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Periodical volume 13. October 1888 Nr, 2

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Nachrichten einen auf urkundliches Material gestützten Vortrag über die aus dem 10. Jahrhundert herrührt; einige romanische Kirchen 
die Entwicklung der Kultur, Kunst und der Gewerbe in der Provinz seien im 12. Jahrhundert erstanden, dann habe durchweg der 
Posen, der durchweg das höchste Interesse der Versammlung in Kirchenbau nach gothischer Art in den Händen deutscher Baumeister 
Anspruch nahm. Der älteste Kirchenbau der Provinz ist, wie der gelegen, bis die italienische Renaisiance im 16. Jahrhundert sie 
Vortragende auseinandersetzte, die Ruine von Ostrow bei Gnesen, ! verdrängte. (Fortsetzung folgt.) 
Llcint Mittheilungen. 
Abbildungen: Der Schlüssel vom Jagdschloß Gruuewald. 
(Aus der Zeit Friedrich I.) Wie den Berliner Kunstfreunden von der 
Sammlung des Herrn Di kling er aus Wien her bekannt ist, welcher 
im Architektenhause eine reich ausgestattete Sammlung von Schlüsseln 
und Schlössern aller Länder und Zeiten vor wenigen Jahren ausgestellt 
hatte, hat man im 16.—18. Jahrhundert auf Gegenstände der Kleinkunst 
einen Fleiß und eine Sorgfalt verwendet, wie sie im Allgemeinen sich 
gerade bei diesen Dingen heutzutage mit wenigen Ausnahmen fast nirgend 
stndet. Sowohl das Material — Gold, Silber, Bronze — wie die 
Technik — Schmiede-, Filigran-, Ciselir-Arbeit — boten dem Verfertiger 
genügenden Spielraum, um dem Werke den Hauch seines Geistes zu ver 
leihen. Freilich vermischte gerade bie Zeit des Barock vielfach Stil und 
Charakter, verband figurale Ornamente (wie hier Adler, Groteskmasken) 
mit Linien- und Pflanzen-Ornament. Der Namenszug F. Ii. bietet uns 
ebenfalls einen Anhaltpunkt bei der Bestimmung der Zeit, welcher der 
nicht eben sehr alte Schlüssel angehört. 
Wer die Naturschönheiten der Mark kennen lernen will, wer einem 
Fremden neben den Genüssen der Kultur in der Hauptstadt die Reize der 
Natur in Berlins Umgebung vorführen will, dürfte keine passendere 
Gegend zu wählen haben als die Landschaften an der Oberspree oder die 
der Havelseen. Wir führen den Lesern heute eine Havellandschaft, ent 
worfen von A. Richter, im Bilde vor, die uns nicht ein leblos dahin 
schleichendes, von traurig öden Ufern begleitetes Flüßchen zeigt, sondern 
ein stattliches, in behaglicher Breite in Buchten und Windungen sich aus 
dehnendes Wasser in inselreichem Strombett, umsäumt von Erlen, Ulmen 
und Weiden am Ufer, überragt aus sanft ansteigender Höhe von Kiefern 
und Fichten. Die Segler der Lüfte, wilde Enten, auch wohl Reiber, 
schauen auf die im Schnellsegeln sich übenden Sportsmen und auf die 
schwerbeladenen. Brenn- und Baumaterial der Hauptstadt zuführenden 
Schiffe hernieder. Nirgends findet der Maler Schroffes, Starres, überall 
Liebliches, Abgerundetes, anmuthige Wellenlinien, die auf das Auge des 
Beschauers wohlthuend wirken. Lr. 
Kunkel als Iireund der Leichenverbrennung. Lange bevor in 
unserm Jahrhundert sich zahlreiche Stimmen für die jetzt nicht mehr 
seltene Leichenverbrennung aussprache», fand sich ein Freund dieser Be 
stattungsweise in derPerson eines Mannes, der in der Geschichte der modernen 
Glasfabrikation eine hervorragende Rolle einnimmt; es war dies der im 
Jahre 1702 verstorbene berühmte Alchimist Johann Kunkel, der sich 
durch Herstellung der farbenprächtigsten Glasbecher einen weitbekannten 
Namen gemacht hat. Er sprach in seinem Testamente den Wunsch aus, 
seine sterbliche Hülle möge verbrannt und mit Benutzung der hierdurch 
gewonnenen Asche ein Familienpokal gefertigt werden zu unvergänglicher 
Erinnerung an seine Verdienste in der Kunst der Glasbereitung. — 
Aehnliches wird auch von dem extravaganten Herzog v. Lauragais, einem 
Grandseigneur des französischen Hofes vor der Revolution, berichtet. 
