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Volume 26. Mai 1889 Nr, 34

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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aber war der Schauplatz heiterer geselliger Spiele, welche mit 
Vorliebe gepflegt wurden." — 
Noch begeisterter spricht sich der freilich etwas redselige 
Bischof Eylert aus: 
„Wer kanit den teuren, fürstlichen Nameit Airtoti Heinrich 
von Radziwill nennen und schreiben, ohne der Eindrücke der 
Verehrung, der Freude und Zuneigung zu gedenken, ivelche 
dieser hohe Herr in seiner liebenswürdigen Persönlichkeit auf 
alle niachte und allen zurückließ, die je mit ihm in Berührung 
traten! Wahrlich, eine schöne Seele und ein schöner Körper, 
voller Geist und Sehen, voller Anmut und gewinnender, reiner 
Güte! Alles ritterlich Mutige, Poetische und Hochsinnige, 
welches inan bei edlen Polen findet, ivar in ihm vereinigt. 
Seine Paläste in Posen und Berlin waren die Wohnsitze der 
Blusen und die Sammel 
plätze der Gelehrten und 
Künstler. Alles, was die 
Dichtkunst und die Ge 
schichte, die Malerei und 
die Musik Neues und Gutes 
auszuweisen hatten, fand 
sich in seinen Sälen zu 
sammen, belebt durch die 
freundlichste, fürstliche Ho- 
spitalität. Tie Harmonie 
war der Grundton seines 
reicheit tmd reinen Ge- 
nuites, die Musik die ver 
trauteste Freundin seines 
menschettsreundlichen Le 
bens ; er verweilte gern auf 
ihren heitereti Höhen imb 
versenkte sich voller Andacht 
in ihre heiligen Tiefen." 
Diesem hochbegabten, 
bewunderten und allgemein 
verehrtet: Paare wurde am 
28. Oktober 1803 jene 
Tochter geboren, deren 
Name und Gedächtnis sich 
unauslöschlich in des großen 
Kaisers Lebensgeschichte ein 
gezeichnet hat: Prinzeß 
Elise Radziwill. 
Oswald Baer äußert sich über diese holde Fürstin in 
folgender Weise: 
„Von fast dichterischem Schwünge werden die Zeitgenossen 
ergriffen, tveirn sie das Bild der Prinzessin Elise wiederzugeben 
versuchen. Auch Treitschke nennt sie die schönste uitd an- 
uiutigste unter den jungen Damen des Berliner Hofes; Thekla 
von Gumpert, welche sie Jahre lang sah, spricht von ihr stets 
nur als von dem ,Engel' uitd behauptet, inan könne sich 
eme holdseligere Erscheinung als die Prinzessin Elise über 
haupt nicht denken. Eine ältere Dame, welche als Kind 
einst auf ihren Schoß gesessen hat, schildert sie in den nach- 
stehenden Worten: 
,Prinzeß Elise mar schlank, von mittlerer Größe inii 
feiner Taille und besaß numdervolle, große, blaue Augen von 
einem Ausdrucke, als blickten sie schwännerisch und sehnsuchts 
voll stets in die Ferne oder in die Höhe; sie halte aschblondes 
Haar und eine leicht gebogene Nase unter der hohen, edlen 
Stirn. Ohne viel Schulweisheit war sie klug, von engelhaftem 
Charakter, von tiefer Demut, herzlicher Frömmigkeit und von 
liebevoller Mildthätigkeit. Ihre Lieblingsbeschäftigung war 
Zeichnen und Malen; noch heute befindet sich in dem sogleich 
zu envähnendeit Schlosse Ruhberg in Schlesien ein voit Hans- 
stängl zu einem wohlthätigen Zwecke lithographisch verviel 
fältigtes kleines Oelgemälde von ihr: ,Das Christuskind, bei 
seinen ersten Gehversuchen von Engeln unterstützt und bewacht/ 
welches, obschon eine Dilettantenarbeit, dennoch durch die 
glückliche Komposition und die anmutige Charakterisierung der 
einzelnen Figuren eine hohe.Meinung von der künstlerischen 
Begabung der Prinzessin zu erwecken geeignet ist/" — 
Wann aber entstand 
die Neigung des Prinzen 
Wilhelm zu diesem reich- 
begabten Fürstenkinde? 
Es war im Jahre 
1818, als der Prinz mit 
seinem älteren Bruder, 
dem nachmaligen Könige 
Friedrich Wilheim IV., zum 
ersten Male das anmutige 
Thal von Hirschberg be 
suchte. Or. Baer entwirft 
ein farbenfrisches Bild von 
den geselligen und gesell 
schaftlichen Verhältnissen 
dieser Landschaft in der 
damaligen Zeit. „In 
Wannbrunn saßen", so 
sagt er, „seil uralter Zeit 
die Schaffgotsche, in Stons- 
dors und Neuhof die Für 
sten Neuß; in Kreppelhof 
und Jannowitz wohnten die 
Stollberg; in Erdmanns 
dorf ruhte Gneisenau von 
den Strapazen der Feld 
züge aus; Buchwald Hane 
der Bergbauminister Graf 
Reden zit einem weltbe 
rühmten englischen Park 
umgeschaffen, und in Fischbach residierte seit 1822 Prinz Wil 
helm, der Bruder Friedrich Wilhelms III., init seiner hoch- 
sinnigen Gemahlin Marianne, einer geborenen Prinzessin von 
Hessen-Homburg. Alle diese Familien standen im regsten gesell 
schaftlichen Verkehr mit einander, und namentlich das Haus der 
seit 1815 verwitweten Gräfin Reden, einer hochgebildeten, 
frömmelt und überaus thatkräftigen Frau, bildete einen be 
liebten Sammelpunkt schöngeistiger Kreise. Man säete, pflanzte 
und erntete; man baute Pavillons, Gewächshäuser und 
Mausoleen; man musizierte, dichtete und malte, inachle Aus 
flüge in die Berge und etikettelose Besuche; mau schrieb 
gefühlvolle Tagebücher und Briese; man legte gemeinnützige 
Anstalten an und hielt Andachtsstunden ab; man verkehrte 
aber auch niit der großen Welt, stürzte sich im Winter in den 
Verguügnngsstrudel des Berliner Hofes und empfing au 
Fürst Disrnerrü.
	        
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