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Periodical volume 15. Juni 1889 Nr, 37

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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von 1618 und 1735 selbstverständlich säst vollends ausgeräumt; 
das einzige, was die Kirche noch besitzt, sind einige Schmiede- 
nnd Gießerarbeiten aus Eisen und Messing. Von dein landes- 
herrlichen Schlosse Teniplin, aus ivelcheni der denkwürdige 
Friede des Jahres 1317 geschlossen worden sein mag, sollen 
im vorigen Jahrhunderte ans dem „Eichwerder" vor der Stadt 
noch Trüinnier vorhanden gewesen sein. Mit den Besesti- 
gnngen voii Prenzlnu oder Wittstock können die von Teniplin 
sich allerdings nicht messen; es ist lediglich nur der Ruhm 
des großen Woldemar, welcher diese stille Stadt uns inter 
essant macht. — 
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Zn oee!soeeen in des Otondens Frieden; 
Leiden fallen nur Gewählten nt! 
Ohne Furcht! Treu ist des Genügen Gnade; 
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Klagen Mpoeigen dort in fet'gee Kuh'. 
Dr. B. 
Kleine Mitteilungen 
3er Prospekt des neubegrünbeten Ukrrsoums für dorrt>rlir 
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das ein vorläufiges Heim in den dem Konnte vom Unterrichtsminister 
Dr. v. Goßler zur Verfügung gestellten Räumen neben dem hygienischen 
Museum (Klosterstr. 36) gefunden hat, liegt nunmehr vor. Wegen der 
Wichtigkeit der Sache entnehmen wir demselben folgende Ausführungen: 
„Mehr als irgend ein anderes Volk hat das deutsche für die Erkenntnis 
feines inneren Wesens gethan, lleberall, von Tyrol bis nach Schleswig- 
Holstein, von der littauischen Grenze bis zu den Flämingen, von den 
Siebenbürger Sachsen bis zum Baske,iwald, sind Sammlungen der volks 
tümlichen Glaubensoorstellungen, Bräuche und Sitten, der Sagen und 
Märchen, der Lieder, Sprichwörter und Rätsel in reicher Fülle erschienen, 
und noch immer sind die besten Kräfte bemüht, durch neue Sammlungen 
das gewonnene Material zu vergrößern und, wo es not thut, zu berichti 
gen und zu verbessern. Nur die, sagen wir, handgreifliche Volkskunde 
ist im Rückstand geblieben. Wie unser Volk denkt und glaubt und fühlt 
und spricht und fingt und tanzt, das wissen wir. Aber wie die Gegen 
stände ausschauen, welche es geschaffen hat, wie es seine Häuser fügt und 
aufbaut, wie es seine Höfe und Dörfer, Gärten und Fluren angelegt hat, 
wie es in Stube, Küche und Keller wirtschaftet und wie der Hausrat be 
schaffen ist, wie es sich kleidet, in welcher Weise es Viehzucht, Ackerbau, 
Jagd und Fischfang betreibt, wie die kunstvolle Hand- und Hausarbeit des 
Bauern, der Bäuerin gefertigt wird, welcher Fahrzeuge es sich in Handel 
und Verkehr bedient, welche Dinge uraltem Herkommen nach bei Geburt, 
Hochzeit, Tod und Begräbnis, bei Aussaat und Ernte, bei den verschiedenen 
Jahresfesten, im Gemeindeleben und in der Volksmedizin üblich sind, — 
das ist wahrscheinlich zum weitaus größten Teile noch verborgen. Und 
doch ist diese handgreifliche Volkskunde, da sie das treueste Bild des je 
weiligen Kulturstandpunktes eines Volkes gewährt, unerläßlich zur Her 
stellung eines tbalsächlichen, objektiven Archivs des Volkstümlichen, aus 
dem jeder Forscher schöpfen kann. Beweise dafür sind, wenn es überhaupt 
eines Beweises bedarf, die Völkermuseen, voran das Königliche Museum 
für Völkerkunde zu Berlin, durch welche die volkstümlichen Sammelwerke 
über Glaube und Brauch, Sage und Märchen der verschiedenen Völker erst 
ihre richtige Deutung erhalten haben. Was der deutschen Volkskunde not 
thut, ist also ein deutsches Volksmuseum. — Ansätze dazu sind ja 
hier und da von einzelnen Landes-, Provinzial- und Stadtmuseen gemacht 
worden; aber nirgends ist man über die bescheidensten Anfänge hinaus ge 
kommen. Meist hat nian sich mit Abbildungen beholfen. Wenn wir aber 
auch eine stattliche Reihe farbiger Bilderwerke über volkstümliche Trachten 
besitzen und nicht wenige volkstüniliche Gegenstände irgendwo bildlich wieder 
