Meißen" ist wiederum nichts anderes als eine verstümmelte Wodans 
figur mit langem Barte und Slurmhut. Trotz dieser Ausstellungen im 
einzelnen aber ist es uns eine willkomniene Pflicht, das Buch des geist 
reichen, sprachkundigen Herrn Verfassers unsern Lesern aus das wärmste zu 
empfehlen. Es ist ein sprudelnder Quell der Belehrung und Ergötzung, — 
ein beredter Herold deutschen Gemütes, deutschen Humors. Alles, für zarte 
Gemüter nicht Passende, z. B. die ergötzliche Erklärung des „anus niger“ 
unsres Adels, ist in lateinischer Sprache geschrieben, sodaß das vortreffliche 
Buch auch Frauen ohne Bedenken in die Hände gegeben werden kaun. 
Abschnitte wie „Backfisch", „Stiefel muß sterben!", „Seebär", „Manschetten" 
sind uns Berlinern sehr erwünschte Aufklärungen über heimatliche Rede 
wendungen. Fürst Bismarck hat „für die Tage, da er ani Rauschen 
deutschen Waldes sich erfreut", das Buch gern entgegengenommen. ES 
verdient diese Anerkennung in der That. — —w. 
Unter den zahlreichen Schriften, welche die Wettinseier hervorgerufen 
hat, dürfte die im Verlage von Wilhelm Hoffmann (Dresden, Marschall 
stratze 12/14) erschienene reiä) illustrierte Jubclschrift: „Gin @>aniT 
Mtrdj Me Gesihiehte Sachsens nnb feiner Fürsten" 
von Profesior Dr. (Otto fmnnmrl und Professor E. Bomtbiui ganz besondere 
Aufmerksamkeit verdienen. Denn, wenngleich sie, wie die übrigen Fest 
schriften, zunächst aus Anlaß der Feier des 800 jährigen Jubeltages des 
Wettiner Fürstenhauses ins Leben gerufen wurde, so ist sie doch keine 
litterarische Erscheinung von vorübergehenden: Interesse und auch keine 
bloße Wiederholung der Darstellungen, wie sie die zahlreichen Leitfäden 
und andere Schriften über die sächsische Geschichte bieten; sie behandelt 
vielmehr diese acht Jahrhunderte in selbständiger Auffassung und bei aller 
Kürze in festgezeichneten und lebensvollen Bildern; sie wird also ein 
Denkmal von bleibendem historischen Werte sein. Indem wir 
unsere aus Sachsen stammende!: Leser aus diesen patriotischen Haus- 
schatz aufmerksam machen, bemerken wir noch, daß die Sr. Majestät 
dem Könige Albert gewidmete Festschrift in allen Buchhandlungen 
Sachsens zu dem beispiellos billigen Preise von 5 Mark zu kaufei: ist. 
Die Illustrationen des Prachtwerkes sind fesselnd auch für uns Märker: 
es ist ein wabrhaft künstlerischer Bilderschmuck, der den: Buche mitgcgebei: ist. 
O. 8. 
Sricfkastru der Uedalttion. 
Aufs allerherzlichste hat die unterzeichnete Redaktion für die warnte 
Teilnahme zu danken, welche den Bestrebungen des „Bären" sich zugewendet 
hat. Aufs freudigste dankt sie ferner für all' die Anerkennung, welche 
ihr so vielfach von berufenster Stelle aus zu Teil geworden ist. Daß ein 
Blatt wie der „Bär" für Berlin und die Mark Brandenburg notwendig 
ist, beweist bereits die Fülle der wertvollen Einseitdungen, welche uns zu 
gegangen sind; — es sind deren über 300. Bei diesem Reichtum vor 
liegenden Materials müssen wir die verehrten Freunde und Freundiniten 
unsrer Zeitschrift freilich bitten, uns hinsichtlich des Abdrucks nicht allzusehr 
drängen zu wollen. Die Illustrationen wollen ja auch zu ihrein Rechte 
kommen, — ja, es soll ihnen eine noch sorgsamere Pflege gewidmet werden, 
und — der „Bär" erscheint eben nur ein Mal wöchentlich. Er hat endlich 
auch noch die Pflicht, seine Leser mit den neuesten Erscheinungen der vater 
ländische!: Litteratur bekannt zu inachen. Mit Freuden werden billige 
Wünsche indessen stets von uns berücksichtigt werden. Zun: Schluß erlauben 
wir uns, auch heut' ai: tmsre alten Anhänger die sehr ergebene Bitte zu 
richten, unsrer Zeitschrift neue Freunde werben zu wollen. 
In dem folgenden Quartale wird der „Bär" u. a. folgende Arbeiten 
bringen: 
Dietrich Hafner, der Letzte seines Stammes; Oskar Schwebet, Mark 
graf Otto mit dem Pfeile; Helene v. Hülsen, Aus den Briefen der Frau 
v. d. Knesebeck; Richard George, Schloß und Park Tegel; Hermann Dupont, 
Der Tunnel über der Spree; v. Salpius, Berliner Visiten; F. Brunold, 
Die weißen Frauen der Mark; August Trmius, Am Kreuzberge; Professor 
M. Rabe, An den Hösen v. Versailles und Wien u. v. a. nt. 
Zu Auskünften jeder Art ist der unterzeichnete Redakteur außer Sonn 
tags tagtäglich vormittags von 10—12 Uhr gern bereit. 
Die Redaktion des „Dar". 
(Ostior Schwebest 
Berlin, NO. Büschingsir. 15. 
Inhalt: Gras de la Roche-Aynton, Ein Bild aus der Zeit des 
Prinzen Heinrich, von F. Katt (Fortsetzung); Die Dorotheenstädtische 
Kirche (mit Jllustr.); Ein altes Skizzenbuch, von Cornelius Gurlitt; 
Noch einmal Templin (mit Jllustr.); Die „Upställc" in der Mark; 
Ein brandenburgischer Leibarzt. — Kleine Mitteilungen: Die 
Beseitigung der künstlichen Sperre der Spree an: Mühlendamm; Die Bel 
glocke; Aus einem Priese Steins an Gneisenau; Wie man vor 110 Jahren 
die Preußen in Süditalien verehrte: Unser Büchertisch; Briefkasten der 
Redaktion. — Anzeigen.
	        
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