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Periodical volume 19. Januar 1889 Nr, 16

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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6 pf. nebst Zinsen, eben nicht, und er hätte billig solchen vor 44 Jahren 
zurückfordern sollen. Indessen wenn ihr dessen Richtigkeit auf eine gesetz 
mäßige Art mir näher dartbun werdet, so bin ich ganz bereit, diese 
Schuldsache noch abzumachen, als euer und euer Miterben gnädiger 
König." 
Auf juristischem Wege wiesen nun die Erben die Berechtigung ihrer 
Forderung nach und es ging ihnen aus dem königlichen Kabinet die Mit 
theilung zu, daß der König ihnen den Schuldrest „nach der Letour aus 
Schlesien, nebst fälligen Zinsen von 1738 an, in Bausch und Bogen mit 
1682 Thalern 17 gr. 6 Pf. gegen Quittung auszahlen lassen werden." 
Trotz der Rückkehr des Königs aus Schlesien erfolgte aber die Aus 
zahlung des Geldes nicht und auf eine neue Eingabe lief folgende Ant 
wort ein: „Es ist wohl eure und euer Miterben eigene Schuld, daß der 
Rest eurer Forderung aus eures Erblassers Verlassenschaft, von mir nicht 
schon längst bezahlet worden ist. Hätte ich nicht so starke außerordent 
liche Ausgaben machen müssen, so würde ich den euch gesetzten Zahlungs 
termin, nach meiner Uetour aus Schlesien, eingehalten und euch be 
friediget haben. Auf die Zahlung könnet ihr inzwischen mit der größten 
Zuversicht rechnen. Sie erfolget gewiß, und ich fordere euch und eure 
Miterben nur noch zu einiger Geduld auf, als euer gnädiger König." 
Wenige Wochen darauf geschah denn auch die Auszahlung der vollen 
Summe. P. L—g. 
Der letzte Seufzer. So betitelt sich ein Gedicht, das in dem Poeste- 
Album so manches bedeutenden preußischen Offiziers, der seine Erziehung 
im Kadetten-Korps erhielt, Eingang gefunden hat, ohne daß sich die 
Person des Verfassers genau hat feststellen lasse». 
Dieses weiteren Kreisen wenig bekannte Poem lautet: 
Dort in der Friedrichstraße, 
Die ganz im Bogen geht. 
Wo unter andern Häusern 
Auch Nummer 13 steht. 
Zog einst im Monat Märze 
Ein junger Mann heraus, 
Blickt einmal noch zurücke. 
Noch einmal hin zum Haus. 
Und was er da so dachte. 
Ich las' in seinem Sinn, 
Will es auch wiedergeben 
Und schreib's getreulich hin: 
Leb't wohl, ihr alten Räume, 
Darinnen ich gelebt! 
Leb' wohl, du stille Klause, 
In welcher ich gebebt, 
Wenn zum Appell es tönte, 
Wen» zum Kap'tän es rief. 
Wenn lärmend man mich weckte. 
Wenn ich so gern noch schlief; 
Wo ich gelernt mit Seufzen, 
Das was mir Nutzen schafft, 
Wo ich so oft genossen, 
Die Speisen ohne Kraft! 
Leb' wohl, du Hof, wo Turnen 
Gestärkt den jungen Leib, 
Und wo so oft wir trieben 
Manch Spiel zum Zeitvertreib! 
Leb' wohl, du altes Zimmer, 
Das ich mit Angst verließ. 
Als endlich ins Examen 
Man mich dann steigen hieß! 
Und ihr, ihr Kameraden, 
Von dem Geschick erwählt, 
Daß ihr »och viele Tage 
In diesen Räumen zählt, 
Einst werdet ihr auch sagen, 
Seid ihr wie ich erst frei. 
Mit letztem schweren Seufzer: 
Gottlob, es ist vorbei! M. M. 
Hin preußischer Zigeuner-Soldat. Bei Sir Walter Scott, in dem 
Roman Quentin Durward, welcher die Zeiten König Ludwig's XI. von 
Frankreich und Herzog Karls des Kühnen von Burgund schildert, findet 
sich unter den Anmerkungen folgendes bisher unbeachtet gebliebenes, selt 
sames Erlebniß des berühmten schottischen Romanschriftstellers. Er schreibt: 
„Als Paris von den alliirten Truppen im Jahre 1815 besetzt war, ging 
der Autor (also W. Scott) mit einem brittischen Offizier in der Nähe 
eines von preußischen Truppen besetzten Wachtpostens spazieren. Er rauchte 
zufällig eine Cigarre und nahm diese, wie er die Schildwacht passtrt, aus 
dem Munde in Beachtung der diesbezüglich erlassenen allgemeinen Vor 
schrift, als der Soldat, zum großen Erstaunen der Spaziergänger, sie mit 
folgenden deutschen Worten anredete: Rauchen Sie immer fort, verdammt 
I« der preußische Dienst! — Als wir uns den Mann näher besahen, schien er 
ein offenbarer Zigeuner zu sein, der auf diese Weise dem Abscheu gegen 
de» ihm auferlegten lästigen Dienst Luft machte. Wenn man das Wagniß 
erwägt, welches er hierbei unternahm, muß man darauf schließen, daß ihn 
zu dieser Aeußerung nur ein hoher Grad von Abneigung veranlassen 
konnte. Wäre er von einem Sergeant oder Unteroffizier gehört worden, 
so wäre der Prügel das leichteste Straf-Werkzeug gewesen, welches man 
gegen ihn angewendet hätte." — Stammte dieser Bericht nicht aus der 
Feder eines so geachteten Schriftstellers, so würde man ihn mindestens 
anzweifeln müssen; immerhin erübrigt die Frage, wie kam es, daß ein 
Zigeuner im preußischen Dienst stand, und allgemeiner gefaßt, sind auch 
sonst Fälle bekannt, daß Zigeuner seit der Zeit der Freiheitskriege d. h. 
von der Zeit der allgemeinen Wehrpflicht ab bei uns Soldat gewesen sind? 
Es wäre wünschenswerth, daß Männer, welche mit den Rekrutenvcrhält- 
nissen unseres Vaterlandes genau vertraut sind, ihr Urtheil zur Sache ab 
gäben. E. Friedel. 
Älchalt: Drei Menschen, Novelle von E. von Wald-Zedtwitz 
(Fortsetzung); Johannes Wedigen, eine Berliner Geschichte von Oskar 
Schwebet (Fortsetzung); Aus Alt-Berliner Kreisen, von Walter 
Schwarz; Kirche zu Kietz und Kapelle zu Wootz in der Lenzener- 
Elb-Niederwische, von E. Handtmann; Berliner Leben, von 
Paul Lindenberg. — Kleine Mittheilungen: Unser Fritz; Kunst- 
auktionen; Wie Friedrich der Große Juzendschulden bezahlte; Der letzte 
Seufzer; Ein preußischer Zigeuner-Soldat; Zwei Hohenzollern (Abb.); 
Ansicht des Ritterguts Bornstedt bei Potsdam, Musterwirthschaft des 
deutschen Kronprinzen und seiner Gemahlin (Abb.) — Anzeigen. 
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