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Periodical volume 16. März 1889 Nr, 24

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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kleinen Abendgesellschaft, wo sich Lori und Buffo begegnet 
waren, hatten Beide nicht von dem Bilde gesprochen. Der 
Zufall hatte es gefügt, daß er sie zu Tische führte. Tancred 
bemerkte, daß beide sich kiihl gegen einander benahmen. Lori 
unterhielt sich außergewöhnlich lebhaft mit ihrem andern Nach 
bar, während der Adjutant, gegen seine Gewohnheit, schweigsam 
war. Etwas Abgespanntes, Leidendes lag auf seinem sonst so 
frischen Gesicht. Es fiel allgemein auf und man fragte ihn, 
ob er sich nicht Wohl fühle. Er verneinte es und zwang sich 
zu einer angeregten Unterhaltung, doch lange hielt sie nicht 
Stand, bald verfiel er wieder in stilles Vorsichhinbrüten. 
Lori sah bildhübsch aus; wenn auch bleicher wie sonst, so 
darum doch nicht weniger anziehend. Die Gesellschaft war zu 
Ende und die Ehegatten fuhren anfangs schweigend nach Hause, 
Beide fühlend, daß Etwas zwischen ihnen stand, aber keiner 
ivagte, mit einein Worte daran 
zu rühren. Lori hätte weinen 
mögen, aber sie gab sich Mühe, 
eine Unterhaltung zu beginnen, 
auf welche Tancred, von tiefem 
Mitgefühl für sein junges Weib 
erfaßt, theilnehmend einging. 
Beide wußten, daß sie nur 
deshalb sprachen, um Das, 
was sie bewegte, sich einander 
zu verbergen. 
Seinen Vorsätzen getreu, 
nahm der Major mehrere Ein 
ladungen an. Fast imnier 
trafen sie in den verschiedenen 
Häusern Buffo, der sichtlich 
bemüht war, sich Frari von 
Ohlefeld so wenig wie möglich 
zu nähern, während sie in 
seiner Gegenwart eine gewiffc 
Verlegenheit nicht verbergen 
konnte, was Tancred mit stei 
gender Unruhe und doch mit 
Bewunderung für seine junge 
Frau erfüllte. 
Auch heute erhielten sie 
wieder eine Einladung. 
„Laß uns nicht hingehen", bat Lori, „ich fühle mich an 
gegriffen, es wird mir zu viel." Ohlefeld bestand auf das 
Gegentheil. 
„Ich kann nicht, bitte laß absagen," drängte Lori mit 
innerer Hast, als der Abend heranrückte. 
„Aber weßhalb willst Du nicht hingehen?" 
„Weil ich nicht kann" entfuhr es Lori flehend. 
„Gut denn", entgegnete der Major voll Mitleid und 
schrieb die Absage; diese mit ihren besseren Gefühlen ringende 
Frau hatte etwas so Rührendes fiir ihn. 
Tancred's Geburtstag kam, das Bild fehlte und Niemand 
erwähnte deffelben. Lori war aufgeregt und hatte ihrem Gatten 
einen Aufbau bereitet, der seine Erwartungen weit übertraf. 
Zwei Handarbeiten, Blumen, eine selbstgebackene Torte und 
verschiedene Kleinigkeiten, alles sinnig erdacht, waren zierlich 
geordnet und Lori begrüßte ihren Gatten mit wahrhaft 
stürmischer Zärtlichkeit. (Fortsetzung folgt.) 
Friedrich der Große in Tramnitz. 
Von Walter Schwarz. 
Zur Zeit, da Friedrich der Große noch als Kronprinz 
bei dem schönen Infanterieregiment Prinz Ferdinand in Nen- 
Ruppin stand, lebte zwei Meilen davon, auf dem Rittergute 
Tramnitz das alte Fräulein Sophie von Rohr. „Tante 
Ficken" wurde sie von Neffen und Nichten genannt. Sie 
trug eine große Dorineuse, die Schlüssel der Haushaltung in 
einem klappernden Bunde an der Seite, und hatte eine starke, 
resolute (Stimme. Im Hause schaltete und waltete sic mit 
der Thatkraft eines Mannes, hie und da auch ein Wort 
in die Außenwirthschaft hineinredend, von der sie, klug und 
praktisch, eben so viel verstand wie mancher Andere. Hellen 
Geistes, rasch von Wort, unerschrocken Jedem die Wahrheit zu 
sagen, wie sie es meinte, fehlten ihr neben den tüchtigen Seiten 
auch die angenehmen nicht. 
Ihr Humor war unverwüstlich. 
Ihre Frische lind Heiterkeit 
gewanil ihr, besvilders unter 
der Jugend, alle Herzen. 
Zwei Neffen von ihr, die 
in Ruppin standen, verspeisten 
ihren Sonntagsbratcn nirgends 
lieber, als an Tante Fiekens 
Tisch; und wurde dazu ein 
Mal die Zeit zll knapp — 
es war ein tüchtiger Ritt von 
Ruppin llach Tramnitz und 
die Wege oft grundlos! — 
so richteten sich die jungen 
Herren doch wenigstens für 
den Nachinittag ein. Immer 
noch in Begleitung einiger 
Kaineraden, die sie mitzu 
bringen pflegten, konnte man 
sie, von springenden Hlindcn 
umkläfft, fröhlichen Mlithes zur 
bestimmten Stunde in den Hof 
sprengen sehen. Tante Fielen 
fragte bei deil Frenlden nicht 
viel nach dem „wer" oder 
„wie", sondern hieß in plenc, 
die ganze lustige Schaar gastlich willkommen. Sie hatte 
gern Leben im Haus. War es zum Mittag zu spät ge 
worden, so braute sie ihren Gästen, die keine Kostver 
ächter waren, einen herzhaften Kaffee. Die niedlichen, 
amüsablen Nichten servirten ihn unter fröhlichem Gekicher, mit 
manchem schnippischen Knix. Abends kain cs auch wohl zu 
einem Tänzchen aus dem Stegreif. Tante Fiekcn war der 
Meinung: Jugend müffe lustig sein. So hatten die Tramnitzer 
Sonntage in ihrer Harmlosigkeit eine förmliche Berühintheit 
gewonnen, an der die Eigenart der Dame vom Hause durchaus 
nicht ohne Antheil war. In der Garnison knrsirten so hübsche 
Geschichten von ihr, die Kameraden schworen so einstimmig auf 
Tante Fiekens Einsicht, Biederkeit und gute Laune, daß endlich 
auch den Kronprinzen die Lust anwandelte, dies besondere 
Exemplar von einein Frauenzimmer einmal kennen zli lernen. 
Daß die Fünfzehnjährigen den Junkern die Köpfe verdrehten, 
das war ihm schon öfter vorgekommen; womit es ihnen aber
        
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