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Periodical volume 9. Februar 1889 Nr, 19

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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„Nicht? Aber warum denn nicht?" 
Sie trat näher an ihren Gatten heran und sah ihn voll 
in das Gesicht. „Ich wußte nicht, ob es Dir recht sein - 
würde, wenn ich es ohne Dich thäte." 
„Du süße, kleine Unschuld, glaubst Du, daß ich eifer 
süchtig bin?" 
„Eifersüchtig?" entfuhr es Lori ein wenig gekränkt. 
„Das habe ich nicht geglaubt. Aber manche Männer lieben 
es nicht, wenn die Frauen ohne sie Herrenbesuche empfangen." 
„Zu Denen gehöre ich nicht, mein liebes Kind. Ich 
würde es für einen Mangel an Vertrauen halten." 
Lori schmiegte sich zärtlich an ihn. „Mein lieber Tancred." 
Das Mittagsessen wurde aufgetragen, dem Major schmeckte 
es vortrefflich. „Ausgezeichnet, ich glaube aber, meine gute, 
selige Frau nahm zu dieser Sauce noch Capern und kleine 
Gürkchen." Das kränkte Lori, denn sie hatte das Gericht der 
Köchin selbst angegeben, aber sie entgegnete Nichts. 
(Fortsetzung folgt.) 
io) Johannes Wedigen. 
Eine Berliner Geschichte von Oskar Schwebet. 
Da kehrte der Bürgermeister zurück. Er trug, schinerzlich 
lächelnd, ein kleines Faß unter dem Arme. „Hier beider 
Städte Schatzkammer!" sprach er. „Sehet, Herr von Rochow: 
stecke ich hier das Hühnlein ein, so fließt uns nur Berliner 
Bier, und das Berliiler Bier, — der Kaiserliche wie der 
Schwede will's nicht trinken, sobald er nebenan ein Fäßlein 
Crossener, Ruppiner oder gar Bernauer findet. Hier aber 
hat das kleine Füßchen einen Doppelboden; — hier liegen für 
Hans Jürgen Hake abgezählt 440 Thaler, — die Anzahlung 
auf das Getreide, welches er der Stadt verkauft hat." 
„So braucht's also nur 60 Thaler Zuschuß!" 
„Hier ist der beiden Städte Kasse für unvorgeseh'ne Fälle, 
— für Boten- und für Briefgeld und für Waffen," fuhr 
Wedigen fort, auf ein kaum wahrnehmbares Wandspind deutend; 
— „sie wird jedoch nicht niehr als 30 Thaler an Bestand 
aufweisen." 
„Das nützt uns nichts; auch darf sie jetzt nicht an 
gegriffen werden!" erwiderte der Obrist. „So will ich selbst 
denn helfen, wackrer Freund! Ich bitte Gallas, eins meiner 
Geschmeide für jenen Fehlbetrag zu nehmen. — Es braucht 
des Dankes nicht, Herr Bürgermeister! — Sendet mir nur das 
Geld baldmöglichst zu; ich werde allen Fleiß anwenden, um 
den Feldmarschall zu dem schnellsten Abzug zu bewegen, — 
um ihn von seinen Forderungen abzubringen." 
„Und Hans Georg von Hake?" 
„Er wäre ja kein Brandenburger Edelmann, wenn er in 
solcher Noth zuerst an sich gedächte. Noch hab'ich zwar von 
ihm ein fest' Versprechen nicht, — allein, — dafür darf ich 
wohl stehen, daß er Euch nimmer drängen wird." 
„Ich rechne ganz auf Euch, Herr Obrist!" — 
Wenige Augenblicke darauf stand Rochow vor dem ge 
fürchteten Feldmarschall. „Ich habe Ew. Excellenz gehorsamst 
zu vermelden," begann er düster, „daß es, wie ich auf Kavalier 
parole es versichem kann, durchaus unmöglich ist, das baare 
Geld für Ehrengaben an die kaiserlichen Offiziere jetzo aufzu 
bringen. Und Lebensmittel abzugeben, — Herr Feldmarschall, 
— es ist nicht thunlich, wenn die Bürger hier nicht Hungers 
sterben sollen." 
