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Volume 14. April 1889 Nr, 28

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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jicf) von märkischen Sprüchlein nur Vereinzeltes vor. So die 
Zuschriften der Geschütze „Romulus" und „Remus", welche 
einst zu Küstriir standen: 
„Auf, auf, Roniulus, du starker Held, 
Laß' deine Stimm' klingen in das Feld! 
Des löblichen Churfürsten Johann Sigismundi du bist. 
Zu verstoren seiner Feinde Macht und List." 
und: 
„Remus bi» ich genannt mit Fug, 
Ob mich mein Bruder gleich erschlug. 
So leb' ich dennoch mit starker Macht 
Und hab' das Haus Brandenburgk in Acht." 1610. 
Brandenburgisch sind auch die Inschriften: 
„Spes mea in I)eo!“ 
! und die protestantisch - polemischen Worte des klugen Markgrafen 
} Hans von Küstrin: 
„All ander Herrschaft ist von Gott, 
Zu Hülss' dem Menschen in der Nott! 
Ohn' Satan und sein bapstlich Rott, 
Seind Herrn zu stifften Sund' und Todt. 
Der Bapst heißt recht der wilde Mann, 
Der durch sein' valschc Schalkesbahn 
All Unglück hat gerichtet an, 
Das Gott und Mensch nicht leiden kann." 
Es spricht hier der wilde Haß einer Zeit zu uns, die in 
j dem Papste nichts anders als den Antichrist, in Rom aber 
„die große Babel" erkennen wollte. Wir urteilen heute ge- 
rechier. Von sonst bekannten braudenburgischen Inschriften 
vermissen wir nur die des Knstriner „Rebhuhns" von 1565: 
„Das Reblmhn mit seinem Schnabel picket 
Daß Mancher drob zu Tod ersckiricket." 
Von ganz besonderm Werte aber ist, ivie bereits erwähnt, 
der unsere Ruhmeshalle betreffende Anhang des Büchleins. 
Wir lernen durch denselben u. a. auch einen Geschützgießer 
Heinrich Schultz kennen, welcher im Jahre 1669 zu Berlin 
arbeitete. Hochinterressaut ist ferner die kecke Schwertausschrift, 
lvelche hier sich findet: 
„Wetterherr bin ich gcnannr, ■■■•' 
Das Schwert führ' ich in meiner Hand, 
Zieh' Fürsten und Herren durch ihr Land, 
Bin allen Ehrbaren wohl bekannt. 
Allein Gott die Ehr'!" 
Fröhlichen Humor zeigt die Büchsen-Inschrift: 
„Der ist ein seltsam' Mann, 
Der ein' Schutz fehlt 
Und keine Ausred' kann." 
Mitten in die Geschichte der Freiheitskriege führt uns end 
lich die zum Schluffe mitgeteilte Losung der Fahne der — 
irren wir nicht, — von dem Fürsten Stourdza kommandierten 
russisch-deutschen Legion hinein. Sie lautet: 
„Herangekommen ist die Zeit, 
Es fällt der bunte Drache. 
Aus allen Landen weit und breit 
Erschallt der Ruf zur Rache." — 
Das Mitgeteilte wird gewiß genügen, um unseren Lesern 
das vornehm ausgestattete Büchlein Hans Zieglers auf das 
allerivärmste zu empfehlen. — 
Kleine Mitteilungen 
t ( ( jnrtxm1mttim*cktctv Küttig. Soeben geht uns die 
tolgenve Trauer-Anzeige zu: „Heute nachmittags 4>F Uhr verschied sanft 
tiad) langem schweren Leiden unser inniggeliebter Gatte und Vater, Garten- 
baudircktor emer. O. Hüttig in eben vollendeten, 62. Lebensjahre. Dies 
.rcigen tiefbetrübt an Berlin-Niederschönhausen, den 31. März 1889. 
Tie irauernden Hinterbliebenen." — Der Entschlafene war uns ein getreuer, 
hochgeehrter Mitarbeiter; noch haben wir das Manuskript „der große Kur- 
Türtt als Landschastsgärtner" von ihm in Händen. Wir werden die treffliche 
Arbeit demnächst veröffentlichen. Hüttigs gärtnerische Schöpfungen sichern 
ilim einen ehrenvollen Platz in der Geschichte unsrer Stadt für 
alle Zeit. 
Wir werden seiner nimmer vergessen! 
Die Redaktion des „Bären." 
— Einen überaus malerischen und merkwürdigen Bau der Mark 
bilde, die Kiveho Purkorrrverldo. (S. d. Jllustr.) Der Flecken 
Luckenwalde entstand erst im 15. Jahrhundert im Frieden einer alten Burg, 
„des Lucks", d. h. „der Warte im Walde", welche zu Anfang des 13. Jahr 
hunderts im Besitze des Geschlechtes derer von Rochow sich befunden hatte 
und in, Jahre 1285 mit ihrem Zubehöre von 11 Dörfern für 2500 Mark 
Geldes an das Cisterzienser-Kloster Zinna verkauft worden war. Wohl 
erhielt Luckenwalde im Jahre 1430 die Markgerechtigkeit; dennoch verblieb 
die Ansiedelung noch lange ein Acker- und Weinbau treibendes Dorf, bis 
endlich Friedrich der Große mit Thatkraft und weitausschauendem wirtschaft 
lichen Verständnisse die Tuchfabrikation hier einführte, — eine Maßnahme, 
"eiche von dem glänzendsten Erfolge und von dem segensreichsten Einwir 
kungen auf die Nachwelt begleitet gewesen ist. 
