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Periodical volume 5. Januar 1889 Nr, 14

Full text: Der Bär Issue 15.1889

183 
Zweyter. 
Steh' Rund! Korp'ral raus! 
Bursch' ins G'wehr! Tambour hol 
Taback. 
Einer singt. 
Knaster, den Gelben, 
Hat uns Apollo präparirt. 
Und uns denselben 
Rekommandirt. 
Chor. 
Lckite, bibite, Collegiales 
Post multa saecula pocula nulla. — 
etc. etc. 
Dies halb studentische, halb militärische Lied scheint aus den 
heutigen Liederbüchern verschwunden zu sein. 
Die andere Weise beginnt im Germania-Liederbuch von 1817: 
Qa ?a geschmauset. 
Laßt uns nicht rappelköpfisch seyn. 
Wer nicht mit hauset. 
Der bleib' daheim! 
Chor: Lckitc, bibite, Collegiales 
Post multa saecula pocula nulla. — 
Aus dem zuvor Gesagten geht hervor, daß der Vogel noch 
nicht abgeschossen d. h. die Frage noch nicht gelöst worden ist, was 
der Ausdruck „Apollo" im Knasterlied bedeutet. Wir werfen sie 
unserm Leserkreise auf, zugleich mit der Vorfrage: in welchem Jahre 
ist das Knasterlied mit seinem wunderlichen Apollo zum ersten Male 
bekannt geworden? 
Kleine Mittheilungen. 
I'rosit Weujahr! „Prost Neujahr! Prost Neujahr!" — Wie ein 
vieltausendstimmiges, sich stets erneuerndes und immer weiter fortpflanzendes 
Echo durchhallt dieser eine Ruf in den ersten Tagen des neuen Jahres die 
Millionenstadt von einem Ende zum anderen. „Prosit Neujahr!" Bekannte 
und Freunde rufen es sich auf der Straße zu, in den Pferdebahnen und 
im Omnibus, in Weinstuben und Bierlokalen, „Prost Neujahr!" und ein 
fester Druck der Hand dazu bekräftigt die guten Wünsche, die man zu 
dieser Zeit in besonderem Grade für Jeden hegt, zu dem uns die Lebens 
wellen in ein näheres Verhältniß gebracht. Wie eine fröhliche Zauber 
formel wirken die beiden Wörtchen auf Alle ein, die sie vernehmen. Wo 
hin man blickt, sieht man gutgelaunte Gesichter; ein Jeder erwartet ja 
von dem neuen Jahr das Beste, einem Jedem hat das alte diese oder 
jene Enttäuschung gebracht und man hofft von dem Nachfolger, daß er 
die unerfüllt gebliebenen Wünsche verwirklichen wird. — Niemand will 
mit schlimmen Ahnungen und Befürchtungen die Schwelle des neuen 
Wahres übertreten. 
Während Berlin sonst an den Sonn- und Festtagen eine etwas 
langweilige, gewissermaßen von der vorangegangenen Arbeitswoche er 
müdete Physiognomie ausweist, schlägt am Neujahrstage das öffentliche 
Leben sehr erregte Wogen. Die Straßen sind mit Menschenmengen dicht 
gefüllt, sorgfältig gebügelte Cylinder und Blumensträuße in allen Größen 
bilden spezielle Merkmale des bedeutsamen Tages, in den Pferdebahnwagen 
ist kein Plätzchen frei, und die Droschkenkutscher schmunzeln vergnügt ob 
der langen Touren „auf Zeit", die sie heute in unerschöpflicher Reihen- 
iolge erhalten; auch in den Restaurants ist ein stetes Kommen und Gehen 
— das „Visitenschneiden" macht Durst, und außerdem klimpert auch noch 
in den Taschen Vieler das Weihnachtsgeld, welches ein „flüssiges" Prosit 
Neujahr ermöglicht. 
Ebenso lebhaft wie auf den Straßen geht es in den Häusern her, 
in denen von einer feiertäglichen Ruhe nicht das Geringste zu merken ist. 
Fortwährend erschallt das Läuten der Klingel in den Entrees der 
Wohnungen, „Prost Neujahr!" hallt es den Oeffnenden entgegen. „Wir 
gratuliren zum neuen Jahr!" und Alle, die wir täglich zu sehen gewohnt 
sind und die oft genug ihren Beruf mit mürrischen Mienen erfüllen, sie 
stehen heute mit einer freudigen Erwartung im Antlitz vor uns und ihr 
Glückwunsch hat einen speziellen innigen Klang, der denn auch stets seine 
„metallische" Erwiderung findet. — „Profit Neujahr!" rufen denn auch 
wir zum Schluß unseren Lesern zu — möchte für sie und für uns das 
neue Jahr ein glück- und segenbringendes sein! 
Ariedrich der Kroße läßt sich für Held sehen. Als der König nach 
der Schlacht bei Zorndorf in einem Städtchen erwartet wurde, hatte sich 
eine Menge vornehmer Herren in seinem Quartier versammelt, um ihn zu 
empfangen. Ein Bauer hatte sich auch eingefunden und drängte sich mit 
hinein, wo der König weilte. Die Hofbedienten stießen ihn hinaus, als 
der König dazu kam und ihn fragte: „Was willst Du denn hier?" — 
»Ich will auch den König sehen," lautete die Antwort. „Das kann schon 
geschehen, aber umsonst geht das nicht, die andern Herrn bezahlen dafür, 
nur der Kassirer hat es umsonst; nimm also Deinen Hut und fordere 
das Geld ein, dann brauchst Du nichts zu bezahlen." Der Bauer ließ 
sich dies nicht zweimal sagen. „Du kannst bei mir anfangen," sagte 
Friedrich lächelnd und warf ein Goldstück in den Hut. Keiner der An 
wesenden wagte es, sich auszuschließen. Als nun der Bauer mit dem 
Einsammeln fertig war und fragte, an wen er das Geld abgeben sollte, 
klopfte der König ihm freundlich auf die Schultern und sagte: „Nun 
weißt Du, wie das zu verstehen ist, wenn die Leute sagen: es kostet Geld, 
wo sich der König sehen läßt. Aber für sich behält er es nicht, das 
merke Dir." — Nun erst sah der verblüffte Bauer ein, woran er war. 
Der König entzog sich aber seinem Danke. vr. Th. Unruh. 
Inhalt: Zum Gruß im neuen Jahr 1889, von F. Brunold; 
Drei Menschen, Novelle von E. von Wald-Zedtwitz; Aus dem 
Berliner Musikleben vor 50 Jahren, von Gustav Karpeles; 
Karl Ludwig Hencke, von O. F. Gensischen (mit Abb.); Knaster, 
der gelbe, und Apollo, von Ernst Friede!. — Kleine Mitthei 
lungen: Prosit Neujahr (mit Abb.); Friedrich der Große läßt sich für 
Geld sehen. ■— Anzeigen. 
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