„Und unter diesen Umständen rieft Ihr so dringend mich 
herbei, Herr Obrist?" 
„Ja, mein Herr Graf, — ich mußte cs! Ihr wißt, daß 
diese Städte schwer bedroht sind, — wißt, daß sic protestantisch 
sind, wie ich es bin! Sie neigen sich also zu Schweden hin. 
Wenn sie noch heut' dem deutschen Reiche angehören, — wir 
danken es der Thatkraft Eines Bürgers nur von Kölln, des 
wackern Wedigen! Wär' er nicht mannhaft auf dem Platz 
gewesen, — man hätte längst den Schweden hier geschworen! 
Kann Seine Majestät der Kaiser diese Treue mit so hartem 
Zwang belohnen?" — 
„Herr Obrist Rochow," sprach der düster-ernst darein- 
schaucnde Feldinarschall; „Ihr wißt es wohl, daß ich nicht zu 
den Unbarmherzigen gehöre; und ich selber sehe, daß dieses 
Landes Noth wohl auf das höchste Maß gestiegen ist. Ich 
muß gleichwohl thatkräftig handeln. Mit Buttler rechne ich nicht 
mehr; sein Strcifzug gegen Berlin war nichts als die Aus 
führung eines ehrgeizigen, ihm plötzlich gekommenen Planes, 
und der Kaiser wird es diesem treuen Bürgerineistcr daicken, 
daß er so hohen Mannesmuth bewiesen hat in Stunden der 
Gefahr. Allein, — wie soll ich gegen Liliehoek wohl operiren, 
wenn meine Truppen selbst das Nöthigste nicht haben, — ein 
wenig Bier und Brot? — Ihr seht, — ich halte strenge 
Mannszucht, — möcht' auch nicht haben, daß des Römischen 
Kaisers hohe Majestät sich Feinde würbe in den Landen, 
die wiederum zum Königreiche Böheim kommen sollen, welchem 
sie einst in den alten Zeiten zugehörten." 
Da fuhr der Obrist Rochow auf: „Herr Feldmarschall, 
— noch blüht Haus Hohenzolleru!" 
„Auf preußischer und auf batav'scher Erde! — Dock- 
lassen wir die ars politica! — Sagt mir nur, Obrist Rochow, 
— wie ist es möglich, daß ich meine Leute hier zum Kampfe 
führe, ohne daß sie Wegzehrung hier erhalten haben? — 
Rathet mir doch! — Ich möchte gern mich mild erweisen. 
Kann ich's aber?" 
Rochow sann einen Augenblick nach. Dann aber sprach 
er fest und fteudig: 
„Ich sehe ein, daß Ew. Excellenz Armada des Proviants 
bedarf. Mein Ehrenwort aber hat Euch bekundet, daß er 
hierorts nicht zu finden ist. So möge denn der hohe Herr 
mich hören! Ich reite heut' nach Spandau! Der Herr Statt 
halter-Meister hat noch volle Magazine; er kann dem Herrn 
Feldmarschall liefern, was Dero Gnaden uns befohlen, — 
300 Tonnen Bier und 75 000 Pfunde Brot. Es liegt dem 
Grafen Schwartzenberg daran, daß Ew. Excellenz so schnell 
wie möglich auch den Liliehoek beseitige; — es wird dem 
Herrn Feldmarschall daher schleunigst werden, was nur die 
Veste Spandau innner liefern kann. — Ich bringe mit mir" 
— und er eilte jetzt zur Thür und rief seinen Diener herbei; 
— „kein Douceur, das Euer Gnaden würdig wäre; — nur 
wenig ist's über 900 Thaler und ein uralt' Kettlein der Stadt 
Augsburg, — doch aber eine kleine Gabe für Hochdero Hof- 
und Haushalt! — Wollt Ihr, mein Herr Feldmarschall, wohl 
die Gnade haben, die beiden Städte darauf heut' noch zu 
verlassen?" 
Die ernsten Züge des Feldmarschalls hellten sich jedoch 
noch immer nicht auf. „Herr Obrist," sprach er endlich, „ich
        
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