Auf sein Geheiß mußte der Chemiker Vanderborg den Leichnam seiner 
von ihm heiß geliebten Gattin verbrennen und die gewonnene, auf eine 
ganz geringe Menge reduzirte Asche durch ein chemisches Verfahren in 
eine blaue, glasartige Masse verwandeln; diese faßte ein geschickter Gold 
schmied in einen Ring, den fortan der Leidtragende als sein köstlichstes 
Kleinod am Finger trug. 
Gin Aries Ifflands. Ein getreues Bild von den drückenden und 
beschränkten Verhältnissen, in denen sich das Theaterwesen in Berlin noch 
im Anfange unseres Jahrhunderts bewegen mußte, liefert nachstehend 
mitgetheilter Brief, den im Jahre 1807 der damalige Generaldirektor 
der Berliner Schauspiele August Wilhelm Jffland an den Schauspieler 
llnzelmann schrieb, welcher in dem gerade zur Aufführung bestimmten 
Drama von Zacharias Werner: „Die Söhne des . Thales" eine der 
Hauptrollen zu spielen hatte. „Die dringende Nothwendigkeit — so heißt 
es in dem Schreiben u. A. — fordert es, daß zur Aufführung der 
„Söhne des Thales" nur diejenigen Ausgaben gemacht werden, welche 
auf gar keine Weise vermieden werden können. Die Mühe und die 
Kunst, womit ich mich quäle, um die Zahlung der Gagen möglich zu 
machen, ist ein Zustand, von dem die Schauspieler nichts wiffen. An 
langend die Kleider des Tempelherrn, so wird dazu das vorhandene 
römische Kostüm gebraucht, wo Aermel hineingesetzt werden. Die braunen 
Stiefel, wenn es auch besser wäre, fallen weg, indem es nicht gut wäre, 
wenn nur Einige darin gingen, und ich für alle die Ausgabe nicht 
machen kann. Nach des Verfassers ausdrücklich erklärtem Willen trägt 
Hugo einen längeren Bart als die Uebrigen; das graue Haar, welches 
Sie zu „Philipp" im „Don Carlos" bekommen haben, oder irgend ein 
anderes graues Haar, welches Sie besitzen und paffend halten und wozu 
nur der Bart neu gemacht wird, kann uns die fünf Thaler für eine 
Perrücke ersparen. Wir Beide müssen gleich geharnischt gehen; besondere 
Kosten kann ich nicht daran wenden. Die Beinkleider sind die gewöhn 
lichen, welche Sie in der Oper „Die Uniform" tragen. — Ihr ergebener 
Jffland." ' P. Moldh. 
Aeltere Aerkiner Notendrücke. Friedrich Georg Unger, der Sohn 
des hochbegabten Formenschneiders Johann Georg Unger, der Vieles nach 
Meib'schen Zeichnungen herausgab, beschäftigte sich in den letzten Jahren 
seines Lebens hauptsächlich mit der Verbesserung des Notendrucks. Er 
selbst erlebte leider nicht mehr die Früchte seiner Arbeit, obschon er es 
bis zu einer patentfähigen Erfindung gebracht hatte. Seine Bemühungen 
endigten mit der Erfindung eines neuen Notendrucks, dessen Deutlichkeit 
und Schönheit alle Kenner befriedigte. Friedrich Wilhelm III. ertheilte 
deshalb seiner Wittwe, der „Professorin Unger" im Jahre 1805 ein 
Privilegium auf fünfzehn Jahre zum Schutz gegen die Nachahmung solcher 
Typen, als die Wittwe Unger Proben davon zur Patentkammer des 
Manufaktur-Collegiums geliefert hat. Die Wittwe, die um den aus 
schließlichen Betrieb der von dem verstorbenen Ehemanne, den Professor 
und akademischen Buchdrucker Johann Friedrich Unger angelegten Noten- 
druckerei mit beweglichen Typen allerunterthänigst gebeten hatte, zeigte 
zugleich an, daß die Druckerei im besten Gange ist und daß nächstens ein 
Preiscourant von den bekanntesten Formaten, z. B. von Mozart'scheu, 
Haydn'scheu Werken und Zumsteeg'schen Liedern erscheinen werde. 