gegeben sind, so können Abbildungen doch immer nur Form und Farbe 
der Originale zur Anschauung bringen. Ueberdies ist das Material durch 
feine Zerstreuung der Forschung schwer zugänglich, und im Grunde wird 
durchweg nur Stückwerk geboten. Der Grund, daß die Versuche, die ver 
schiedenen Gegenden Deutschlands in den Eigentümlichkeiten ihrer Be 
völkerung, in deren Trachten und den Erzeugnissen des Hallsgewerbes dar 
zustellen, bisher mißlungen sind, liegt nicht allein in den mangelhaften 
Mitteilt, lvelche aufgeivendet wurden, sondern vorzugsweise in der geringen 
Kenntnis der Sachlage und in der falschen Methode, nach welcher die An 
gelegenheit betrieben ist. Selten ist das jedoch zugestanden worden, viel 
mehr sind die Schwierigkeiten, weil man sie nicht überwinden konnte, für 
unüberwindbar ausgegeben worden: und so ist's gekommen, daß sich in 
den weitesten Kreisen die Ansicht verbreitet findet, die Herstellung eines 
deutschen Volksmuseums gehöre zu den unmöglichen Dingen. Warum 
sollte aber in Deutschland nicht möglich sein, was in anderen Ländern zur 
zwölften Stunde versucht und mit Glück durchgeführt worden ist? — Von 
dieser Ansicht ging der Vorstand der Berliner Gesellschaft für Anthropologie 
und Urgeschichte aus, als er vor mehr als zehn Jahren höheren Ortes vor 
stellig wurde, in dem neuen Museum für Völkerkunde zugleich eine Ab 
teilung für deutsche Trachten und Geräte einzurichten. Weil aber die Ein 
richtungsarbeiten in diesem Museum, welche schon Jahre in Anspruch ge 
nominen haben, auch zur Stunde noch lange nicht als beendet betrachtet 
iverden können, so haben wir, um nicht durch weitere Hinzögerung die 
Sache zu schädigen und um rasch die Erfüllung herbeizuführen, den Ge 
danken ersaßt, ein besonderes deutsches Museum der Volkstrachten und 
Geräte zu begründen. Zunächst galt es, um alle Bedenken zu zerstreuen, 
die Möglichkeit nachzuweisen, daß selbst heute noch, wo sowohl die Trachten, 
als auch die Erzeugnisse des Hausgewerbes durch Mode und fabrikartige 
Industrie sämtlich mit raschen Säiritten ihrem Untergange entgegeneilen, 
aus diesem Gebiete Ersprießliches geleistet werden kann. Es wurde zu dem 
Zwecke eine ethnographische Probesammlung in der Gegend veranstaltet, 
ivelche vielleicht am meisten dem Zersetzungsprozeß ausgesetzt ist, — in 
Mönchgur auf Rügen. Die Probe gelang in jeder Beziehung: die Mönch 
guter Sammlung genügt allen Ansprüchen, welche die ethnologische 
Forschung stellen kann. Ermuntert durch diesen Erfolg, trat im Herbste 
des Jahres 1888 das Konnte zur Begründung eines Museunis der 
deutschen Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes zusammen. In 
diesem Museum sollen möglichst gleichmäßig Nord-, Mittel- und Süd 
deutschland vertreten sein, um die noch vorhandenen Eigentümlichkeiten 
ihrer Bevölkerung in Trachten, Hausanlagen und Erzeugnissen des Haus 
gewerbes, wenn thunlich in vollständigen Zimmereinrichtungen mit plastischen 
Figuren (nach der Weise des Hazeliusschen Museums zu Stockholm), zur 
Anschauung zu bringen. Um die Verwirklichung des Planes zu erreichen, 
daß das zu begründende Museum ein deutsches Volksmuseum im wahren 
Sinne des Wortes werde, d. h. ein Museum, lvelches ganz Deutschland in 
den Eigentümlichkeiten aller seiner Stämme in möglichster Vollständigkeit 
vorführt, müssen wir die Unterstützung der weitesten Kreise m Anspruch 
nehmen. Das Komite hat sich darum entschlossen, eine Gesellschaft zu be 
gründen, welche bis zur etwaigen Uebernahme des Museums seitens des 
Staates Besitzerin desselben sein wird, um die Weiterentwickelung des 
Ullternehmens in ähnlicher Weise zu beivirken, wie es seiner Zeit bei dem 
Königlichen Kunslgeiverbe-Museum Hierselbst geschehen ist. Die Unterstützung, 
welche die einzelnen Mitglieder statutenniäßig zu gewähren haben werden, 
besteht aber nicht allein in regelmäßigen Jahresbeiträgen, so unerläßlich 
dieselben auch sein mögen zur Bestreitung der Kosten für die Verinehrung
        
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