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Periodical volume 20. October 1888 Nr, 3

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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sinniges Opfer der Liebe und Freundschaft sei, errichten. Freilich 
hinderte die Ausführung dieses Gedankens der Krieg, und selbst 
nach dem Friedensschluß 1763 kam die Idee nicht gleich zur 
Ausführung. Erst zehn Jahre nach dem Tode der Markgräfin, 
im Jahre 1768, ward der Bau des Denkmals begonnen, das 
Friedrich selbst den „Frcundschaftstempcl" nannte. 
Unmittelbar nach Beendigung des dritten schlesischen Krieges, 
im Frühling dcS Jahres 1763, hatte der König den Bau des 
Schlosses „Friedrichskron" am Ende des Parks von Sanssouci be 
fohlen. Die fast tägliche Gegenwart des Monarchen auf dem 
Bauplätze, der kaum eine halbe Stunde vom Schlosse Sanssouci 
entfernt ist, trieb Baumeister und Arbeiter zur Eile an, so daß 
der König schon nach zwei Jahren, 1765, im südlichen Schloß- 
flügel, dem Pavillon Trianon, wohnen, arbeiten und dort Gesell 
schaften geben konnte. Von den hohen Fenstern dieses Pavillons 
auS überflog sein Blick die weite Wiescnfläche bis zum heutigen 
Charlottenhof hin, damals an der Grenze des Parks von einem 
breiten Graben besäumt, der heute zugeschüttet, verschwunden ist, 
wie denn auch jene Wiesenfläche neuerdings bedeutend erhöht 
ist und Gartcnanlagen im englischen Stil trägt. 
Hier, wenige hundert Schritt von dem Schlosse entfernt, wo 
der laubrciche Park mit seinen hohen Bäumen und dunklen Büschen 
an die flache, gesträuchlose Wiese stieß, ließ der König den Tempel 
erbauen, den er der Erinnerung an seine ihm unvergeßliche Schwester 
widmen wollte. 
Friedrich entwarf den Bauplan selbst und übergab ihn zur 
weiteren Ausführung seinem Baumeister Gontard mit dem Befehl, 
nur Bavrcuther Künstler mit dem Bau zu betrauen. Auch in 
diesem kleinen Zuge wußte der Monarch noch das Andenken an 
die Markgräfin von Bayreuth zu ehren, wobei allerdings zu be 
merken ist, daß damals in Potsdam mehrere Bildhauer und 
Stuckateure aus Bayreuth für den König schon seit längerer Zeit 
in Arbeit standen. 
Der Bau ward sofort 1768 begonnen und ganz aus 
carrarischem Marmor aufgeführt. Das sumpfige Terrain bedingte 
ein erhöhtes Fundament. Am Rande der kreisrunde» Basis 
stehen paarweise acht freistehende kannelirtc Säulen korinthischer 
Ordnung mit niedrigen Sockeln, von denen jede ein rundes 
Medaillon mit dem Relief-Profile eines griechischen Helden zeigt, 
der sich durch ein Frcundschaftsbündniß mit einem andern Helden 
berühmt gemacht hat. Die Umschriften nennen Herakles und 
Philoktct, Orest und Pyladcs, Thescus und Pinthous, Risus 
und Euryalus. 
An der Nordseite des Tempels, wo er sich an das Gebüsch 
anlehnt, steigt auf der Basis eine ziemlich breite Marmorwand 
empor, welche mit den Säulen gemeinschaftlich die mit Kupfer ge 
deckte Kuppel des Tempels trägt. Somit erscheint der Tempel 
als eine runde von Säulen getragene Halle. Korinthische Pilaster 
selbem die Rückwand. Diese erhielt in der Mitte eine Nische, 
welche die sitzende Statue der Markgräsin aufnahm. Das Haupt 
ruht nachdenkend auf der Linken, die sich auf der Lehne des Arm- 
scsiels stützt, die Rechte hält ein aufgeschlagenes Buch und unter 
dem Arm schaut das Wachtelhündchen der Fürstin hervor. Die 
Füße sind nach antiker Art mit Sandalen bekleidet, doch ist der 
eine durch daS Gctvand verhüllt. Der taktvolle Künstler wußte 
so den nicht wohlgestalteten Fuß ungesucht zu verhüllen. Der 
Armsessel ist ein zeitgemäßer im Rokkokostyl. Das Ganze ist ein 
Werk der Bildhauer Gebrüder Ränz aus Bayreuth. — Ein aus- 
geschwungener Aufgang von sechs Marmorstufen führt an der 
Südseite in den Tempel, dessen Fußboden ebenfalls karrarischcr 
Marmor ist, außerdem kennzeichnet diesen Eingang zum Tempel 
auch ein einfaches Frontispice an der Kuppel. 