Lebendig aber spiegelt die Geschichte der Stadt sich in den, äußeren 
Bilde der St. Johannes-Kirche zu Luckenwalde wieder. Hier die Kirche 
und dort der Turm, nicht mit dem Schiffe zusammenhängend, — so steht 
in zwei getrennten Baulichkeiten vor uns. Beides sind halb Granit-, 
halb Backsteinbauten, — aufgeführt je nach der wechselnden Weise der Zeit 
von den Herren von Rochow und den „guten Vätern zur Zinne", d. h. 
. n Mönchen des Klosters „all eoeuam Domini“, — zum heiligen Abend- 
male. Der Turm, ursprünglich ein Befestigungsturm, wird als der Rest 
ucr alten Burg angesehen. Die Kirche enthält ein zweifchiffiges, mit Kreuz 
gewölben überdecktes Langhaus und einen einschiffigen Chor mit Stern- 
gewölben. An Kunstwerken finden wir in St. Johann zu Luckenwalde 
es 1 ,, hur noch einen Taufstein aus dem 15. Jahrhundert und fünf in 
^ui) geschnitzte Heiligenstatuen: allein diese Arbeiten zeugen lebhaft für 
q,n Kunstsinn der alten Cisterzienser von Zinna. Diese benialten und ver- 
j :' ,en Heiligenbilder sind vortrefflich gearbeitet, und der leider verstümmelte 
■ «Wem läßt in seinem Blätterkranze auch in den Symbolen der Evan- 
• men noch heute die Kraft und die Zierlichkeit des Meißels erkennen. 
Des Hnilees Merfeflüt hat jüngst bekanntlich auch die Stadt 
Posen besucht. Auch dort hat der erhabene Monarch seinen ächt branden- 
burgischen Sinn von neuem bekundet. Es wird uns nämlich die folgende Episode 
von dieser Kaiserreisc gemeldet. Nachden, Se. Majestät das Kriegerdenkmal 
auf dem Kanonenplay, sowie das Generalkommando besichtigt hatte, begab 
sich Allerhöchftderjelbe mit seinem Gefolge nach dem Rathause, wo 
Bürgermeister Kalkowski ihn empfing, ihm die Erklärungen über da? alte 
Gebäude gab und ihn nach den, Siadtvcrordnetcnsitzungssaal führte, wo 
selbst die Stadtverordneten versamnielt waren, Nach Besichtigung dieses 
Saales begab sich der Kaiser nach dem Sitzungssaale des Magistrats. 
Dort ließ sich derselbe die anwesenden Mitglieder "des Magistrats und der 
Stadtverordneten-Versammlung vorstellen und richtete an nichrere derselben 
freundliche Worte. Mit dem Stadtverordneten-Vorsteher Justizrat Or gl er, 
dem Bürgermeister Kalkowski, den Stadtverordneten Dr. Landsberger 
und anderen Herren sprach der Kaiser über die Ueberschwcmmung; den Stadt 
verordneten Cbef-Redakteur Foniaiie aber fragte er, ob derselbe mit dem 
märkischen Dichter gleiches Namens verwandt sei, und als die Frage bejaht 
wurde, sprach sich der Kaiser sehr anerkennend über den genannten Schrift 
steller aus, dessen „Wanderungen durch die Mark", wie der Kaiser hinzu 
fügte, eine bevorzugte Lektüre im Kreise der kaiserlichen Familie bildeten. Von 
dem Rathause aus fuhr der Kaiser nach dem Kommandanturgebäude, um 
alsdann auf dem Wilhelmsplatze die Parade über die eingetroffenen Truppen 
der Gamison abzunehmen. 
— Unserm Herausgeber, Herrn Oskar Schwebet, ist aus dem 'Geh. 
Civil-Kabinette Sr. Majestät des Kaisers nachfolgendes Schreiben zugegangen: 
Berlin, den 3. April 1889. 
Seine Majestät der Kaiser und König haben die mit Jmmediat- 
Eingabe vom 22. v. M. überreichten beiden Werke, den zweiten Band 
Ihrer „Geschichte der Stadt Berlin" und „die Sagen der Hohenzollern", 
huldreichst entgegenzunehmen geruht und lassen Ew. Hochehrwiirden für 
diese erneute Zuwendung bestens danken. 
Der Geheime Kabinets-Rath, 
Wirkliche Geheime Rath 
Lucanus. 
Inhalt: Dem Fürsten Bismarck; Unter dem falschen Wol- 
demar, Berliner Novelle von Ernst von Gleichen (Fortsetzung); Drei 
Menschen, Novelle von E. von Wald-Zedtwitz (Schluß): Das Heim des 
deutschen Kaiserpaares in dem Königlichen Schlosse zu Berlin, 
von C. Jahnel (Fortsetzung): Der Kaiserin; Das Wunder der Rosen; 
Alte Geschütz-Inschriften — Kleine Mitteilungen: f Gartenbau- 
direkror Hurtig; Kirche zu Luckenwalde (mit Jllustr.); Fontane; Schwebel. 
— Anzeigen.
	        
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