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Volume 9. Februar 1889 Nr, 19

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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Prinz Gesrg von Preußen. 
Das huldvolle Antlitz mit der ernsten gedankenvollen 
Stirn, welches durch das beigefügte Bildniß dargestellt wird, 
ist den Berlinern wohlbekannt; wie oft hat man den edlen 
Hohcnzollernprinzen im schlichten grauen Soldaten-Ueberrock 
unter den Linden, raschen Schrittes wandelnd, gesehen! und 
wie oft begegnete man ihm in Kunstausstellungen unb Museen! 
Man kann behaupten, daß er zu den populärsten Figuren 
Berlins gehört. Viel dankbare Blicke folgen ihm, denn er 
ist ein Wohlthäter der Armen und Kranken. Aber er ist auch 
ein Gegenstand der Bewun 
derung für das intelligente 
Publikum, denn er ist unser 
Dichterprinz! Seine drama 
tischen Arbeiten sind von 
ganz eigenartiger Bedeutung 
und haben auf der Bühne 
große Wirkung hervorge 
bracht. Phädra, Medca, 
Klcopatra, Elektra, Alex- 
andros, Ferrara und Kon 
radin sollen hier aus den 
zahlreichen Stücken hervor 
gehoben werden, um das 
Gesagte zu bestätigen. Als 
Phädra glänzte einst Clara 
Ziegler, als Kleopatra neuer 
dings Gertrud Giers, der rei 
zende Einakter Elektra wurde 
zuerst bei einem Hoffeste in 
Potsdam gegeben und von 
den Damen der höchsten Kreise 
dargestellt. Diese poetische 
Verkörperung der Antike, aus 
weißem Marinor und rothen 
Rosen gebildet, ist später 
von Paul Heyse und andern 
Dichtern mit vielem Geschick 
nachgearbeitet worden. 
Daß zur Vollendung 
von klassischen Stücken sehr 
gediegene Studien noth 
wendig sind, ist selbstredend 
und man begreift es, daß 
Prinz Georg sich nicht gern 
an den zeitraubenden Festlich 
keiten der großen Welt betheiligt, sondern lieber ein beschauliches 
Stillleben in seinem Palais in der Wilhelmstraße führt, an 
dessen Park der Thiergarten grenzt, Ruhe und Einsamkeit dar 
bietend, die ein Dichterheim bedarf. Nur selten läßt der Prinz 
Georg Einladungen zu kleinen ausgewählten Kreisen ergehen, 
die sich durch Zwanglosigkeit und Urbanität auszeichnen. Auch 
besucht er zuweilen die Salons einiger Berliner Celebritäten, 
besonders ältere Damen, die noch das Gepräge der geistvollen 
Zeit der Rahel von Varnhagen und Bettina von Arnim sich er 
halten haben. Zu diesen gehörte namentlich Frau von Treskow*), 
*) Siehe: Berühmte Freundschaften: Prinz Georg von Preußen 
und Frau von Treskow. Von Fr. von Hohenhausen. 
welche als Freundin Leopold's von Ranke, des Fürsten 
Pückler und anderer großen Männer, einen Ehrenplatz in 
der Litteratur eingenoinmen hat, ohne selbst etwas anderes 
als Briefe zu schreiben. Sie zeitigte aber in ihrer Tochter 
Ada eine talentirte Autorin, die noch jetzt unter dem Pseudonym 
Günther von Frcibcrg ein Liebling der Leseivelt ist. Beide 
Damen erlangten das Vertrauen des prinzlichcn Dichters 
und wurden ivohl auch seine litterarischen Rathgeberinnen, 
jedoch achteten sie die freie Entfaltung des Genius viel zu 
hoch, um durch direkte Einwirkungen dieselbe zu beschränken. 
Daß sic schweigende Mitwisserinnen seiner Dichtergeheimnisse 
waren, gab dem idealen 
Freundschastsverhältniß eine 
ivirkliche Weihe. Leider 
wurde dasselbe beeinträchtigt 
durch Uebersiedelung des 
Fräulein von Treskow nach 
Italien, wo sie sich mit dein 
Signor Pinelli vcrheirathete. 
Die Mutter folgte der ge 
liebten einzigen Tochter bald 
nach und kehrte erst 1878 
nach Berlin zurück, wo sie 
an einem Hei^leiden gestor 
ben ist. Ihr Grab beweist 
durch reichen Blumenschmuck, 
wie treu ihr hochsürstlicher 
Freund ihrer gedenkt. Ich 
war noch bekannt mit ihr 
geworden und kain täglich 
in ihrer letzten Krankheit 
ihr. Einst sagte sie mit 
wehinüthigem Scherz zu inir, 
daß sie mir die Erbschaft der 
huldvollen Gnade des Prin 
zen hinterlassen wolle. Ich 
habe es ihr zu verdanken, 
daß Hochderselbe meine be 
scheidene Klause zuweilen be 
sucht, die von den gütigen 
Berlinern „Salon" genannt 
wird! 
Prinz Georg von Preu 
ßen wurde geboren am 
12. Februar 1826 zu Düssel 
dorf, woselbst seine Eltern, 
Prinz Friedrich und Prin 
zessin Luise von Preußen, geborene Prinzessin von Anhalt- 
Bernburg, damals residirten und wesentlich zur Entfaltung der 
Blüthe der jetzt so berühmten Kunststadt beitrugen. Prinz 
Friedrich von Preußen war durch seine geistige Bedeutung, 
seine körperliche Schönheit und seine leutselige Liebenswürdig 
keit allgemein beliebt und wirklich berühmt. Durch zwiefache 
Verwandtschaft mit dem Königshause verbunden, denn seine 
Mutter war die Schwester der Königin Luise und sein Vater 
der Bruder von Friedrich Wilhelm dem Dritten, nahm er den 
j höchsten Rang ein unter den preußischen Prinzen. Das künst- 
j lerisch angeregte Hofleben der prinzlichcn Eltern gab dein 
Prinzen Georg ftühzeitig Gelegenheit, sich geistig zn entwickeln.
	        
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