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Periodical volume 29. Dezember 1888 Nr, 13

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Adler! — Und wie sie vorwärts ziehen! Nein! Das sind 
nicht Schweden; — das sind Brandenburger, — Meister Arndt!" 
Die beiden Männer eilten die Wendeltreppe des Wart- 
thurmes hinab. Bald kamen die Nahenden vor der Ver- 
schanzung an. Das Falkenauge Hans von Hake's hatte recht 
gesehen: es waren Brandenburger. Allein die schwarz und 
weißen Federn auf den Hüten waren arg zerknickt — die Züge 
rauchgeschwärzt, — der Arni, die Schulter waren manchem 
guten Mann verbunden. 
„Einlaß! Macht schnell!" so rief's hinüber. 
„Wer seid ihr?" klang's zurück. 
„Seht ihr's denn nicht? Kurbrandenburgische Dragoner! 
Wollten das alte Schloß zu Zossen gern behaupten! Es ging 
nicht a»! Der Buttler ist uns auf den Fersen! Macht schnell 
und rüstet euch zum Kampfe! Wir Helsen gern, soviel wir 
können!" — 
Es wurden Bohlen über den Graben gelegt, welcher die 
Heerstraße durchzog. Die sechs oder sieben Reiter führten ihre 
Rosse hinüber, und jetzt erst bemerkte der Herr von Hake, wie 
erschöpft die Pferde und die Leute waren, und wie wild der 
übcrstandcnc Kampf gewesen sein mußte. „Rittmeister Centmeyer 
vom Regimente Strauß, das jetzt kein Regiment mehr ist!" 
stellte der Führende des kleinen Reitcrtrupps sich vor. „Gott 
Lob, daß wir zu Euch gelangten! Die Schanze hier wird 
sich wohl eher halten lassen! — Junker und Bürger? — Ja 
wohl; so ist es recht! — Wir wollen helfen, — wie ich euch 
schon sagte, — tvacker helfen! Wir haben auch das Eulcnnest, 
das Zossencr Schloß, erst daun verlassen, als der alte Thurm 
zu wanken anfing, und ein Mauerstück von seiner Zinne mir 
einen meiner muth'gcn Männer jäh' erschlagen hatte." — 
„Wo weilt der Obristlicutcnant von Strauß?" fragte 
Hans Jürgen von Hake, dem Offizier die Hand reichend. 
„Wir wissen's nicht; — wir wurden leider schon getrennt, 
als wir den Ausfall thaten! Wir wollten nach der Beste Peitz 
uns retten! Allein die Schweden Buttler's standen wie ein 
Wall von Fels und Stahl vor uns. Ich tvurdc von ihm 
abgedrängt, dem wackeren, kühnen Strauß! Sv wüthend 
hab' ich diese Reiter Buttler's nie gesehen! — Fast ist's 
ein Wunder, daß ich die Standarte noch gerettet! — Doch 
hört! War das nicht schon das Echo eines Schusses? — Es 
folgen uns wohl ein'ge noch von meinen Reitern! — Lahm 
aber sind die Rosse, — wund die Männer! Sie wehren sich 
im Walde noch mit letzter Kraft; — dann aber saust der 
Pallasch nieder, und die Kugel bahnt sich ihren Weg zum 
Herzen! Nun denn, — so laßt uns Rache nehmen hier! — 
Wer kommandirt in Kölln und in Berlin? — Moritz Augustus 
Rochow? — Schicket ihm schleunige Botschaft! — Seht, — 
da nahen sie bereits!" — 
Vom Waldcsrande auf der Höhe hinter Rixdorf her er 
klangen jetzt die Trompeten, — erdröhnten jetzt zahlreicher 
die Schüsse. Dann erscholl ein langgezogenes Signal. „Achtung! 
Schießt wacker, — aber ruhig, — kalten Blutes!" sprach 
Johann Georg von Hake zu dem Sattler Arndt, und dieser 
ging, um seinen Platz hinter dem Zinnenkränze der alten Warte 
wieder einzunehmen. 
Ein stolzer Zug' schwedischer Reiter nahte dein Thurme; 
— betroffen aber hielten sie, als sie die Verschanzung erblickten. 
