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Volume 8. Juni 1889 Nr, 36

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

447 Sk 
Reihe von fremden Malern an seinen Hof; ich nenne mir 
Willem van Honthorst, Franz de Hamilton, Broderns Matthias, 
Johann Morini, Nicolaus Wieling, Friedrich Wilhelm van 
Roye, Ottomar Ellinger, Heinrich de Fromantiou, Jakob Vaillant, 
Ringer van Langerveld, Reynier Nooms, genannt Zeeman, 
sämtlich Holländer oder doch, wie Matthias und Ellinger, in 
Holland geschult, endlich den französischen Resugie Gedeon 
Romandon. 
Früher noch als die eben angeführten nahm er einen 
deutschen Maler, wahrscheinlich einen Lübecker von Geburt, in 
seinen Dienst. Michael Conrad Hirt — so hieß er — 
wurde ant 3. April 1645, wie man gewöhnlich angegeben 
findet, zum kurfürstlichen Hofkontrafaiteur und Diener mit einer 
Besoldung von 400 Thalern und freier Wohnung, freiem Holz 
und freier Leinwand bestellt. Er war um 1614 geboren und 
kam aus Lübeck nach Berlin. Seine Lehrzeit mag er in 
Holland verbracht haben. Darauf weist wenigstens das von 
ihm 1644 zu Lübeck in 
gestochene Selbstporträt, welches 
wir nach einem uns voit deut 
drandenburgischen Kammerge- 
richtsrat Martin Friedrich Seidel 
(1621—1693) aufbewahrten 
Eremplare der Königlichen 
Bibliothek (Libri pictur. B. 26 
Nr. 302) in genauer Wieder 
gabe mitteilen. Es stellt den 
dreißigjährigen Künstler in 
halber Figur dar. Der nicht 
ungeschickt verwandle Lichteffekt, 
das scharfe durch die verdeckte 
Kerze motivierte Halbdunkel 
scheint den Einfluß des schon 
erwähnten lltrechter Meisters 
Gerard van Honthorst, detn 
die Italiener den Rauten 
Gerardo dalle notti gaben, 
zu verraten. Minder bedeu- 
ienb ist das Titelblatt, das 
Hirt 1642 zit den bei Laurentz 
Jauchen in Lübeck erscheinenden 
„Teutschen Poemata" des früh- 
verstorbenen Paul Fleming zeichnete. Zwei Faune befestigen 
ein Plakat mit den Titelworten inmitten einer Waldlattdschafl 
an zwei Bäumen. Unten rechts steht: M. C. Hirt. J’[nvenit]. 
D. C. H[irt?J. F[ilius|. Eine Nachbildung findet man bei 
Könnecke, Bilderatlas zur Geschichte der deutschen National- 
lileratur, 1887, S. 122. Hirts Thätigkeit war in Berlin eine 
sehr vielseitige. Er hatte die in Gold und Silber gefaßten 
Vliniaturbilder des Kurfürsten zu verfertigen, welche, an einer 
Kette um beit Hals getragen, die Stelle der heutigen Orden 
vertraten. Er malte größere Bildnisse und Historien, er hatte 
auch Deckengemälde auszuführen. Von den acht Deckenstücken, 
welche er 1648 mit Gesellen aus Holland im kurfürstlichen 
schlösse ausführte, ist noch ein im vorigen Jahrhundert über 
malter Rest, Merkur mit Psyche dähinschwebend, vorhanden. 
Welches Ansehen er in Berlin genoß, zeigt ein 1655 von 
Nikolaus Peucker zur Geburt des Kurprinzen Karl Emil 
llnammengestoppeltes Wiegenlied. Der Poet preist dem kleinen 
Leidei: ,Wan dieser Man den trunck nicht so beliebet!, hette Er vnter die 
berühmtesten vnd geschicktesten Mahler gerechnet werden hiinnen 1 . 
Prinzen den nach holländischer Manier gepflegten Lustgarten 
hinter dem Schlosse an: 
„Du siehst der Tulpen Atlas an 
Und zweiseist, ob auch Hirt, 
Ein Maler, so schon malen kann. 
Als hier gesehen wird." 
Also auch Blumenstücke scheint der vielseitige Hirt geliefert 
zu haben. Leider blieb sein Glück nicht von Dauer. Warum, 
sagt uns eine Notiz Seidels: „Wan dieser Dian den trunck 
nicht so beliebet!, hette Er vnter die berühmtesten vnd ge 
schicktesten Mahler gerechnet werden können". Der Kurfürst 
berief andere, bedeutendere Künstler, und Hirt beschränkte sich 
auf die Aufträge der Privatkunden. Er porträtierte den Rektor 
des Gymnasiums zum Grauen Kloster Johann Heinzelmann 
(1629—1687) und den Propst an St. Nicolai Peter Vehr 
(1586—1656); beide Werke wurden 1658 und 1656 von 
A. C. Kalle gestochen, das letztere hat sich noch in der Nicolai 
kirche erhalten. An demselben 
Orte befindet sich auch das 
1663 (nicht 1672) gemalte 
Bildnis seines Schwieger 
vaters, des aus der Geschichte 
der evangelischen Kirchenmusik 
wohlbekannten Cantors an 
St. Nicolai, Johann Crüger 
(1598 bis 1662). Eine Litho 
graphie desselben steht vor 
Langbeckers Ausgabe von 
Crügers Choralmelodien, 
Berlin 1835. 
Ueber die ferneren Lebens 
schicksale Hirts schwebt Dunkel. 
Naglers Angabe: „er starb um 
1690" ist offenbar bloße 
Vermutung. Seidel (ff 1693), 
der öfter zitierte Gewährs 
mann, spricht von einer Ueber- 
siedelung nach Baireuth, wo er 
gestorben sei: „Obiit Barytin 
31. C. Hirt, pictor. aetatis suae anno 30. 1044 in Lübeck. 
in ministerio MarcMonis 
Brandenburg] ci “, fügt aber 
nicht das Jahr des Todes bei. 
In Berlin weilte er jedenfalls bis 1663. Sei» Sohn Adrian 
Heinrich, der schon in Lübeck das Licht der Welt erblickt haben 
muß. war seit 1658 zu Küstrin als Porträtmaler thätig und 
erhielt 1687 den Titel Hofmaler. Das Taufregister der 
Berliner Marienkirche berichtet, wie ich den handschriftlichen 
Kollektaneen des Ordensrats A. B. König zur heimischen Kunst 
geschichte entnehme, von fünf weiteren Kindern Hirts: Eleonore 
Catharina getauft 21. April 1648, Michael Conrad 11. Oktober 
1649, Maria Elisabeth 3. Februar 1651, Hans Conrad 
7. Dezember 1652, Gottfried Siegmund 1. Januar 1661. 
Ob die Heirat mir der Jungfer Crüger vor 1648 oder zwischen 
1652 und 1661 stattgefunden hat, bleibt vorläufig dahin 
gestellt. Der 1685 zu Durlach geborene Maler Friedrich 
Christoph Hirt, den Nagler ebenfalls für einen Sohn des 
Berliner Hofmalers hält, gehört ihm schiverlich zu.
	        
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