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Periodical volume 13. October 1888 Nr, 2

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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bezahlet werden, wenn nach gänzlicher Vollendung und 
Errichtung dieser Statue solche sowohl Ewr. Königlichen 
Majestät höchsten Beyfall erhalten, als auch nach dem 
Urtheil der Acadeniie nach den Regeln der Kunst ganz 
untadelhaft gefunden wird; 
als worüber ich Ewr. Königlichen Majestät gnädigstem Befehl 
ehrfurchtsvoll entgegen sehe. 
Berlin, den 22. Januar 1791. 
Am 31. Januari an Min. Heinitz 
nach diesen Cvnditions bestellt. 
Dann finden sich die nachstehenden Schriftstücke vor. 
„E>v. Königliche Majestät haben mittelst Höchster Cabiuets- 
Ordre vom 31. Januar a. c. mich, den Etats-Ministre von Heinitz 
in höchsten Gnaden zu benachrichtigen geruhet, daß Allerhöchst- 
diesclben zu Anfertigung der Statue des Generals von Ziethen 
5000 Thaler für den Hofbildhaucr Schadow successive anweisen 
lassen würden. Für den zu dieser Statue benöthigten Carareschen 
und Schlesischen Marmor, auch zur Einfassung dieser Statue 
auf dem Platz mit dem benöthigten Geländer und zu den 
Transportkosten dürften noch, nach einem ungefähren Ueberschlag 
pptor. 3000 Rthlr. erforderlich sein. 
Da nun der rc. Schadow den erforderlichen Marmor, zu 
Erfüllung seines Engagements baldigst gebraucht; so bitten 
Ew. Königliche Majestät wir alleruuterthänigst, uns diese Gelder 
ebenfalls gnädigst an weisen zu lassen. 
Berlin, den 5. April 1791. 
v. Heinitz. Woellner." 
Zum Denkmal für den verstorbenen General der Kavallerie, 
Herrn von Zielen, Excellenz, kommen außer den bereits Aller 
höchst genehmigten Arbeitslöhnen, für den Künstler noch an 
Kosten vor: 
1. der Marmor von Carrara, bestehend 
in 70 Cubic-Fuß 1110 Thlr. 10 Gr. 
2. der Schlesische Marmor, bestehend 
in 100 Cubic-Fuß 500 - — - 
3. der Transport des Marmors zur 
Wcrkstätte und der Arbeit zum 
Bestimmungsort 52 - — - 
4. an Sandsteine 12 - 14 - 
5. die Maurer- und Zimmer-Arbeit zu 
fundiren und zu versetzen 80 - — - 
6. eine eiserne Einfassung, inclusive 
Materialien 950 - — - 
6. das Ebnen des Platzes und Extra - 
ordinaria 295' - — - 
Summa .. 3000 Thlr. — Gr. 
Berlin, den 30. März 1791. 
Schadow fertigte zunächst drei Entwürfe in Thon, von 
10 Zoll Höhe. Der Erste stellte Zielen mit dem Kommando 
stab in der Hand, der Zweite mit der Tigerdecke und die 
Rechte auf den gezogenen Säbel gestützt, dar; der dritte Ent- 
wurf gelangte zur Ausführung. 
Ruhig ausspähend, die rechte Hand am Kinn und die 
linke am Griff des Säbels, lehnt der Feldherr mit überschlagenem 
Bein an einem Baumstumpf. Die 7>/z Fuß hohe Original- 
Statue aus weißem carrarischen Marmor erhebt sich aus einem 
8 Fuß hohen Piedestal aus grauem schlesischen Marmor, während 
die Reliefs an den vier Flächen ans tveißcm Marmor hergestellt 
resp. eingefügt sind. 
Die Vorderseite zeigt das ausgespannte Tigerfell, als 
Abzeichen der Offiziere des Zieten'schen Husaren-Regiments, 
mit der Denkmals-Inschrift. Das Relief zur Linken stellt Zielen 
als Oberst dar, das Korps des österreichischen Generals Baroney 
und diesen selbst bei einer Wassermühle in die Enge treibend. 
Die Inschrift lautet hier: Zielen und fein Lehrer Baroney. 
Rothschloß den 22. Juli 1741. Die Rückseite enthält eine 
der Inschrift entsprechende Darstellung: Zielen und'vier sächsische 
Regimenter. Katholisch Hennersdorf den 23. November 1745; 
und auf der rechten Seite des Piedestals tritt uns „Zielen 
auf den Siptitzer Höhen, Torgau den 3. November 1760", 
entgegen. 
Die beigegebene Illustration mit der Inschrift am 
Piedestal ist nach einem Kupferstich von Fr. Bolt 1799 
angefertigt. 
Ueber das Letztere selbst, das erst nach einem dreijährigen 
Zeitraum, im Mai 1794 vollendet war, äußerte der Meister 
sich später: es sei ihm keine Arbeit schwerer geworden, als diese. 
Die nachthcilige Einwirkung unseres Klimas auf den 
Marmor machte seit Juli 1856 die Abformung der Standbilder 
behufs Wiederherstellung derselben in Bronze erforderlich, wobei 
Schwerin und Winterfeldt ein zeitgemäßes Kostüm, an Stelle 
des antiken, erhielten. Der Guß des Zieten-Standbildes war 
schon im Jahre 1857 durch das Königliche Gewerbe-Museum 
erfolgt, die herrlichen Bronze-Reliefs wurden später in das 
Granit-Postanient eingelassen. 
Bekanntlich haben sämmtliche Original-Statuen in der 
Kadetten-Anstalt zu Groß-Lichterfelde ihre Aufstellung gefunden. 
(Fortsetzung folgt.) 
Schillers Beziehungen ju Berlin. 
Von Richard George. 
Die überaus große Verehrung, welche Schiller genießt, 
soweit die deutsche Zunge klingt, bringt cs mit sich, daß man 
auf die geringfügigsten Einzelheiten seines Lebens mit Eifer 
fahndet und jeder Nachricht über daffelbe das größte Interesse 
entgegenbringt; diese Thatsache im Verein mit der anderen, 
daß nur wenigen Berlinern, selbst von denen, welche die deutsche 
Nationallitcratur einem eingehenderen Studium unterworsen 
haben, die Details des Schillerschen Aufenthalts in Berlin 
bekannt fein dürften, laffen es als begründet erscheinen, wenn 
wir im Nachstehenden versiichen, an der Hand der Quellen 
die Beziehungen unseres großen Dichters zur deutschen Reichs 
hauptstadt zu schildern. — 
Das Hauptverdienst, Schillers Aufenthalt in Berlin bewirkt 
zll haben, gebührt deni Direktor des Königlichen National- 
theaters, A. W. Jffland. Dieser, der seit Jahren mit Schiller 
bekannt war, hatte bereits gegen Anfang dieses Jahrhunderts 
den Dichter zu einem Besuche Berlins mehrfach aufgefordert. 
So schrieb Schiller schon am 29. Juni 1801 an den großen 
Schauspieler, der seit 1796 in Berlin weilte: „Ich hoffe, wenn 
es meine Gesundheit erlaubt, im August nach Berlin zu kommen; 
vorher gehe ich an die Ostsee, um das Seebad zu gebrauchen. 
Wenn Sie mir bei meiner Anwesenheit in Berlin, welche 
zwischen dem 10. und 20. August sein wird, einige Stücke
        
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