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Volume 2. März 1889 Nr, 22

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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Weinend fiel da die Frau von Hake ihrem Gatten um den 
Hals. „Ich weiß", sprach er düster, „daß Du keine Ver 
zeihung bringst. Ich habe es auch nicht anders verdient — 
ich sehe es wohl. Es hat mir bisher an Allem gefehlt, was 
mein Herz nach oben hätte erheben können; ich war ein unedel 
denkender Mensch, dem Alltagswerke des Lebens, dem Suchen 
nach dem zeitlichen Gewinne stets hingegeben. Magister Rösner 
hat die Augen mir geöffnet; was mich nach unten ziehen 
wollte, läßt mich jetzt nach oben blicken: es ist die Schuld. 
Dort ist Vergebung, dort ist Friede! Marie, — ich sterbe 
gern; — behüte Gott Dich und die Kinder, — auch wenn 
Ihr der Verbannung hartes Brod zu essen habt." 
(Schluß folgt.) 
Oer Temptlgarten }\\ Neu-Uuppin. 
Von Wilh. Anr. Wcgcncr. 
Mit Abbildung. 
Zu den historischen Stätten, an welchen Friedrich der Große 
in seiner Jugendzeit als Kronprinz gern weilte, gehörte bekanntlich 
während seines Aufenthaltes in Neu-Nuppin auch der dortige 
„Tcmpelgartcn", den er seine „Amalthea" nannte. 
Im Jahre 1735 wurde dieser von Kronprinz Friedrich und 
Knobelsdvrff angelegt und mit einem unter schattigen Bäumen auf 
einer Anhöhe stehenden, kleinen Monopteros geschmückt, einem an 
genehmen Ruhesitz, welchen der Gründer selbst in einem Briefe an 
seine Schwester Amalie beschrieb: „Ein Lusthaus in Form eines 
Tempels besteht aus acht dorischen Säulen, welche die Kuppel 
tragen, aus der eine Statue des Apoll steht". Später wurde der 
„Tempel" durch Vermauern der Zwischenräume der Säulen in 
einen geschlossenen Salon umgewandelt. 
Auf jene glückliche Kronprinzenzeit, die Friedrich hier ver 
lebte, beziehen sich folgende Verse aus einem Prolog zur fünf- 
hundertjährigen Jubelfeier des Neu-Ruppiner Friedrich-Wilhelms- 
Gvmnasiums i. I. 1865:*) 
„Die Zeit vergeht. Es bergen unsre Mauern 
Den Königssohn, der einst der Preußen Stern. 
Horch, wie am Wall der Buchen Wipfel schauern. 
Und eine Nachtigall singt hell von fern: 
Da wandelt Friedrich hin zu seinem Garten, 
Zum Tempel dort in gold'ger Abendpracht, 
Er denkt der Freunde nicht, die seiner warten, 
Er sinnt, wie er sein Volk einst glücklich macht. 
Und was in jenen Stunden einst ersonnen, 
Es ward zur That und drang von Ohr zu Ohr, — 
Der Aar der Preußen stieg zum Glanz der Sonnen 
Und Friedrichs Namen trug er stolz empor." — 
Der wohlgepflcgte, an edlen Früchten ergiebige Garten, um 
faßte zur Zeit des Kronprinzen Friedrich nur den oberen, nach dem 
Walle zu gelegenen Theil, welchen im Jahre 1800 der damalige 
Besitzer, Oberst von Tschammer, mit der Nöldcchen'schen bis zum 
Tempelthor reichenden Anlage zu einem Ganzen von etwa fünf 
Morgen Flächenraum vereinigte. 
Ueber den weiteren Fortbestand dieser wcrthvollen Besitzung 
mögen hier noch einige Mittheilungen folgen. Drei Jahre später 
kaufte das Grundstück der Kaufmann und nachhcrige Stadt- 
älteste Joh. Friedr. Rühl, welcher dasselbe bis zu seinem 1847 
erfolgten Tode besaß. 
Obgleich in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Privat- 
eigenthum, war der Tempelgarten im gewisien Sinne auch zugleich 
öffentlich, indem er der „Kasinogesellschaft" in Neu-Ruppin zur 
*) Verfaßt von SB. A. Wegen» und abgcdnickt in den „Gedenk- 
l tattern" an diese Feier, herausgegeben von Dir. Prof. Or. W. Schwartz. 
