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Periodical volume 22. Dezember 1888 Nr, 12

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Berlinern bekannte optische Anstalt von I. Obenaus jun. Den 
älteren Barometern mit den die ganze Peripherie umschreibenden 
Zeigern sind die neuen patentirten Holosteric-Barometer in runder, 
reich geschnitzter Holzfassung vorzuziehen; die treffliche Auswahl 
von Brillen mit Diaphragma zur Verhütung schädlicher Reflexe, von 
achromatischen Operngläsern und Krimstechern, Lupen, Hygrometern und 
optischen Instrumenten jeder Art erleichtert bei der Nachfrage den An 
kauf in einem Geschäft, welches sich eines altbewährten Rufes erfreut. 
Den Titel „Die Poesie der Wolle", in kunstgewerblicher 
Beziehung nicht uninteressant, führt eine in anmuthigem Plauderton 
gehaltene Abhandlung über die Bedeutung der dekorativen Gestaltung 
unserer Wohnungseinrichtungen durch Teppiche, Portieren und ähn 
lichen Schmuck. Die in der Geschäftswelt wohlbekannte Firma 
Ascher & Münchow, Leipzigerstraße 43, hat die Erzählung, 
welche durch eine orientalische Teppichweberei vorzüglich illustrirt 
wird, in geschickter Weise ihren Zwecken dienstbar zu machen gewußt 
und die „Poesie der Wolle", die in Hunderttausenden von Exem 
plaren veröffentlicht ist, in Wort und Bild auch der heutigen 
Nummer des „Bär" beigefügt. 
Eines der neuesten Gesellschaftsspiele auf dem Billard ist das 
gesetzlich geschützte „Jeu de baraque“, bei welchem es darauf 
ankommt, daß der Ball 1. das aufgelegte Baraque-Metallbrett 
überhaupt erreicht, 2. nicht wieder herunterläuft und 3. eine hohe 
bezw. die höchste Nr. 25 trifft. Dieses Spiel, sowie alle Arten 
von Billards und Billard-Requisiten, wie Queues in allen vorzüg 
lichen Holzarten, aus 8 — 200 Stücken bestehend, Queuelederpressen, 
Ständer und Schränke hält I. Neuhuscn's Billard-Fabrik, 
Beuthstraße 22, in reichster Auswahl auf Lager. Die Tischbillards 
mit einzulegenden Koulissen für 20 und mehrPersonen verdienen für die 
Weihnachtszeit einer besonderen Erwähnung. Wir behalten uns 
ausdrücklich vor, die Erzeugniffe der Fabrik, wie das Mikado-Billard, 
später einer eingehenden kunstgewerblichen Besprechung zu unterziehen. 
Eine weitere Neuerung, deren Zweck auf hygienischem Gebiete 
liegt, ist die gesetzlich geschützte, verbesserte sogenannte Platin - 
oder Luftreinigungslampe (Döbereiner Fläschchen), eine 
„Wunderlampe" im wahren Sinne des Wortes. Während 
der glühende Platin in der Lampe die schlechten Dünste verzehrt, 
stößt er gleichzeitig Ozogen aus, welches den Raum mit ange 
nehmem Waldduft mäßig erfüllt. Aus diesen Gründen sind die 
Lampen in Kranken-, Kinder-, Speisezimmern am besten zu ver 
wenden, in denen sich Menschen aufhalten. In Berlin sind diese 
Wunderlampen bereits im Reichstagsgebäudc, Polizei-Präsidium, 
Königin-Augusta-Hospital und vielen anderen öffentlichen Gebäuden 
und Hospitälern eingeführt und werden von Autoritäten am 
hygienischem Gebiete empfohlen. Der Mechanismus ist ein höchst 
einfacher, die damit verknüpften Auslagen sind geringe. Die Wunder 
lampe ist durch den „Bazar" Nürnberg, Französische Straße 20 
zu beziehen, wo auch alle Utensilien für die Lampe zu haben sind 
die einzelnen Theile, auch Ozogen und fuselfteier Weingeist von 
mindestens 96 Prozent Tralles, der zur Verbrennung nöthig ist. 
Das seit 100 Jahren bestehende Moskauer Thee-Großhand- 
lungshaus Wassili Perloff u. Söhne bezieht seine sämmtlichen 
Thees unmittelbar aus Kiachta und zwar auf dem Landwege 
mittels Kameele, deren jedes zwei Kisten („Cibykis") trägt. Der 
Transport dauert nur ungefähr neun Monate. Der russische 
Thee ist bekanntennaßen der beste; und um solchen in echtem, 
unverfälschtein Zustande zu erhalten, hat man sich natürlich an 
solche Geschäfte zu wenden, von denen der direfte Bezug bekannt 
und erwiesen ist. Die genannte Firma unterhält für Deutschland 
in der Friedrichstraße 65 eine Niederlage, wo dem Käufer 
jegliche Waare in der chinesischen Original-Verpackung mit Zoll 
verschlußmarke bereitwilligst vorgeführt wird. Unter den echten 
chinesischen Karawanen-Thees sind als schwarzer Thee Chunmi 
zu nennen, als Blumen-Thee Liansin und Seofajun. Die 
Theemaschinen (Samoware), in Ausstattungen von 30 — 60 Mk., 
haben sich bereits vielfach eingebürgert. 
