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Volume 2. Februar 1889 Nr, 18

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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„Es wird zuviel fast, Herr von Rochow!" 
„Nur eine kleine Weile Much noch, — Bürgermeister! — 
Dann ist's entschieden, ob wir Märker bleiben und des Hauses 
Zollern treue Unterthanen! Kanu es nicht sein, so bleibt uns 
eins noch immer: das ist ein Tod mit Ehren! Allein ich 
boffe noch! Es muß dem Grafen Gallas Alles daran liegen, 
die Mark von diesen Schweden zu befreien!" 
„Herr Obrist," erwiderte der Bürgermeister düster, „Ihr 
habt es wohl gesehen, daß ich bemüht geivesen bin, jedwede 
Kraft in unsrer Stadt dem Dienste unsres Vaterlandes zu 
gewinnen; allein, — ich muß gestehen: ich fühle jetzt, wie 
meine Kräfte schwinden. Dem großen Werke, dem ich mich 
geweiht, war ich doch nicht gewachsen! Ja, wenn sie Alle sich 
erhoben hätten, im ganzeil Lande Brandenburg, auf unser 
Beispiel hin, — sie alle, wie Ein Mann; — das hätte 
meinem Herzen wohlgethan; — das hätte mich gestärkt! 
Allein dies Bangen, dieses Zagen, diese Ungeivißheit, — 
dieses Paktiren mit den Fremden reibt mich auf. Der Tod 
des einz'geu Sohnes hat mir überdieß das Herz so tief ver 
wundet, daß ich nie mehr genesen kann; — ich seh' es wohl! 
O Herr, — ich war recht unbescheiden einst; — ein Held, 
wollt' ich an meines Volkes Spitze stehen: jetzt aber weiß ich, 
daß ich viel zu schwach bin, des Heldenthumes Bürden mit 
zutragen. O käm' uns endlich doch der Friede!" 
„Noch dürfen wir auf ihn nicht hoffen!" entgegnete der 
Offizier. „Glaubt nicht, Herr Bürgermeister," fuhr er niilder 
fort, „daß ich jene Augenblicke der tiefen Niedergeschlagenheit, 
welche Euch jetzt ergriffen hat, nicht auch schon gehabt hätte 
und sie nicht auch aus eigenster Erfahrung kännte! — Allein 
sie müssen überwunden werden. Es ist sehr schwer, was 
Ihr getragen habt, Herr Bürgerincister, ja fast zu schwer für 
eines Mannes Schultern! Ich will jedoch das Meine thun, Euch 
zu entlasten. Graf Gallas ist ein Edelmann und eines deutschen 
Kaisers Diener; — ich werde es versuchen, ihn noch heute 
Abend zu bestinunen, unsere Städte auf das Schnellste wieder 
zu verlaffen. Zwei Tage wollte er ja überhaupt nur rasten! 
Allein es ging nicht anders an; — ich mußte als des Kaisers 
Offizier ihn mir zu Hülfe rufen." 
Sie waren an ihreni Ziele angelangt. „Tretet ein, Herr 
Obrist, in das Haus der Trauer!" sprach der Bürgermeister 
dumpfen Tones. 
„Welches in diesen schweren Tagen aber auch ein Halis 
der Ehre ward!" ergänzte Rochow seine Worte. — 
Frau Euphrosyne Margarethe und Jungftau Johailna 
Wedigen einpfingeil mit Ehrerbietung ihreil edlen Gast. 
Während der Bürgerincister nach dem Gewölbe seines Hauses 
eilte, um die letzte Barschaft beider Städte heraufzuholen, 
versuchte Rochow, den beiden Frauen Worte des Trostes zu 
spenden. Es war indessen selbst dem schlachtenerprobten 
Krieger überrascheild, welch' schlichtes Heldenthum ihin hier 
entgegentrat. „Meine Tochter Johanna," sprach die Matroile, 
«hat inir von dem Ende des Rittmeisters von Pfuel erzählt. 
Da preise ich Gott den Herrn, Herr Obrist, daß meiil Sohn 
anders gestorben ist, — die Fahne in der Hand, — für 
seinen Fürsten und sein Vaterland! Nur Eins ist's, was mir 
schwer noch auf der Seele lastet! Ich fühl' es wohl, daß 
meines Eheherrn und meine eignen Tage bald gezählt sind. 
Wir lasten schutzlos dann die Tochter in der wildbewegten Zeit 
zurück. Das ängstigt, — das bedrückt mich!" 
Da faßte der Herr von Rochow die Hand der Dame. 