Sie wagten sich nicht näher. Wie pochten denen auf der 
Veste und denen in der Schanze jetzt die Herzen! — Plötzlich 
aber blitzte es auf, — zur Rechten und zur Linken; die Schweden 
hatten auf dem Höhenzuge, welcher von Richersdorf nach Tempel 
hof sich hinzieht, auch Geschütz postirt. Allein die Kugeln hatten 
nicht die Kraft, das ferne Ziel, den Wartthurm, zu erreichen. 
Hans Jürgen Hake aber lachte ingriminig. . „Sie meinen's 
gut!" rief er zum Sattler Arndt hinauf 
„Noch hat's nicht Noth!" erwiderte ihm dieser. „Am 
Fuße jener Höhen liegt ein sumpfig' Elsbruch. Dort kommen 
sie mit ihren schweren Stücken nicht hindurch! Nur auf dem 
großen Wege ist es möglich, unsern Hügel zu erstürmen! Sie 
sehen es schon selbst ein; — seht: jetzt gehen sie auf grader 
Straße vor! Haltet euch wacker, meine Schützen!" — 
Von der Heerstraße her erklangen jetzt dröhnender die 
schwedischen Trvuipeten. Die Reiter des Feindes rückten selbst 
zwar noch nicht vor; wohl aber wurde auf der Höhe grad' 
vor den Brandenburgern ein Geschütz postirt, — nicht mehr 
zur Seite, sondern aus dem Wege selbst! — 
Muthig erwiderte die Besatzung der Verschanzung das 
Feuer der Schtvedcn nach allen ihren Kräften; allein es schien 
ein initzlos Ringen nur zu sein. „Verdammt, daß Ihr nicht 
ein paar Stücke habt, um ihnen nach Gebühr den Gegengruß 
zu senden!" sprach der wackere Centmeyer zu Hans Georg 
von Hake. „Wir können noch nichts machen; — die Arkebusen 
und die langen Flinten tragen nicht bis zu jener Höhe dort. 
Mein Gott; — jetzt haben sie die richt'ge Richtung!" — 
Krachend waren zwei Kugeln in die alte Warte gefahren; 
die eine derselben hatte sich in den kegelförmigen Thurmhelin 
eingebohrt; die andere aber war machtlos von den granitenen 
Fundamenten des ehrwürdigen Baues abgeprallt. Jürgen 
Arndt sah sich nunmehr gezwungen, den Gang hinter dem 
Zinnenkränze zu verlassen. Er stieg hinab und führte seine 
Mannschaft in die Schanze; — seine Wange blutete. 
„Es will nicht gehen, wie ich dachte!" sprach er zu dem 
Junker Hans Georg von Hake, — der tiefen, durch einen aus 
dem Mauerwerke losgelösten Stein ihm beigebrachten Wunde 
nicht im blindesten achtend. „Wir können uns nicht halten 
— oben; stehen wir d'rum hier zusannnen!" — 
In demselben Augenblicke aber sank prasielnd und krachend 
das zinnenumringte Dach des Wartthurms zusainmen. Eine 
jubelnde Fansare erklang von drüben her. In scharfem Trabe 
gingen die schwedischen Reiter jetzt gegen die Verschanzung vor. 
„Fest Hand und Auge!" kvmmandirte Hans von Hake. „Doch 
schießt erst, wenn Ihr sicher hoffen könnt, zu treffen." — 
Jürgen Arndt stand mit dein Herrn von Hake auf der 
Krone des eilig aufgeworfenen Walles; das lange Rohr ruhte, 
zum Schusse bereit, in seinen: Arme. Kühn, das Haar ein 
wenig im Winde flatternd, sah er der anstürmenden Reiter 
schaar entgegen. „Jetzt, Herr von Hake", sprach er leise, „gilt 
es, festzustehen!" — Dann wendete er sich zu seinen Schützen: 
„Brüder," rief er begeistert, „fürchtet nichts; — ich weiß, daß 
Hülfe naht: der Herr von Rochow hat uns nicht verlassen! 
— Sehet, — dort naht er von dem Tempelhofer Wege! — Die 
Schweden hier vor uns, — sie aber sind verloren! — Jetzt" — 
„Jetzt — Feuer!" kvmmandirte Hans Georg von Hake. 
Der Pulverdampf verhüllte einige Sekunden lang den 
freien Blick. Dann aber rief der Rittineister vom Regimente 
Strauß: 
„Hurrah, das hat gesessen! — Allein, — was höre ich! 
Dort klingen andere Hörner?" —
        
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