Der schmucke Tempel in seiner zarten Weiße hebt sich von 
dem dunklen Grün des Parks malerisch ab, und macht in seiner 
Einsamkeit und Stille hier, wo der Park weniger von der Menge 
der Spaziergänger betreten wird, auf ein sinniges Gemüth den 
süßen Eindruck stillen Friedens und traulicher Ruhe. Man kann 
sich des sentimentalen Hauches, der auf dieser Scenerie lagert, nicht 
erwehren, namentlich wenn der Abendsonne lange Goldfäden sich 
durchs Geäst flechten und ihre Lichtnetze auf Säule und Rasen 
werfen, oder wenn der leise Hauch des Windes durch die hohen 
Gipfel der Buchen und Platanen schlüpft und das Gezweig sich 
liebend über das Kuppeldach beugt. — 
In jüngster Zeit hat man auf dem Rasenparterre vor dem 
Tempel zwischen Rasenstücken die antike Bronzestatue eines „Diskus 
werfers" aufgestellt; wogegen der berühmte Gartenkünstler Peter 
Lenne bei Antritt der Regierung König Friedrich Wilhelms IV. 
diesen König zu bestimmen suchte, das wiesige und zum Theil so 
gar moorige Terrain vor dem Tempel bis Charlottcnhof hin aus- 
hebcn zu lassen und an dessen Stelle einen klaren See zu schaffen 
mit anmuthig geschwungenen Ufern, in dessen stillem Spiegel das 
keusche Bild des Tempels und der dunkel belaubten Seeufer 
widerstrahlen sollte. 
Ein Tempel, gewidmet der Freundschaft und Liebe, konnte, 
noch dazu in einer so eigenartigen Umgebung, dem Nachfolger des 
großen Friedrich, dem sentimentalen und weichmüthigen König 
Friedrich Wilhelm II., als ein geeigneter Ort zu weihevollen Be 
trachtungen und mystischen Handlungen nicht entgehen. Er erkannte 
sofort und schätzte den Werth einer Anlage, die sich so vortrefflich 
zu Schäferspielen, Opferfeten und mystischen, räthsclhaften Vor 
gängen eignete. — Der König, ein hingebender Verehrer der Frei 
maurerei und Roscnkreuzer, auch noch in seinem Wahne vollständig 
von solchen Gauklern, wie Bischoffswcrdcr und Wöllner bestärkt, 
war nur ein Sohn seiner Zeit. Das Weiche, Verschwommene, 
Gefühlsselige, was die Gebildeten jener Tage fast ohne Ausnahme 
zur Schau tragen zu müssen glaubten, bildete mit die Grundlage 
seines sonst so offenen, ehrlichen Charakters. Nur hieraus sind die 
eigenartigen Vorgänge zu erklären, welche unter seiner Regierung 
sich im Freundschaftstempel abspielten. 
So wurde dem Frcundschaftstempcl bei den Festlichkeiten in 
den Tagen der Doppelvermählung der Töchter des Königs, Prin 
zessin Friederike mit dem Herzoge von Uork und ihrer Schwester 
Wilhclmine mit dem Erbprinzen von Oranien, im Jahre 1791, 
auch eine besondere Rolle zugedacht, während die mannigfaltigen Ver 
gnügungen und Belustigungen zum großen Theil in und uni Schloß 
Friedrichskron, auf Sanssouci und in Monbijou gefeiert wurden. 
Auf Veranlassung der Gräfin Lichtcnau wurde am 5. August 1791 
Abends im Freundschaststempel ein Opferfest veranstaltet. Der 
Tempel war magisch erleuchtet und mit Guirlanden, welche sich in 
sanften Bogen von Säule zu Säule schwangen, geschmückt. Das 
ganze Arrangement lag in den geschickten Händen des Hof-Opern- 
sängcrs Liverati, welcher denn auch ganz zeitgemäß über das Ganze 
einen berauschenden Schleier mystischer und dabei sinnlich auf 
regender Festlichkeit breitete. Ans dem dunklen Gebüsch ertönte 
süßer Gesang, unmuthige Nymphen in antiken griechischen Ge 
wändern, blitzende Diademe im Haar, streuten Weihrauch in die 
Opferflamme auf dem kleinen bekränzten Altar, Priesterinncn in 
langen schlcppendcir Gewändcm breiteten segnend ihre Arme aus, 
und liebliche Genien im leicht geschürzten Getvande mit Blumen 
im Haar beugten das Knie vor dem tief bewegten Monarchen und 
schinückten ihn mit Lorbeer und Blumen, während der aromatische 
und berauschende Dust der Opferflamme leicht kräuselnd in die 
Höhe stieg und den ganzen Tcmpelraum erfüllte. 
Der König und die ganze Hofgesellschaft waren so entzückt 
und begeistert von dem Akt, daß man allgemein den Wunsch nach 
einer Wiederholung des Festes aussprach. Und wirklich wurde 
die Opferfete nach der Doppelhochzeit, die am 29. und 30. September 
stattfand, wiederholt. —
        
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