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Periodical volume 12. Mai 1889 Nr, 32

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Aber die erhoffte Opferwilligkeir blieb aus, — und die Spitze 
des Staiffferberges schaut noch heilt eben so kahl und rein- 
gesegt ins Land hinaus wie vor zweihundert Jahren. Hoffent 
lich nicht lange mehr. Der alle Plan ist gesallen, ein neuer 
aber an seine Stelle getreten. Dem Sprößlinge eines aildern 
schwäbischen Geschlechtes, dessen Staminbnrg weiter im Süden 
aufragt, der ein Deutsches Reich neugeschaffen, glänzender uird 
gefestigter, als es die beiden Friedriche zu träumen vermochl, 
dem ersten Kaiser des Deutschen Reiches deutscher Nation soll 
nunmehr auf der Bergeshohe ein Erinnerungsdenkmal erstehen. 
Es war kurze Zeit nach den Tagen bittersten Leides, 
welches der Ratschluß Gotres vor Jahresfrist über unser Kaiser 
haus und über das ganze deutsche Volk verhängt hatte, als 
sich im Herzen Süddeutschlands, am Fuße des alten Kaiser 
berges Hohenstaufen, eine Reihe reichs- und kaisertreuer Männer 
zusammenfand in dem großeil Gedanken, auf diesem einstigen 
Mittelpunkt des alten Reiches dem Schöpfer des neueil Deutsch- 
land ein Denkmal zu errichten, welches den süddeutschen 
Stämmen ein immerwährendes Zeichen der Zusammen 
gehörigkeit mit dem deutschen Norden sein sollte. 
Der von hervorragenden Baukünstlern entivorfene Plan 
dieses Natioualdenkmals, dessen 
Umrisse unsere Abbildung an 
deutet, geht darauf hinaus, einen 
der Größe des Berges enr- 
sprechenden Bau in romanischeilt 
Stile zu errichten, in welchem 
ein Standbild unsres Helden 
kaisers Wilhelm I., umgeben von 
den Gestalten seines edlen Sohnes 
und seiner getreuen Paladine, zu 
stehen kommen soll, während die 
Repräsentanten des ruhmvollen 
Kaisergeschlechts der Hohenstaufen 
in überlebensgroßen Bildern die 
Wände der Kaiserhalle schmücken 
werden. 
Begeisterten Wiederhall fand dieser Gedanke zunächst in 
deil Herzen der Umwohner des Hohenstaufen. In den Städteil 
Gmünd, Göppingeil unb Lorch bildeten sich unter deni Vorsitz 
des Stadtschultheißen Allinger Koinitees, deren Mühewaltung 
bereits bei den Sammlungen in genannten Orten von dem 
schönsten Erfolg begleitet waren. Finden diese wackeren 
'Männer die erwartete opferfreudige Unterstützung von seiten 
ihres hohen Laudesherrn wie des gesainten deutschen Volkes, 
so muß der schöne, aits dankbarer Liebe hervorgewachsene 
Plan gelingen. — 
Uni ein weniges zu der Verwirklichung desselben bei 
zutragen, wendet sich auch die lmterzeichnete Redaktion an 
ihre Leser mit der herzlichen Bitte, durch Wort und That, 
Bekanntgeben und Sammeln von Beiträgen den große Mittel 
erheischenden Plan fördern zu helfen und mitzubauen an 
diesem Wahrzeichen deutscher Einheit, deutscher Treue. 
Beiträge bitten wir unter Hinweis aus den „Bär" an 
Herrn Bankier G. A. Schüler in Göppingen zu richten; die 
Empfangsbestätigung erfolgt in unserm Blatte. 
Die Redaktion: 
Oskar Schwebe!. 
Grch-Glienicke und die Herren von Ribbeck. 
Des Kaisers Majestät hat das Rittergut Groß-Glienicke 
zwischen Spandau uitd Potsdam käuflich erworben. Groß- 
Glienicke wird in der Geschichte der Mark nicht selten genannt; 
im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts waren die Kloster 
frauen von Spandau und ein ritterliches Geschlecht, die Herren 
von Richow, hier begütert; im 15. aber erscheinen die Herren 
von Falkenrehde zu Glienicke angesessen. Einer dieses Ge 
schlechtes war Hauptmann im Dienste der Stadt Berlin, aber 
eiti unglücklicher Krieger. Andere Gutsteile von Glienicke 
wurdeit dann von denen von Grieben erworben, von welchen 
im Jahre 1450 ein Heinrich von Grieben bekenpt, daß er 
„zu feines Herrn reitendem Dienste verpflichtet" sei. Den 
Grieben, welche wohl nach Berlin verzogen, folgten die 
Stechow, und diesen die von Ribbeck nnb von Winning. 
Fontane hat in feinen „Wanderungen" auch Groß- 
Glienicke mit Meisterschaft geschildert, und, fürwahr, der Ort 
ist ein anziehender Punkt im Lande Brandenburg. Deim hier 
soll jene sagenhafte Schlacht geschlagen worden sein, in welcher 
der Wendenfürst des Havellandes von Albrecht dem Bären 
übermuitden wurde; von hier aus 
soll der slavische Edle aus stür- 
mendem Renner zur Havel hin- 
geflohen sein, um sie auf dem 
treuen Rosse zu überschwimmen 
und aus Schildhorn zu landen. 
Ans dem augeblicheit Schlachtfelde 
besindet sich noch heiue ein Burg- 
ivall, die „Römerschanze" genannt, 
und ein anderer kreisrunder Hügel, 
ivelcher als das Grabmal der Ge 
fallenen bezeichnet ivurde, ivar 
nach Bergan noch zu Anfang 
dieses Jahrhunderts erhalten. 
„Pfeile, Lanzenspitzen nnb 
Menschengebeine sind aus der 
Feldmark von Groß-Glieiricke gar oft gefunden worden." — 
In der Kirche aber grüßen uns die Grabsteiire der Ribbeck. 
Die beiden Hans George's vott Ribbeck, der Aeltere und der 
Jüngere, derer: zum Teile bemalte Steinbilder uns in dem 
Gotteshause martialisch gering entgegentreten, sind Gestalten 
von Bedeutsamkeit auch für die Geschichte Berlins. Sie sind 
uns allezeit gute und getreue Mitbürger gewesen; iin Dienste 
des Hofes verweilten sie nämlich fast immer zu Kölln. Hans 
Georg von Ribbeck der Jüngere war's, welcher mit seiner 
Gattin Katharina von Brösigke im Jahre 1624 den einen 
Schmuckbau ausführte, welcher von den Berliner Wohnhäusern 
älterer Zeit allein wohlerhalten geblieben ist: das hoch- 
gegiebelte Haus in der Breiten-Straße mit seiner von wavpen- 
halkenden Engelgestalten behüteten Thür, mit seinen zierlichen 
Friesen unb Mansarden. 
Rach K. E. Haase erwähtlen wir hier zugleich einer an 
mutigen Sage dieses havelländischen Geschlechtes. Dicht an 
der Seite der Ribbecker Kirche steht ein alter Birnbanm, welcher 
eitlem bemerkenswerten llinstande seine Entstehung verdanken 
soll. Vor langen Jahren ivurde nämlich in der stillen Ecke, 
welche jetzt der Birnbam» einnimmt, auf seinen ausdrücklichen 
Wunsch ein Herr von Ribbeck bestattet. Derselbe hatte sich 
fjorlimfigcr Entwurf iu dem Uationaldentimal auf dem fjnljriiftaufcii.
        
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