Das Institut der Berliner Crysvlan-Glasmalerei von U. B er - 
noulli, welches seit März dieses Jahres in einem geräumigen 
Geschäftslokale in der Leipzigerstraße 99 I. seine Bildwerke dem 
Publikum zur Anschauung bringt, wendet eine ganz neue, in allen civi- 
lisirten Ländern Europas und Nord-Amerikas patentirte Technik an. 
Die Bilder sind ausschließlich Fenstervorsetzer und Bilder zum 
Anhängen und bieten in Zeichnung und Farbenwirkung dem Auge 
einen Reiz, wie wir ihn in der Glasmalerei nur bei den be 
deutendsten Werken früherer Kunstepochen bewundern. Die Preise 
dieser Glasbilder sind so niedrig, daß auch der minder Begüterte 
sich nicht den Genuß zu versagen braucht, durch eine prächtigen 
Fensterschmuck seinem Heim eine schöne Zierde, den Reiz einer rechten 
Wohnlichkeit zu geben. Das Institut hält ein Lager von mehreren 
Tausend fertigen Bildern mit und ohne Umrahmung im Preise von 
8—50 Mk., in allen erdenklichen Fensterbreiten, Bilder für hoch 
elegante Salons und solche für bescheidene Wohnräume, für Speise 
zimmer und Restaurants. Neue Muster sind in ununterbrochener 
Folge in Ausführung, um nach Möglichkeit jeder Geschmacksrichtung 
gerecht werden zu können. — Das Unternehmen sei dem freund 
lichen Interesse unserer Leser hiermit bestens empfohlen. 
Unter denjenigen Schaufenstern, welche zur Weihnachtszeit von 
der schaulustigen Menge dicht umlagert und bewundert werden, ist 
das der Kinder-Spielwaaren-Fabrik des Hoflieferanten G. Soehlke 
Nachf. in der Markgrafenstraße 58 wohl das bekannteste und 
besuchteste. Hirten auf dem Felde und eine weidende Heerde, alles 
in Lebensgröße, führen uns in eine weihnachtliche Stimmung ein 
und bereiten auf die Schätze vor, welche innerhalb der großen 
Lagerräume in musterhafter Ordnung aufgestellt sind. Seit dem 
Jahre 1876 sind in 6—7 großen Sälen Abtheilungen geschaffen 
worden für Puppen, Küchen- und Zimmer-Einrichtungen, Gesellschafts 
und Beschäftigungsspiele, Fröbel'sche Spiele, Kugel- und Kegelspiele, 
Modell-Baukasten und Buchdruckpressen, Dinge mit Uhrwerk und 
Musik, Gegenstände für den Christbauin, Bilderbücher und Jugend- 
schriften. Die in ihrem Fache als Autoritäten auch im Auslande 
geschätzten Chefs der Firma führten uns mit liebenswürdiger Bereit 
willigkeit und Umsicht in alle Theile des gegen früher erheblich 
erweiterten Etabliffements. Eine besondere Annehmlichkeit im 
Söhlke'schen Geschäft ist die Einrichtung, daß die Spiele für 
Knaben und die für Mädchen zum Theil gesonderte Aufstellung er 
halten haben, so daß die schnelle Auswahl sehr erleichtert wird. 
In der Brüderstraße Nr. 3 besichtigten wir bei den Hof 
lieferanten Gebr. Beckh die weiten Räume eines Teppichlagers, wie 
es in Bezug auf seine Größe und auf die Güte der Stoffe Wohl 
nur wenige in Berlin giebt. Handgeknüpfte Smyrna-Teppiche 
wetteifern dort mit Jacquard-Stickerei, rheinische und echte Brüffel- 
Teppiche ohne Naht mit ebensolchen Tourney-, Aubusson- und Ax- 
minster-Teppichen. Für den Hausgebrauch sind die Smyrna-Teppiche 
den persischen bei weitem vorzuziehen. Von besonderer Schönheit 
sind die bedruckten Velouö-Teppiche, zu denen geeignete glatte 
Stoffe als Garnituren der Möbel oder als Fenstervorhänge zur 
Drapirung hinzugefügt werden. Außerdem führt die Firma Angora 
felle, die bekanntlich stets mottenfrei bleiben, in allen Farben, von 
5—30 Mk., Läuferstoffe, Bettvorleger, Kokosmatten, Pottieren in 
Seide und Velour, ferner Satteltaschen und Möbelbezüge, Plaids 
und Reisedecken von 7—150 Mk., auch wasserdichtes englisches 
Linoleum in allen Breiten und Stärken, das sich immer mehr als 
Fußboden- und Treppenbelag einfühtt. 
Wir können den Lesern nicht den Scheidegruß von unserer 
Wanderung darbringen, ohne zuvor auch einige der besten Bezugs 
quellen von Leckereien und Süßigkeiten, Früchten und Weinen vorge 
führt zu haben, die wir uns für den Abschluß der langen Fahtten 
sorgsam aufbewahtten.
        
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