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Periodical volume 22. Juni 1889 Nr, 38

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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drei Männern auch Edle zum Kampfe aus ihm ausgezogen, 
— zum Kampfe mit den Feinden ihres Glaubens, ihres 
Laterlandes und ihres — Lebens, welche für alle Zeit den 
Lieblingsgestalten des deutschen Volkes zuzurechnen sein werden. 
— w. 
Das Hutten-Fickingen-Denkmal auf der 
Ebernburg. 
„Ich hab's gewagt!" — 
„Viel Feind', viel Ehr'!" -— 
Fürwahr! Es find Wahlsprüche, welche lauten Widerhall 
auch in der Brust des Brandenburgers wecken! Siiddeutsche 
Männer aber waren es, die sie sich einst erkoren. Das erste 
Wort gehört dem Ostsranken Ulrich von Hutten an: er setzte 
dasselbe einst als die Devise seines Lebens der Klage seiner 
innig geliebten Mutter gegenüber, ivelche es vergeblich versuchte, 
von ungestümer That ihn abzumahnen. Denn was ihn trieb, 
war das Gewissen, — eine Macht, viel stärker noch, 
als selbst die heiße, fromme Sohnesliebe. Und nun das Wort: 
„Biel' Feind', viel Ehr'!" 
Wer hat diesen Wahlspruch des Rheinsranken Franz von 
Sickingen wohl glänzender bethätigt, als er, der uns für alle 
Zeit das leuchtende Vorbild brandenburgischen und Berliner 
Geistes bleiben wird, — als Friedrich der Große? — Es 
wird dem „kleinen Franz" aber auch noch eine andere Devise 
zugeschrieben; sie lautet: 
„Nichts ohn' Ursach'!" 
Wie vollkommen entspricht sie dem kritisch abwägenden 
Geiste des Berliners! — 
Mit Recht dürfen wir uns also einer Verwandtschaft mit 
jenen Helden des Geistes ltnb des Schwertes rühmen, die aus 
der Ebernburg dereinst geweilt. Unvergessen ist sie um des 
willen unter uns, die ruhmumglänzte „Herberge der Ge 
rechtigkeit". So hieß sie ja mit Recht, die stolze Veste, die 
einst so trutzig über die Weinberge und das freundliche 
Dörfchen hinweg in die lieblichen Thäler der Nahe und der 
Alsenz hinabschaute. Denn bei dem gastlichen Schloßherrn, 
dein „Fränzel", hatten eine Stätte gefunden die „um der Ge 
rechtigkeit willen" Verfolgten: 
Der kühne Neuerer Ulrich von Hutten, welcher dem 
deutschen Wesen gegenüber hispanischer Staatskunst sein Recht 
verschaffen, — welcher Deutschlands so herrliche Kräfte 
einigen wollte, 
sodann die kirchlichen Reformatoren: 
Johannes Hausschein, griechisch Oekolampadius, 
der Gründer der reich gesegneten evangelischen Kirche von Basel, 
Johannes Schwebel, der Stifter der evangelischen 
Kirche der Pfalz am Rheine, der viel heimgesuchten, aber doch 
nimmer unterdrückten, 
Martinus Bucer, der große Theologe der Versöhnlich 
keit, dessen Gebeine die „blutige Maria" Englands ver 
brennen ließ, und 
Kaspar Aquila, der nachmalige, friedlich sein Leben 
vollendende Superintendent von Saalseid. — 
Nachkomme eines dieser Männer, welchem ein Herzog 
von Württemberg in der Alexander-Kirche von Ziveibrücken 
ein glänzendes Grabnial errichtet hat, habe ich nie ohne die 
tiefste Bewegung ein Stück der Berliner Ruhmeshalle 
betrachten können. Unter Nr. 6520 verzeichnet befindet sich eine 
Kette iir derselben, — eine Schmnckkette, wie man sie über 
der reichen Festtracht des 16. Jahrhunderts zu tragen pflegte. 