„So lang' es noch ein Kurhaus Hvhenzollern giebt," so sprach 
er innig, „wird nie vergessen werden, was der Bürgermeister 
Wedigeil gethan! Und sollte dieser Stern, ivelcher der Mark 
zweihlindert Jahre lang geleuchtet, jetzt in Nacht und Gratis 
versinken: es wird auch dann der Männer nicht ermangeln, 
die sich erinnern, wie der Bürgermeister Wedigen ihnen ein 
Kainpfgenoß und Waffenfreund getvcsen." 
Ein dankbarer Blick der Bürgermeisterin traf ihn. „Herr 
Obrist," sprach Frau Euphrosyne Margarethe, das Auge auf 
ihre, über eine Näharbeit gebeugte Tochter hinrichtend, „ich 
danke Euch für dieses Wort des Trostes; denn ich weiß tvohl, 
daß Ihr dasselbe auch getreulich halten werdet!" — 
(Fortsetzung folgt.) 
Kaiser Friedrichs Ruhestätte in der Friedenslrirchc 
ju Potsdam. 
Von Dr. E. Kolbe in Berlin. (Mit Abbildung.) 
Vierzehn Wochen irur war es Kaiser Friedrich vergönnt, in 
Milde und Weisheit den Hcrrscherstab über All-Deutschland, das 
er selbst in blutigem Kampfe hatte einigen helfen, zu führen, da 
schloß auch er, der Edelsten einer, die Augen zum ewigen Schlummer. 
Von seinen unsäglichen, schweren Leiden wollte er, der Friedens 
kaiser, ausruhen in der stillen Friedenskirche zu Potsdam, im 
Schatten desselben Altares, wo vor ihm ein anderer Königlicher 
Dulder, Friedrich Wilhelm IV., sich hatte zur Ruhe betten lassen. 
Hier hatte Kaiser Friedrich noch als Kronprinz zwei seiner Kinder 
als stühzeitige Todesbeutc bestattet, — hier wollte auch er ruhen, 
und zwar in einem an die Säulenhallen der Friedenskirche an 
stoßend zu errichtenden Mausoleum, welche itach des Entschlafenen 
Wunsch nach dem Muster der Grabeskirchc zu Jnnichen im Puster 
thal in Tirol erbaut werden soll. Am 18. Oktober 1888 wurde 
zu diesem Bau der Grundstein unter entsprechenden Feierlichkeiten 
gelegt. Das Gebäude, das in hervorragender Weise künstlerischen 
Schmuck erhalten soll, wird sich an der Nordseite des Atriums der 
Friedenskirche erheben. Als Haupteingang zu dieser Grabkapelle 
wird die Bogeit-Nische dienen, in welcher bis jetzt Rietschel's bekannte 
„Pieta" stand; ein schmiedeeisernes Gitter ist bestimmt, diesen Vorraum 
gegen das Atrium zu abzuschließen. Die Hauptaxe der Grabkapclle 
liegt sonach in der Mittellinie des Atriums. Der zehntheilige 
Rundbau der Kapelle wird auf neun Säulen ruhen, derart, daß 
die zehnte Säule ganz weggelassen ist, um den Eingang des nach 
Osten gerichteten Altarraumes entsprechend zu erweitern. Diese 
Säulen, welche als Nundsäulen aus Syenit gedacht sind, wieder 
holen sich in gleicher Zahl im oberen Stockwerk; sie tragen eine 
mit Figuren geschmückte und von Fenstern durchbrochene, mäßig 
hohe Trommel, über welcher sich dann die in reichem Mosaikschmuck 
gehaltene Kuppel wölbt. Die Kuppel wird durch eine im Zcnith 
derselben aufgesetzte Laterne erhellt. Der Hauptraum wird durch 
zwei Umgänge, einen im Erdgeschoß und einen im oberen Stockwerk, 
umschlossen; letzterer soll bei feierlichen Anlässen für den Sängerchor 
Raum bieten. Oestlich schließt sich, wie schon bemerkt, an diesen 
Rundbau der Altarraum, zu welchem drei Stufen emporführen. 
Der Altar selbst trägt als bildnerischen Schmuck Rietschel's Pieta, 
jene tief ergreifende Gruppe, welche dem Kaiser Friedrich von je her be 
sonders lieb und werth gewesen ist. Der von weißem Marmor ge 
bildete Altar wird durch Syenitsäulen gestützt, welche in ihren Formen 
denen im Hauptraum entsprechen; auch sic haben Kapitäle von hell 
farbigem Marmor und zeigen zierliche Blattornamente im Renaissance 
stil. Ein Kreuzgewölbe überspannt den Altarraum, dessen östliches 
Fenster ein Glasgemälde erhalten wird. Rechts vom Altar wird
	        
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