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Periodical volume 23. Februar 1889 Nr, 21

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Nach dieser Revue aber erhielt ich noch mehrere neue Freunde 
wegen der Gnade, welche mir der König markirt hatte." — 
Sv viel aus dem Tagebuche ves damaligen Junkers Karl 
Wilhelm von Hülsen über diese sür ihn denkwürdige Revue, bei 
der ihn der große König beinahe selbst zum Offizier gemacht hätte. 
Es konnte von dieser, durch den General von Below bei dieser 
Gelegenheit für ihn vereitelten Gnadcnbezeugung, auch füglich bis 
zu einem gewissen Grade heißen: 
„Was man von der Minute ausgeschlagen. 
Bringt keine Ewigkeit zurück! re." 
denn Hülfen mußte jetzt nun bis zum Jahre 1756, kurz vor dem 
Ausbruch des siebenjährigen Krieges warten, bis er seine Er 
nennung zum Offizier erhielt. Ueber die näheren Unistände, welche 
dieselbe begleiteten, erzählt derselbe in diesen für uns alle so 
wcrthvolleu Tagebuch-Erinnerungen noch das Folgende: 
„Den Winter 1753 starb der Oberst von Trenck. Dieses war 
für mich, — des mir stets erzeigten Wohlwollens wegen, — ein 
höchst empfindlicher Berlust. — Der General nahm mich nun zu 
der Leibkompagnie. Lieutenant von Reibnitz, der sie kommandirte, 
war ein sehr harter Mann, indessen hatte ich doch das Glück, mir 
seine Freundschaft zu erwerben. — Ich war beständig gesund, wo 
zu meine regelmäßige Lebensart viel beitrug. Wenn ich des Tages 
zwei Rial Kaffee trinken konnte, war ich glücklich. Ucbrigens lebte 
ich ganz ohne Sorgen und haßte alle Laster von ganzer Seele. 
Im April 1756 hatte ich eine harte Prüfung. Ich war der 
älteste Junker, und mein jetziger General so ungerecht, mir seinen 
Ncveu, der mein Hintermann war, vorzuziehen. Den Tag, da 
das Avancement bekannt gemacht ward, ging ich also zu ihm. Der 
Kammerdiener, ein alter Pommer, ging mich melden. Der General 
ließ mir aber sagen: „Er hätte nicht Zeit mich zu sprechen!" — 
Ich bat de» Kammerdiener, dem Herrn General zu sagen: 
„Daß ich warten könnte und nicht eher fortgehen würde, als bis 
er mich gesprochen hätte." — 
Der General ließ mir nun zum zweiten Male sagen: „Ich 
solle gehen; er hätte nicht Zeit!" — Kaum hatte aber der Kammer 
diener das letzte Wort gesprochen, so flog ich ihm vorbei und in 
des Generals Stube. — Bei meinem Anblick verlor derselbe die 
Contenance und rief: 
„Wat Düvcl es bat?" — Wat wöll' He?" — „Ich bitte 
untcrthänigst, Herr General, mir die Ursache wissen zu lassen, wes 
halb mir mein Hintermann vorgezogen wird?" — 
„Er ist ihm nicht vorgezogen, denn er war vor Ihm!" 
„Ich bitte untcrthänigst um Vergebung, Herr General! — 
diene zwei Jahr länger als Gottberg!" — „Das bildet er sich 
nur so ein, denn Gottberg ist eher eingeschrieben gewesen!" — 
Darauf ging er in eine andere Stube, — ich hinter ihm drein. 
„Nun, sei Er ruhig!" sagte der General. „Er soll der erste 
Offizier werden!" — 
Ungefähr nach 6 Wochen versetzte der König den Kapitain 
von Partein als Major nach Schlesien. Der Major von Schorsu 
ries mich auf Parade zu sich und sagte zu mir: „Mein lieber 
Hülsen! — Jetzt ist es Zeit, daß Sie aufmerksam sind, damit 
es Ihnen nicht verkehrt geht. Ich habe eine Ursache Ihnen 
anräthig zu sein, zu dem Kommandanten, Obersten v. K. zu 
gehen und ihn zu. bitten, daß er dafür sorgt, daß sie jetzt 
Offizier werden. Sollte er Ihnen sagen: „Wo Sie das Geld 
zu Ihrer Equipage hernehmen wollen"? so antworten Sie ihm 
nur, „daß Sie glaubten, von der Regimentskasse den Vorschuß zu 
bekommen"! — „Wenn dies aber nicht sein könnte, so schmeichelten 
Sie sich, viele Freunde zu haben, die Sie nicht im Stich lassen 
würden"! — Ich dankte dem Major von Herzen und that, was 
er mir gerathen hatte. — 
Der Oberst frug: „Ob ich mich auch equipiren könne"? — 
Ich antwortete, „daß ich hoffe, die Regimentskasse würde mir den 
Vorschuß thun!" — „Das kann sie nicht; — es ist kein Geld vor 
handen!" — erwiederte er. „Nun, soglaubeich, daß mein Vetter, 
Major von W., mir gewiß beistehen wird"! — „Alles der Major 
von W."! — schrie der Oberst. — Ich sah ihn starr an, denn ich 
wußte, daß er, seines eigenen Vortheils halber, gegen mich Parthei 
nahm. „Erlauben Sie, mein Herr Obrister, Ihnen zu sagen, daß 
ich diesem Manne noch mit Nichts beschwerlich gefallen bin, obgleich 
ich an sein Vermögen keinen geringen Anspruch machen kann. — 
Ich diene sechs Jahr unter Ihren Augen, — und der Herr Obrister 
waren Zeuge, daß Seine Majestät der König schon vor drei Jahren 
auf mich zum Offizier reflektirten, — Ich werde mich melden und 
der König wird, — wie ich gewiß hoffe, — in's Mittel treten"! — 
Der Oberst stutzte und war ganz betreten. „Na, ich werde mit 
dem General sprechen"! — Ich bedankte mich und ging gleich zu 
ihm. Als ich gemeldet wurde, hörte ich, daß er ausrief: „O, laßt 
ihn doch herein kommen" ! — „Setze Er sich, mein lieber Junker"! — 
Ich war ganz verwundert. — Nun fing der Herr General, halb 
hoch-, halb plattdeutsch, zu erzählen an: „Daß der Herr Oberst 
von K. ihm anmuthen gewesen, seinen Sohn vorzuziehen, aber er 
habe ihn abgefertigt." — Ich wollte dem General die Hand küssen. 