Der" Componist Joh. Rud. Zumsteeg, der Genosse Schillers aus der 
Carlsschule, starb 1802, Professor Joh. Friede. Unger am 26. De 
zember 1804. P. W. 
Kaus-Inschrift in Kavelberg. An einem, dem 17. Jahrhunderte 
entstammenden, wohlerhaltenen Fachwerkbaue in Havelberg mit guten 
Holzschnitzereien befindet sich die folgende Inschrift: 
„Dieber chott, ich danke dir 
Das du aus chnaden bescherest mir 
Ein haus, darin ich wohnen kan. 
Und wen’s decheinen nicht chefeilt, 
Mich kostet es ein chut stück chelt. 
Drum dank ich, chott, 
Drum dank ich dir 
Und hoffe vest, 
Das du die deinen nicht verlest. — 
O herr hilf, 
O herr, lass wol chelingen 
Chib auch ehlück und heil zu allen dingen.“ 
Allüberall ist für das „g" im Anlaut ein „eh" gesetzt. Wir werden 
nicht fehl gehen, wenn wir in dem Holzschnitzer, welcher die sauberen, 
klaren, lateinischen Buchstaben in den Tragbalken des Hauses geschnitten 
hat, einen Sohn der rothen Erde vermuthen, welcher nach westfälischer 
Art die tenuis „g" mit der aspirata „eh" zu vertauschen gewohnt war 
und naiver Weise auch so schrieb. Bemerkenswerth ist ferner das stolze 
bürgerliche Selbstgefühl, welches sich in dieser Inschrift ausspricht. — x. 
Per Aiesenring von Groß-Auchljolz (Westprignih). Im Juni 
d. I. wurde beim Bau der neuen Chaussee von Perleberg nach Reetz 
zwischen den Ortschaften Groß-Buchholz und Grabow in einer Tiefe von 
60 cm im Zuge der alten Straße ein aus bester Altbronze gefertigter, 
grün patinirter Hohl-Ring ausgegraben, der 9,5 ei» hoch, im äußeren 
Umfange 61 cm, im inneren 30 cm mißt. Er ist aus 2 mm dickem Blech 
getrieben und scheint aus einem zerstörten Grabe zu stammen. Nach 
der schwierigen Technik und der geschickten Herstellung zu urtheilen, muß 
man in dem Ring einen fremden Einfuhrgegenstand erblicken. Nach den 
Ausführungen des Herrn Stadtrathes E. Friede!, welcher in der Fest 
schrift zur Hauptversammlung des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- 
und Alterthumsvereine zu Posen eine eingehende Beschreibung und Statistik 
aller bislang bekannten bronzenen Hohlringe giebt (mit 8 Abbildungen 
in 7i und '/o Größe) und nach 10 Gesichtspunkten alle Erklärungsversuche 
übersichtlich zusammenstellt, ist dieser Ring ein am Arm oder Bein 
getragener Schmuck-Wulst, eine Art des Putzes, welche man in Ost- und 
Hinterindien seit längerer Zeit vorgefunden hat. Dr. 
Schadows neuer K>ut. Zu Beginn der dreißiger Jahre dieses Jahr 
hunderts erzählte man sich folgenden ergötzlichen Streich, den Johann 
Gottfried Schadow dem Staatsmanne und Polizeiminister v. Schuckmann 
gespielt hatte. Die Genannten waren regelmäßige Gäste der literarischen 
Mittwochs-Gesellschaft, aus welcher v. Schuckmann stets als Letzter schied. 
Eines Abends nun — es herrschte ein entsetzliches Regenwetter —, als 
der Minister auch seinen Hut suchte, um im verdeckten Wagen nach Hause 
zu fahren, fand sich wie gewöhnlich nur noch ein einziger vor, aber nicht 
Schuckmanns alter, sondern ein unbekannter, nagelneuer. Der Minister 
stutzte zwar, nahm aber den fremden Hut, um nicht, uitbedeckten Hauptes 
fahren zu müffen. Am nächsten Morgen erschien in seinem Minister-Hotel 
Schadows Diener und brachte Schuckmanns alten Hut: „Der Herr Direktor.
        
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