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Volume 6. October 1888 Nr, 1

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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lebhaftester Beziehung^ stehender Vororte, z. B. Steglitz und Lichter 
felde, gehört zum ObPr-Postdirektionsbezirk Potsdam. Auf diesem 
kleinen, von etwa anderthalb Millionen Menschen bewohnten Gebiete 
bestehen zur Zeit 151k Post- und Telegraphcnanstalten, welche einen 
gewaltigen Verkehr vermitteln. Aus der uns vorliegenden amtlichen 
Statistik für 1886 h/eben wir nur hervor, daß in Berlin allein 
in dem bezeichneten Jahre für Empfänger im Orts- und Land 
bestellbezirk 134 512 900 Briefe und mehr als 5 Millionen Pallete 
eingegangen sind, w ährend die Zahl der hier zur Beförderung ein 
gelieferten Postsendungen noch erheblich größer ist, die der aufge- 
. 9 Millionen übersteigt. An Telegrammen 
sind 1886 hier eingegangen 1 774 994, aufgegeben 2 268 590 Stück. 
Auf die der neuestes Zeit angehörige großartige Entwickelung des 
J gen FernspreiMvesens, welches über 12 923 Km Leitung verfügt 
o bereits mehr als 8000 Anschlüsie hergestellt hat, brauchen wir 
lere Leser, welche diese Anlage täglich vor Augen und vielfach 
ist im Besitz haben, nicht besonders 
hinzuweisen. Weniger bekannt dürfte 
fein, in welchem Umfange Berliner 
Postanstalten an der Beförderung der 
Sendungen über den Bezirck hinaus 
betheiligt sind. Die fünf Bahnpost 
ämter, welche in Berlin ihren Sitz 
haben, befördern auf den von hier 
ausgehenden Bahnen in eigenen Wagen 
unter Beamtenbegleitung die Post 
sachen u. A. bis Hamburg, Stral 
sund, Danzig, Bromberg, Breslau, 
Görlitz, Dresden, Cassel, Holzminden 
und Hannover. Mit der Bewältigung 
dieses großartigen und vielseitigen 
Verkehrs ist eine zahlreiche Beamten 
körperschaft betraut. Die größten 
Aemter in Berlin verfügen über 
Hunderte von Beamten, bei dem Hof- 
Postamte und dem Packet-Postamte 
sind je weit über 400, bei dem Haupt- 
MWelegraphenanit nicht weniger als 
^w0 Beamte in Thätigkeit. 
An der Spitze der für dieses 
Betriebswesen als Bezirks-Verwal 
tungsbehörde eingesetzten Ober-Post- 
direktion steht seit sechs Jahren der 
verdienstvolle Beamte, dessen lebens 
treues Bild diese Blätter schmückt. 
Der Ober-Postdirektor, Herr Geheime 
Ober-Postrath Schiffmann, welcher am 1. April 1882 hierher 
berufen wurde, übernahm, wohl vorbereitet durch eine in vier- 
undvierzigjähriger Amtsthätigkeit erworbene Erfahrung, die hiesige 
bedeutungsvolle Ober-Postdirektorstelle. 