Er litt es aber nicht, sondern umarmte mich. „Ich habe eine 
herzliche Freude, mein lieber Junker, daß ich ihn habe zum Offizier 
vorschlagen können, denn alle Menschen sprechen gut von Ihm. Ich 
hoffe. Er wird so bleiben. — Diese Nacht ist der Vorschlag abge 
gangen. In Zeit von 10 Tagen kann Er sich darauf gefaßt 
machen"! — So bin ich Offizier geworden! 
Im April des Jahres 1757 rückte nun das Regiment in die 
Kanrpagne, das heißt zu dem siebenjährigen Krieg aus, in dem sich der 
Großvater Karl Wilhelm von Hülsen, ganz abgesehen von den, 
auf dem Monumente Friedrich des Großen, vor dem Königlichen 
Palais zu Berlin befindlichen General Dietrich von Hülsen, ruhm 
vollst hervorthat. Seine Memoiren über diesen Feldzug bilden die 
nächste Fortsetzung des Tagebuches, aus dem ich diesen Abschnitt 
hiermit der Oeffcntlichkeit übergebe. Möchte er das Interesse des Lese- 
publikums erwecken! — Es würde mich zu weiteren Mittheilungen 
aus „Friedrich des Großen Tagen" freundlich ermuthigen! — 
Kleine Mittheilungen. 
Aus der Regierungszcit des Kroßen Kurfürsten. Der große 
Kursürst war einer der Monarchen, welche sich vom ersten Tage ihrer 
Regierung an als große Regenten zeigten. Er erkannte mit richtigem 
Scharfblick, was Noth that; er ergriff und führte das Nächste unerschrocken 
zu Ende, ohne das Entfernte darüber aus den Augen zu verlieren. 
Nicht nur vertrieb er auS der Mark Brandenburg die räuberischen Feinde, 
entriß bas Herzogthnm Pommern den Schweden, verjagte aus Magdeburg 
und Halberstadt die Sachsen, und die Holländer aus Westfalen, sondern 
er befreite das Herzogthnm Preußen von der drückenden Lehnshoheit des 
übermächtigen Polenkönigs und widmete seine erste Thätigkeit diesem 
Herzogthnm. Staatsklugheit, Besonnenheit und Selbstbeherrschung waren 
seine Tugenden und verdienten bei seiner Jugend die größte Bewunderung. 
Als der Kurfürst 1613 zuerst Berlin besuchte, traf er sofort Fürsorge 
zur Errichtung neuer Regimenter und wandte seine Aufmerksamkeit dem 
Landbau, dem Handel und der Gcwerbthätigkeit zu, trotzdem die Mark 
verwüstet, die Landeskaffen leer waren. 
Die schwerbedrückten Unterthanen der Mark stifteten, als sie 1652 
den Kurfürsten von seiner Reise nach Prag zurückerwarteten, wo er sich 
persönlich an den Kaiser gewendet hatte, um die Schweden zu veranlassen 
Pommern zu räumen, deshalb eine Münze, welche den Kurfürsten zu 
Pferde darstellt mit der Inschrift: 
Unser Churfürst wieder kimmt 
Und sich seines Land's annimmt. 
Die Rückseite zeigt eine allegorische Gestalt: die öffentliche Wohlfahrt, 
und die Worte: 
Unsres Fürsten Wohlfahrt sehen 
Ist selbst unser Wohlergehen. — 
In ihm entstand auch der Gedanke, der besseren Verbindung halber, 
einen Kanal zwischen Spree und Oder herzustellen, und sechs Jahre, von 
1662—1668, ward rüstig mit vielen hundert Arbeitskräften an dem fitz 
damalige Zeit großartigen Unternehmen geschafft, welchem der Kurfürst 
bis zum Ende sein regstes Jntereffe entgegenbrachte.
        
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