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Periodical volume 5. Januar 1889 Nr, 14

Full text: Der Bär Issue 15.1889

Unter Mitwirkung 
Dr. R. Beringuier, K. Ludczies, Theodor Kontane, Stadtrath L. Sriedel, 
Gymnasialdirektor Dr. lv. Schwart;, Pastor Gscar Schwebe! und Ernst von lvildenbruch 
herausgegeben von 
K. Schon's Dcrkagsbuchljandluiig, Werkin. 
XV. 
Iahraang. 
Nr. 14. 
Erscheint rvöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Post- ! 5. Januar 
anstaltcn für 2 MK. 50 pfg. vierteljährlich zu beziehen. — Im Postzcitungs-Uatalog eingetragen unter Nr. öSZa. 1889. 
—— 
„ Vaterland, an's theure schließ Dich an!" 
Hört Ihr des Dichters Ivort. des Dichters Mahnung? 
wie Drühling nach dem Minier bricht sich Bahn, 
Do geht durch's Herz in übersel'ger 2lhnung 
Das eine Ivort — es giebt kein schöner Band: 
Treu, schwör ich, bleib' ich Dir, mein Vaterland! 
Zieht Dehnsucht zu der Derne mich hinaus. 
Ruft mich der Duden heut, unb dann der Norden; 
Das deutsche lvort zieht mich zurück ilach Haus, 
Das Heimweh ist zur Nrankheit mir geworden. 
Nein Land so schön, so festgefügt ich fand, 
Do hoch und stark als Dich, mein Vaterland. 
Das deutsche Lied, es ist die Rose roth. 
Die stets uns mahnt, zu kämpfen und zu werben. 
Das Lied, es spricht: es giebt nicht schöneren Tod, 
Als für das Vaterland im Nampf zu sterben. 
D'rum wie zum Tidschwur hebet sich die Hand: 
Mit Gott, mit Gott! für Nönig, Vaterland! 
F. Brunold. 
— . 
Drei Menschen. 
Novelle von E. von Wald-Zedtwitz. 
„Das Offizierkorps des xten Garde - Regiments z>i 
Fuß giebt sich die Ehre, Frau Hauptmann Baronin von 
Rohdewald nebst Fräulein Tochter zu Donnerstag den 
9. Januar, Abends ] / 2 8 Uhr zu Thee und Tanz in den 
Räumen des Kasinos, Friedrichstraße 277 sehr ergebenst ein 
zuladen. 
U. A. iv. g. 
Berlin, d. 1. Januar 18 ..." 
Lori von Rohdewald hielt diese Karte in der vor freudiger 
Aufregung zitternden Hand und las das, was sie bis dahin 
nur hastig überflogen, jetzt bebender Stinune ihrer Mitter vor. 
„So?" sagte Frau Asta von Rohdewald, ließ die Arbeit 
sinken und legte sich weit in den geschweiften Lehnstuhl zurück, 
welcher auf einein altmodischen Tritt nahe am Fenster stand. 
„Erinnert sich das Regimemt auch unserer einmal?" klang 
es etwas bitter aus ihrem Munde. wobei sich ihre feinen, 
überarbeiteten Züge ein wenig röthetcn und sie die matten 
Augen, deren Sehkraft sie dlirch eine Brille zu verstärken 
suchte, fragend auf ihre Tochter richtete. Es war ein schmerz- 
licher Ausdruck, der in diesen einst getviß schönen Augen 
lag, welche jetzt Spuren von heimlich vergossenen Thränen 
zeigten.
        
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