Julius Friedrich Hubert Schiffmann stammt aus der Provinz 
Pommern, welcher Preußen eine besonders große Zahl hervor 
ragender Staatsdiener verdankt. Er ist in Rügenwalde am 
13. Februar 1821 als Sohn eines Kaufmanns geboren, erhielt 
* seine Vorbildung in der höheren Bürgerschule seiner Vaterstadt und 
trat im Alter von 13 Jahren zum Gymnasium in Cöslin über, 
welches derzeit unter der Leitung des Professors Otto Moritz Müller 
sich eines wohlbcgründeten guten Rufes erfreute und Männer 
von großer Bedeutung ausgebildet hat. Zu den Mitschülern 
Schiffmanns zählten u. A. Lothar Bücher, Harry von Arnim und 
Rudolf Virchow. Rach Absolvirung des Gymnasiums trat Schiff 
mann am 25. September 1838 in der Eigenschaft als Postschreiber 
bei dem Postamte in Mühlheim am Rhein in den Preußischen 
Postdienst. Die Aussichten auf feste Anstellung in diesein Dienst 
zweige waren damals nicht günstig, in der Regel vergingen zehn 
bis elf Jahre, bis der junge Beamte in eine Postsckretairstclle ein 
rückte. Dies traf auch bei Schiffmann zu, welcher erst im Januar 
1849 als Postsekretair und zwar bei dem Postamte in Ratibor 
angestellt wurde. Vorher, von 1843/44, hatte er in Berlin bei 
dem Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regiment seiner Militärpflicht 
als Einjährig Freiwilliger genügt und war durch die Beschäftigung 
in verschiedenen Provinzen in der Lage gewesen, den Postdienst 
gründlich kennen zu lernen. In den Jahren von 1844 bis 1848, 
während Schiffmann bei dem Hof-Postamt in Berlin und vorüber 
gehend auch in der Geheimen Kalkulatur des General-Postamts 
thätig war, scheint man seine Tüchtigkeit und Begabung bereits 
erkannt zu haben, denn es bedeutet unstreitig eine besondere Aus 
zeichnung, daß der junge, eben erst angestellte Postsckretair im 
September 1849 von Ratibor nach Berlin berufen wurde zur 
: Betheiligung an der Ausarbeitung einer Postdienstinstruklion. Er 
kehrte nach Ratibor nicht zurück, wurde 
vielmehr nach Brombcrg versetzt, be 
stand bald nachher die höhere Post- 
verivaltungsprüfung und wurde un 
mittelbar danach zum Bezirks-Post- 
kassen-Kontrolcur befördert. Nunmehr 
gestaltete sich seine fernere Dienst 
laufbahn außerordentlich günstig. Im 
Jahre 1857 wurde ihm die Post- 
inspcktorstelle für den Ober-Post- 
dircktionsbezirk Stettin übertragen, 
eine wichtige Stellung, in welcher seine 
organisatorische Veranlagung sich be 
sonders nutzbringend bethätigen konnte. 
Der Ende 1863 begonnene Feldzug 
gegen Dänemark bot eine neue Ge 
legenheit zur Verwerthung seiner her 
vorragenden Fähigkeiten: cs wurde 
ihm bei der mobilen Armee die Stelle 
des Armee - Postmeisters zu Theil. 
Noch vor Beendigung des Feldzuges 
— im Oktober 1864 — erfolgte seine 
Ernennung zumPostrath. Mit Beginn 
des bekanntlich durch Einführung des 
Postanweisungsverkehrs in Preußen 
bedeutsamen Jahres 1865 wurde dem 
Postrath Schiffmann die Ausgabe, das 
Kontrolbüreau für Postanweisungen in 
Berlin einzurichten und am 1. April 
1865 wurde er zur Uebernahme der 
Postrathsgeschäfte bei der Obcr-Postdirektion in Potsdam berufen. 
Seine Amtsthätigkeit bei dieser Ober-Postdirektion, welche von dem 
hochverdienten Ober-Postdirektor, Geheimen Pvstrath Balde geleitet 
wurde, dauerte nur etwa ein Jahr, da der bewährte Beamte im 
Feldzug. gegen Oesterreich zu der wichtigen Fclddienststelle als Feld- 
Ober - Postmeister berufen wurde. Nach Beendigung des Feld 
zuges kehrte Schiffmann nach Potsdam nur zurück, um von da 
seine Uebersiedelung nach Hannover zu bewerkstelligen, denn er war 
dem General-Postdirektorium in Hannover als Mitglied zugetheilt 
worden und wurde, nach Auflösung dieser Behörde, Ober-Post- 
direktor und Chef der 1867 neu in Wirksamkeit tretenden Ober- 
Postdirektion zu Hannover. Es war eine gewaltige Aufgabe, das 
Postwesen in dem gesammten Gebiete des vormaligen Königreichs 
Hannover in der Weise zu ordnen und einzurichten, wie es bis 
dahin in den alten preußischen Provinzen bestanden hatte und nun 
für den Umfang des Norddeutschen Bundes maßgebend wurde. 
Nachdem inzwischen längst große Theile der Provinz Hannover 
den benachbarten Ober-Postdirektionen in Braunschweig, Hamburg, 
Professor 0r. Mahner
	        
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