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Volume 6. October 1888 Nr, 1

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

den weiblichen Mitgliedern unseres erlauchten Königshauses zu be- j 
nennen und gab der neubegründeten den Namen der damaligen ! 
Kronprinzessin Victoria, während der älteren Schule der Name der - 
Königin Luise beigelegt wurde. Eine zweite Folge der Gründung 
der Victoriaschule ivaren die Bemühungen der städtischen Be 
hörden, auch für die Luisenschule ein anderes Schulgrundstück zu 
erwerben. Nach mehrjährigen Vorbereitungen und Verhandlungen 
im Schoße der Stadtbehörden wurde im Jahre 1870 für die 
Luisenschule das Grundstück der Cantian'schen Erben in der Ziegel 
straße 8 und das daranstvßende Grundstück der Geschwister Wimmcl 
in der Artilleriestraße 8—12, das erstere für 65 000 Thaler, das 
andere für 64 000 Thaler als Baustelle für die Luisenschule er 
worben. Im Wvhnhause des ersteren Grundstücks befindet sich jetzt 
die Wohnung des Direktors, das größere Gebäude auf dem andern 
Grundstück ist vom Schulgrundstück getrennt worden und enthält 
jetzt eine Steuerannahme und ein Standesamt. Nach mehr- 
fachenHinderniffen 
konnte der Neu 
bau der Luisen 
schule im Anfang 
des Jahres 1874 
vollendet werden. 
Die Einweihung 
des neuen Schul 
gebäudes fand am 
2. März 1874 statt. 
Die Schule zählte 
nun 18 Klassen für 
840 Schülerinnen. 
Es mag hier nock- 
erwähnt werden, 
daß das alte 
Schulgebäude in 
derOranienburger- 
straße 69, in dem 
die Luisenschule 
sich 36 Jahre lang 
entwickelt hatte, 
zunächst einer Ge 
meindeschule über- 
tviesen wurde, 
1885 aber an den 
Besitzer des Nach- 
bargnindstückes 
verkauft wurde, 
und theilweise zur 
Verbreiterung der Artilleriestraße Verwendung fand, während der 
Rest mit neuen, stattlichen Gebäuden bebaut wurde. Zur Straßenver 
breiterung tvaren 449 qm. verwendet worden und für den Ziest 
von 476 qm. hatte der Käufer 134 227 Mark bezahlt. Das alte 
Schulgebäude besteht somit nicht mehr. 
In den verflossenen fünfzig Jahren hat die Schule 6087 Schü 
lerinnen ausgenommen, von denen bis zum 1. April 1888 5272 die 
Schule wieder verlasien hatten. Es sind ferner in diesen 50 Jahren 
33 festangestellte Lehrer und 21 Lehrerinnen, 37 Hülsslehrer und 16 
Hülfslehrerinnen thätig gewesen. Unter diesen befindet sich mancher, 
der auch in weiteren Kreisen bekannt geworden ist. Nächst den 
ersten Lehrern, Prof Di-. Städler, Oberlehrer Rudolph, der 
erst im April dieses Jahres aus dem Kollegium ausgeschieden 
ist, Prediger Spömberg, Musikdirektor Professor v. Hertzberg, 
der im Oktober 1885 ausschied und noch als Dirigent des 
königlichen Domchors fungirt, nenne ich den Lehrer Hartung, 
den späteren Rektor der Stralauer höheren Stadtschule, die 
Direktoren der Charlotten-, Sophien- und Margarethen-Schule, 
Pros. Goldbeck, Benecke und Prof. Dr. Cochius, die Prediger 
Weitling und Dr. Sydow, und den Verfasser der geflügelten Worte, 
Prof. Dr. Büchmann. 
Nun noch einige Worte über den Jubilar, Direktor Professor 
Dr. Mätzner. Eduard Mätzner ist am 25. Mai 1805 zu Rostock 
geboren. Er besuchte das dortige und später das Greifswalder 
Gymnasium, das er nach abgelegter Abiturientenprüfung Ostern 
1822 verließ, um in Rostock Theologie zu studiren. Später ging 
er nach Heidelberg, wo er sich vorzugsweise mit philologischen 
Studien beschäftigte. Nach abgelegter Prüfung pro facultate 
docendi im Jahre 1830 fand er zunächst Beschäftigung am 
französischen Gymnasium in Berlin und trat 1831 in das Kollegium 
des Brvmberger Gymnasiums ein. Ein ernste Erkrankung führte 
jedoch 1834 zunächst seine Beurlaubung herbei und veranlaßte ihn 
im folgenden Jahre diese Stelle aufzugeben. In Berlin erhielt er 
seine volle Gesundheit wieder und wurde im Jahre 1838 von 
den städtischen Be 
hörden zur Lei 
tung der neube 
gründeten „Ersten 
städtischen höheren 
Töchterschule" be 
rufen. Im Jahre 
1833 hat er den 
philosophischen 
Doktorgrad er 
worben und wurde 
1844 zum Pro 
fessor ernannt in 
Anerkennung sei 
ner literarischen 
Verdienste auf dem 
Gebiet der neueren 
Sprachen, auf 
deren Studium 
diese und die spä 
teren Werke einen 
bedeutenden und 
dauernden Einfluß 
ausgeübt haben. 
Möchte es dem 
hochverdienten 
Jubilar, der trotz 
seines Alters sich 
noch einer seltenen 
körperlichen und 
geistigen Rüstigkeit erfreut, noch beschieden sein, das 1872 im 
Druck begonnene Wörterbuch zu den englischen Sprachprobcn zu 
vollenden. E. M. 
Zum 50 jährigen Dienstjubiläum des Ober-Post- 
Direlrtors, Geheimen Ober-Post-Rath Schiffmann in 
Berlin. 
Von den im Handbuch für das deutsche Reich aufgeführten 
40 Ober-Postdirektionen ist diejenige in Berlin, deren Geschäfts 
räume in dem, unseren Lesern hinlänglich bekannten, monumentalen 
Gebäude an der Spandauerstraße untergebracht sind, auf ein un 
gewöhnlich kleines Gebiet beschränkt. Der Geschäftsbezirk dieser für 
den Post- und Telegraphendienst bestimmten Verwaltungsbehörde 
umfaßt außer der Reichs-Hauptstadt nur Charlottenburg mit Westend, 
einige andere Vororte und die im nächsten Bereich derselben liegenden 
Dörfer und Niederlassungen. Eine Reihe tvichtiger, mit Berlin in
	        
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