Sie besteht aus 28 Schaken von vergoldetem Silber, ist in 
reichster Ziersonn gefertigt uird mit einer Schaumünze ge 
schmückt. Auf letzterer erblickt man das Bildnis des „letzten 
Ritters", des Kaisers Max I., vor welchem, um die Belehnung 
als Reichsritter zu empfangett, das kleine „Fränzel" von 
Sickingen vollgerüstet kniet. Der Kaiser auf dem Throne, — 
der Ritter wie ein Bittender! Aber das Spruchband, welches 
aus seinen Händen hervorgeht, — es trägt die stolze Inschrift: 
„Maxime Caesar! Semper eris victor faustaque 
regna tenens, Mercurium si non armis praeponas!“ 
Wie hm das junge Deutsche Reich diese Mahnung des 
kleinen Franz zu beherzigen gewußt! Dttrch „Blut und 
Eisen" nur vermochten wir zu werden, was wir mit Gottes 
gnäd'ger Hilfe nun geworden sind: ein Hort des Friedens, ein 
starker Schirm der Völkerwohlsahrt. Und dieser edle Mann, 
der Kaiser Max die „Krämerrücksicht" widerrät, — wie hoch 
sinnig bethätigte er seine Lebensanschauungen im Umgänge 
mit seinen Freunden! Auch meinem Ahn hat er die Hochzeit mii 
einer Patriziertochter der Stadt Hagenau einst „suo aere a , mit 
„seinem Gelde" zugerichtet, dort oben auf der Ebernburg! 
Reich war sein Herz, und mild war seine Hand in allen 
Dingen, bis es zu Ende ging. 
„Cole Deum ex intimo corde, ama publica, tuere 
justitiam!“ 
Den Spruch trugen alle Rüststücke des „kleinen Franz". 
Er zeigt sich in ihn: als innig frommer Mann, er bekeirnt sich 
als einen unbeugsamen Freund des Rechtes, aber auch als 
einen Sohn der neuen Zeit, welche der Jnteresseilpolitik des 
Mittelalters die Rücksicht auf das allgemeine Wohl gegenüber 
setzt. Als ein Vertreter gerade unsrer heutigen durch Sturm 
und Drang geläuterten Anschairungeir steht Franz von Sickingen 
uns ganz besonders nahe. 
Wie Sickingen aus seiner Burg Landstuhl im Kampfe 
mit drei Fürsten geendet hat, ist allgeniein bekannt. Unvergessen 
aber ist auch sein männlich' Wort: 
„Störer mich nicht, Herr Landgraf Philippus von Hessen, 
mit Euren Vorwürfen! Hab' gerade jetzt mit einem höheren 
Herrn zu rechnen!" Sein Schwager Philipp von Flersheii» 
spricht klar und wahr: 
„Bis in die Stund' des Todes hat er gezeigt sein deutsch', 
sein trutzig' und sein ehrliches Gemüt!" 
Traurig aber ist seines Geschlechtes Ausgang. Schulte 
von Brühl schreibt darüber unter Zuhilfenahme der P 
teilungen des Münchener Kulturhistorikers Riehl das folgende: 
„Gleich nach dem Landstuhl fiel atlch die starke Ebernburg 
mit einer schier königlichen Beute und großem Kriegsvorrat in 
die Hände der Fürsten. Sie zerstörten die Burg gänzlich und 
teilten sich nachher in sämtliche Besitzungen des überwundenen 
Feindes, so daß dessen drei Söhne als recht- und hablose 
Ritter lange Jahre in fremden Diensten einherfahren mußten. 
Endlich nach 19 Jahren nahm sich der Kaiser ihrer an; I IC 
erhielten die väterlichen Besitzungen zurück, und die zerstörten 
Burgen wurden wieder aufgebaut. Die Ebernburg ist lauge 
im Besitz der Familie geblieben, aber nicht imtner haben die 
Sickingen der rühmlichen Ueberlieferung ihres Geschlecht-
        
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