Mitbenutzung im Sonimer überlassen wurde. — In früherer 
Zeit lvarcn drei Seiten des Gartens mit einem Zaun umgeben, 
an der vierten lag die Stadtmauer. Rühl ließ etwa von 1825 
ab nach und nach in mehreren Jahren an den beiden nach der 
Fahrstraße und dem Felde zu gelegenen Seiten eine Mauer auf 
führen, die ihm 1800 Thaler kostete; der Stacketenzaun jedoch an 
der Wallscite blieb stehen, in dessen Mitte sich eine Pforte befand 
und die Baumparthie des Gartens mit den schönen drei Stadt- 
wällen einladend verband. Im Parke selbst stand ein Denkmal 
mit der ehemaligen Inschrift: 
„Im Schatten dieser Bäume 
Durchdachte Friedrich der Einzige 
Als Kronprinz die großen Pläne, 
Welche er später als König 
Glorreich zur Ausführung brachte." — 
Als Se. Majestät der König Friedrich Wilhelm HI. mit 
Ihren Königlichen Hoheiten dem Kronprinzen Friedrich 
Wilhelm und dem Prinzen Wilhelm, unserem nachmaligen 
Kaiser, bei einem Besuche in Neu-Ruppin zur Besichtigung des 
dort neu errichteten Standbildes von König Friedrich Wilhelm II., 
dem Wiedercrbauer der 1787 fast ganz abgebrannten Stadt, an, 
14. September 1829 auch den Tempelgarten in Augenschein nahm, 
ließ er sich den Besitzer desselben vorstellen und richtete einige huld 
volle Worte an ihn. 
Nach Nühl's Tode verkauften seine Erben im Jahre 1853 das 
Grundstück an den Kaufmann I. C. Gentz, welcher es wesentlich 
verschönern, mit einer treuen Mauer und Gebäuden im orientalischen 
Stil umgeben und den Tempel mit Möbeln, Bildwerken und 
Büchern aus der Zeit Friedrichs des Großen ausstatten ließ. Das 
schöne Deckengemälde des Tempels, eine Venus Anadyomene dar 
stellend, malte der älteste Sohn des Besitzers, Professor Wilhelm 
Gentz. Auch das Denkmal Friedrichs des Großen wurde erneuert 
und mit einem Marmorbildniß des Königs vom Bildhauer Max 
Wiese — jetzt Akademiedirektor und Professor in Hanau — ge 
schmückt, dem Schöpfer der Schinkelstatue in Neu-Ruppin. 
In der Folgezeit empsing der Garten auch noch den Besuch 
Ihrer Königlichen Hoheiten desKronprinzen Friedrich Wilhelm 
und der Kronprinzessin Viktoria. 
Diese durch historische Erinnerungen geweihte Stätte ist bisher 
für viele Besucher eine anziehende Sehenswürdigkeit geblieben und 
wird auch jetzt noch nach dem letzten Besitzerwechsel als Ruppiner 
„Kreis-Tcmpelgarten" zu stetem Andenken an ihren dereinstigen 
Kronprinzlichen Besitzer mit Kunstsinn gepflegt und pietätvoll in 
Ehren gehalten. 
Berlin und die berliner in den Jahren 1799 und 1800. 
Von Ferdinand Meyer. (Schluß.) 
Während dieser Episode hatten einige Paare in einer Ecke 
des Saales sich zum Tanze aufgestellt. Mit der Wuth der 
Bacchanten macht ntair die Ronde in der neuesten Angloise, reißt 
sich durch das Gewühl der Umstehenden, springt hinauf und hinab 
— unter den ungeheuren Nasen treten die Schweißtropfen hervor. 
Keine Spur von Anstand und Grazie bei diesen — Köchinnen und 
Stubenmädchen, die mit ihren Galans tanzen! 
Auf der entgegengesetzten Seite entsteht ein neues Gedränge: 
Der Hof ist erschienen, die königliche Loge beginnt sich zu füllen. 
Aller Augen richten sich auf die in Jugendschönheit prangende 
Königin Luise — sie trägt ein Charakterkostüm. An der Säule 
lehnt der König im schwarzen Domino; seine Miene ist ernst, wie 
stets — er will nicht bemerkt sein. 
Plötzlich wälzt sich ein Maskenknäuel von der Bühne her 
unter Pfeifen, Gequike und Schreien an der königlichen Loge vor- 
| über. Ein Wald von bunten Federn ragt aus seiner Mitte aus.
	        
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